Meinung

So macht man Stimmung

Ahmad Mansour Foto: picture alliance/dpa

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So macht man Stimmung

Die deutsche Berichterstattung über den Krieg zwischen Israel und der Terrormiliz Hisbollah ist unterkomplex und einseitig. Über die wahren Interessen der Libanesen wird dabei hinweggegangen

von Ahmad Mansour  10.06.2026 12:00 Uhr

Im Nahen Osten wird über den Libanon-Krieg ehrlicher gestritten als in Deutschland. Das sollte uns zu denken geben. Während man hierzulande Israel zum alleinigen Aggressor erklärt, wächst im Libanon der Zorn auf die Hisbollah.

Dass die Miliz sich dem Befehl aus Teheran beugte, das eigene Land als Geisel nahm und Anfang März erneut gegen Israel in den Krieg zog, hat mit libanesischen Interessen nichts zu tun. Genau deshalb verhandelt die Regierung in Beirut inzwischen direkt mit Israel über Frieden. Selbst der libanesische Präsident macht das Regime in Teheran für die Eskalation verantwortlich – und nicht Israel.

Die Libanesen wollen in Ruhe gelassen werden – nicht von Israel, sondern von den Islamisten.

Bezeichnend: Trotz des seit April geltenden Waffenstillstands feuert die Hisbollah weiter täglich Drohnen und Raketen ab. Israel schützt seine Soldaten und die Städte im Norden, die ungeachtet der Waffenruhe beschossen werden. Im Gros der deutschen Medien hingegen gibt es nur eine Botschaft: »Israel eskaliert.« Die traurige Wahrheit ist: So macht man Stimmung!

Teheran versucht, eine neue Gleichung durchzusetzen: Wer Beirut angreift, greift den Iran an. Die Mullahs inszenieren sich als Beschützer des Libanon – dabei fürchten sie nichts so sehr wie den Frieden. Jenen Tag, an dem der Zorn der Libanesen so groß wird, dass er den Weg freimacht für ein Abkommen zwischen dem Zedernstaat und Israel.

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Die Botschaft der meisten Libanesen ist unmissverständlich: Ihr Land ist keine Kampfarena für fremde Kräfte. Die Hisbollah handelt nicht für ihren Staat, sondern gegen ihn. Die Menschen wollen in Ruhe gelassen werden – nicht von Israel, sondern von den Islamisten. In Berlin klingt das anders. Man sorgt sich um die Härte der israelischen Reaktion und ruft »beide Seiten« zur Mäßigung auf.

So wird aus dem Angegriffenen bequem der Aggressor: durch die Reduktion von Komplexität und die Pflege vertrauter Feindbilder. Wer wissen will, wie ein ehrlicher Streit über diesen Krieg klingt, muss derzeit nach Beirut hören, nicht nach Berlin. Und das ist bitter.

Der Autor ist deutsch-israelischer Psychologe und lebt in Berlin.

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