Die jedes Leben verachtende Terrororganisation Hamas bestellt einen neuen Anführer, der das Erbe des Schlächters Yahya Sinwar weiterführen soll, und der »Spiegel« fragt »Was will der neue Hamas-Chef Khalil al-Hayya?«. Eine rhetorische Frage sollte man meinen, die der Text – mal wieder von Thore Schröder – dann elf Absätze später aber immerhin doch beantwortet: »einen palästinensischen Staat auf dem Gebiet des gesamten historischen Palästina errichten und den jüdischen Staat auslöschen«. Wenn auch nur als Zitat eines israelischen Experten. Sicher ein Zionist, wer Böses dabei denkt.
Die gut 525 Worte davor geht es offenbar darum, den Leser so für diesen Mann einzunehmen, dass diese der online abrufbaren Hamas-Charta zu entnehmende Antwort niemanden mehr interessiert. Und das mit aller Emotionalität und ohne journalistische Einordnung: »Oberhaupt einer Märtyrerfamilie«, steht unter al-Hayyas Foto. Er sei unter Palästinensern »anerkannt«, weil er alle »Attentatsversuche« der Israelis überlebt habe. Seine Wahl positioniere die Hamas »als Widerstandskraft«. »Für die Zukunft des Gazastreifens könnte sein Aufstieg hilfreich sein, weil der neue Chef über gute Verbindungen vor Ort verfügt.«
Um herauszufinden, warum er die hat, muss man tief scrollen – vorbei an akademischen Graden und Lob seines Verhandlungstalents – oder man sucht sich ausführlichere Quellen. Denen ist zu entnehmen, dass al-Hayya als Sinwars Stellvertreter in Gaza die Massaker des 7. Oktober 2023 mitorganisiert hat, sich kurz vorher ins Ausland absetzte, versucht hat, den Iran zum konzertierten Angriff zu drängen und seitdem in Katar residiert.
Dass al-Hayya im »New York Times«-Interview verkündete, dass die Massaker notwendig und ein Erfolg gewesen seien, weil nun in der Region »niemand mehr Ruhe hat« lässt der »Spiegel« aus – zugunsten eines von einem »Hamas-nahen Informationszentrum« verbreiteten Zitat laut dem »die Attacke eigentlich als begrenzte Operation gedacht gewesen« sei, um ein paar israelische Soldaten zu entführen und gegen inhaftierte Palästinenser »auszutauschen«.
Auch die Frage, warum Israels Armee al-Hayya bereits vorher zum Ziel gemacht hat, bleibt unbeantwortet. Also hier in aller Deutlichkeit: Scheich-Yassin-Jünger, Muslimbruder, Intifada-Terrorist, Hamas-Gründungsmitglied, Qassam-Brigaden, Mullah- und Hisbollah-Mittelsmann, 7. Oktober-Planer.
Die eigentliche Frage muss lauten: Will Khalil al-Hayya Frieden für sein Volk und in der Region, oder will er in Hamas-Tradition alle Juden der Welt töten? Aber nach dem Lesen des Artikels fragt man sich eher: Warum kuschelt der Spiegel mit der Hamas?
Und so endet der Al-Hayya-Fan-Artikel (»Er hat viel durchgemacht«) denn auch mit dem Sinnieren über tote Kinder. Ganz sicher ein Zionist, wer dabei Böses denkt. Aber was bleibt einem anderes übrig.
benchamo@juedische-allgemeine.de