Meinung

Wenn der »Spiegel« mit der Hamas kuschelt

Sophie Albers Ben Chamo, Redakteurin der Jüdischen Allgemeinen Foto: Stephan Pramme

Die jedes Leben verachtende Terrororganisation Hamas bestellt einen neuen Anführer, der das Erbe des Schlächters Yahya Sinwar weiterführen soll, und der »Spiegel« fragt »Was will der neue Hamas-Chef Khalil al-Hayya?«. Eine rhetorische Frage sollte man meinen, die der Text – mal wieder von Thore Schröder – dann elf Absätze später aber immerhin doch beantwortet: »einen palästinensischen Staat auf dem Gebiet des gesamten historischen Palästina errichten und den jüdischen Staat auslöschen«. Wenn auch nur als Zitat eines israelischen Experten. Sicher ein Zionist, wer Böses dabei denkt.

Die gut 525 Worte davor geht es offenbar darum, den Leser so für diesen Mann einzunehmen, dass diese der online abrufbaren Hamas-Charta zu entnehmende Antwort niemanden mehr interessiert. Und das mit aller Emotionalität und ohne journalistische Einordnung: »Oberhaupt einer Märtyrerfamilie«, steht unter al-Hayyas Foto. Er sei unter Palästinensern »anerkannt«, weil er alle »Attentatsversuche« der Israelis überlebt habe. Seine Wahl positioniere die Hamas »als Widerstandskraft«. »Für die Zukunft des Gazastreifens könnte sein Aufstieg hilfreich sein, weil der neue Chef über gute Verbindungen vor Ort verfügt.«

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Um herauszufinden, warum er die hat, muss man tief scrollen – vorbei an akademischen Graden und Lob seines Verhandlungstalents – oder man sucht sich ausführlichere Quellen. Denen ist zu entnehmen, dass al-Hayya als Sinwars Stellvertreter in Gaza die Massaker des 7. Oktober 2023 mitorganisiert hat, sich kurz vorher ins Ausland absetzte, versucht hat, den Iran zum konzertierten Angriff zu drängen und seitdem in Katar residiert.

Dass al-Hayya im »New York Times«-Interview verkündete, dass die Massaker notwendig und ein Erfolg gewesen seien, weil nun in der Region »niemand mehr Ruhe hat« lässt der »Spiegel« aus – zugunsten eines von einem »Hamas-nahen Informationszentrum« verbreiteten Zitat laut dem »die Attacke eigentlich als begrenzte Operation gedacht gewesen« sei, um ein paar israelische Soldaten zu entführen und gegen inhaftierte Palästinenser »auszutauschen«.

Lesen Sie auch

Auch die Frage, warum Israels Armee al-Hayya bereits vorher zum Ziel gemacht hat, bleibt unbeantwortet. Also hier in aller Deutlichkeit: Scheich-Yassin-Jünger, Muslimbruder, Intifada-Terrorist, Hamas-Gründungsmitglied, Qassam-Brigaden, Mullah- und Hisbollah-Mittelsmann, 7. Oktober-Planer.

Die eigentliche Frage muss lauten: Will Khalil al-Hayya Frieden für sein Volk und in der Region, oder will er in Hamas-Tradition alle Juden der Welt töten? Aber nach dem Lesen des Artikels fragt man sich eher: Warum kuschelt der Spiegel mit der Hamas?

Und so endet der Al-Hayya-Fan-Artikel (»Er hat viel durchgemacht«) denn auch mit dem Sinnieren über tote Kinder. Ganz sicher ein Zionist, wer dabei Böses denkt. Aber was bleibt einem anderes übrig.

benchamo@juedische-allgemeine.de

Reaktion

Israels Botschafter spricht Klartext über AfD-Wahlerfolg in Sachsen-Anhalt

 07.09.2026

»Freedom Flotilla Coalition«

Neue Gaza-Flottille unterwegs

Die Initiatoren wollen den Gazastreifen im Oktober erreichen und fordern eine »globale Intifada«

 07.09.2026

Israelische Zeitungen

Wahlen

Wie in Israel über den Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt berichtet wird

Der AfD-Erfolg in Sachsen-Anhalt sorgt im jüdischen Staat für Unruhe – und löst eine ambivalente Debatte über die Partei und ihre Haltung zu Juden und Israel aus

von Sabine Brandes  07.09.2026

Nahost

Iran soll Angriff mehrerer Terrorgruppen auf Israel planen

Nach israelischen Einschätzungen könnte das Mullah-Regime einen gleichzeitigen Einsatz an mehreren Fronten vorbereiten – mit Beteiligung der Hisbollah, der Hamas und der Huthi

 07.09.2026

Gesellschaft

Exodus der Ärzte

Studie: Seit 2023 haben rund 1370 Mediziner Israel verlassen, darunter zunehmend erfahrene Fachärzte

von Sabine Brandes  06.09.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  06.09.2026

Jerusalem

Israels Sicherheitsrat: Weltweite Reisewarnung für die jüdischen Feiertage

Die Behörde warnt vor gezielten Anschlägen durch extremistische Gruppen und Einzeltäter auf Juden und Israelis. Von Reisen in zahlreiche arabische und an den Iran grenzende Staaten wird dringend abgeraten

 06.09.2026

Jerusalem

Oberstes Gericht kippt Festnahmeverbot für ultraorthodoxe Wehrdienstverweigerer

Das im Sommer verabschiedete Moratorium verstößt nach Ansicht der Richter gegen den Gleichheitsgrundsatz. Der Staat dürfe bei der Strafverfolgung keine unzulässigen Ausnahmen machen

 06.09.2026

Kommentar

Warum es eine Brandmauer gegen die Linkspartei braucht

Wenn eine Brandmauer nur auf einer Seite steht, brennt es von der anderen rein. Über diese offene Seite müssen wir reden

von Nelly Eliasberg  06.09.2026