Nachruf

»Haim Yavin. Hier enden unsere Sendungen«

Chaim Yavin

Nachruf

»Haim Yavin. Hier enden unsere Sendungen«

Der israelische Protestkünstler Shoshke Engelmayer verabschiedet sich von einer TV-Legende seines Landes

 23.07.2026 16:45 Uhr

Haim Yavin ist tot. Der legendäre israelische TV-Moderator, der von 1968 bis 2008 die Nachrichtensendung »Mabat le-Chadaschot« (»Blick auf die Nachrichten«) im zunächst einzigen öffentlich-rechtlichen Fernsehsender »Kanal 1« des Landes präsentierte, starb am Mittwoch im Alter von 93 Jahren. Yavin, der am 10. September 1932 im oberschlesischen Beuthen (heute Bytom in Polen) als Heinz Kluger geboren wurde, kam als Kleinkind mit seiner Familie ins Mandatsgebiet Palästina.

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Haim Yavin war der israelische »Mr. Tagesschau«: Es gibt wohl keinen Israeli über 20, der sich nicht an ihn erinnert. Der israelische Protestkünstler Ze’ev »Shoshke« Engelmayer (64) hat in einem Social-Media-Post Abschied von der TV-Legende genommen. Anbei die Übersetzung aus dem Hebräischen:

»Haim Yavin. Hier enden unsere Sendungen.

Haim Yavin ist gestern gestorben. Es ist ein Abschied von jemandem, der Teil unserer kollektiven Landschaft war. Der Landschaft unserer Kindheit. Noch ein Stück des Eretz Israel von damals, das es nicht mehr gibt.  Ein Abschied von ihm ist auch ein Abschied vom Schwarzweiß-Fernsehen, von den abendlichen Versammlungen um neun Uhr vor dem Bildschirm, um ›Mabat‹ zu sehen und zu erfahren, was an diesem Tag passiert war.

Er war der erste Moderator, den wir kennengelernt haben. ›Mr. Fernsehen‹.  Ein Mann, der sich uns überall widerspiegelte, in jedem Wohnzimmer und an jedem Ort in Israel. Haim Yavin moderierte den nationalen Puls – zurückhaltend und routiniert in einer Zeit, in der es nur den ersten und einzigen TV-Kanal in Israel gab.  Er stand an den dramatischsten Wegkreuzungen, beim ›Mahapach‹ (Wende) 1977 (als der rechtsgerichtete Likud-Block unter Menachem Begin nach jahrzehntelanger Dominanz der linksgerichteten Arbeitspartei die Wahl zur Knesset gewann, Anmerkung der Red.) und in der schrecklichen Nacht des Mordes an Rabin. Später schuf er dokumentarische Serien über das Judentum in Russland und über die Siedler, stellte weiterhin Fragen an die israelische Wirklichkeit.

Wir allen sahen ›Kishkashta‹ mit Nira Rabinovich als sprechendem Kaktus (…), und Haim Yavin und Dalya Mazor in den Nachrichten. Fernsehen war damals der nationale Klebstoff, das Lagerfeuer des Stammes. Wir alle schauten dieselben Sendungen und sprachen am nächsten Tag darüber, in der Schule, auf der Arbeit und auf der Straße. Und Haim Yavin war dort der Hauptanker, jahrzehntelang.

Die Zeiten haben sich geändert. Die Zeit, die Haim Yavin hervorgebracht hat, ist vergangen. Die Bildschirme wurden mehr, und sie haben sich gespalten. Der Abschied von Haim Yavin ist der Abschied von einer Zeit, die nicht wiederkehren wird. Er stand an jeder historischen Kreuzung, sah ein Land, das in Erschütterung geriet, sah Generationen, die aufeinanderfolgten, und berichtete uns über uns selbst.

Frieden sei mit dir, Haim Yavin, und danke für deinen Weg.«

Shoshke Engelmayer beendet seinen Nachruf auf Haim Yavin mit einem hochpolitischen Wunsch in Hinblick auf die kommenden Wahlen in Israel zur Knesset, die für den 27. Oktober angesetzt sind. Dabei zitiert er das Wort, das der Moderator 1977 nach dem Sieg der Likud-Partei im Fernsehen geprägt hatte:

»Und falls ich mir noch etwas wünschen darf, dann wäre es nur ein einziges Wort von dir. Ein Wort, von dem ich hoffe, dass es bald wieder relevant werden und uns Hoffnung geben wird: ›Mahapach‹ (Wende).« ag

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