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Der schöngefärbte Sozialist: So framed »Die Zeit« den fanatischen Israelhasser Zohran Mamdani zur politischen Lichtgestalt

Paul Middelhoffs Text in der Wochenzeitung »Die Zeit« beginnt wie ein Broadway-Titel: »If he can make it there …« , da ist sie, diese Atmosphäre! Ein Aufbruch, der, so toll erzählt, in einem etwas zugemüllten Raum beginnt, mit Marx-Lektüre, Pronomen-Runde und Menschen, die an die »richtige Revolution glauben. Es riecht nach Theorie, Klischees, Nudeln und Aufbruch.

New York ist teuer, die Mieten sind absurd und der Sozialismus plötzlich sexy. Mittendrin steht Zohran Mamdani, lächelnd, elegant, volksnah: der Mann, der das Unmögliche möglich gemacht hat. 

Damit ist die Dramaturgie im Artikel gesetzt. Mamdanis Sozialismus erscheint als logische politische Antwort. Sein Verhältnis zu Israel und zu den Juden hingegen erscheint als rein psychologisches Problem. Der verräterischste Satz steht groß über der Seite: «Da ist auch Angst. Davor, dass in ihm ein Israel-Feind steckt, vielleicht sogar ein Antisemit.»

Aha. Angst also. Nicht politische Entscheidungen, Äußerungen, Allianzen. Nein, da ist ein «Muster» – Juden haben halt Angst, aber Mamdani macht eben Politik – richtige Politik! Im Text handeln nur Mamdani und seine fanatischen Anhängerinnen – seine Kritiker fühlen nur. Sie empfinden Unbehagen – als ob Antisemitismus und aktive Israel-Vernichtungspolitik ein Gefühl und nicht politische Programm wäre. So funktioniert Framing.

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Sozialismus wird zur Politik, Antisemitismus zur Befindlichkeit. Daran ist alles falsch. Ob «in Mamdani» ein Antisemit «steckt», ist die falsche Frage. Demokratie beurteilt keine Herzen, sondern Sprache, Entscheidungen, Personal und Macht. Antisemitismus ist kein geheimes Gefühl im Innern eines Politikers. Er ist ein Code, der bestimmt, wessen Geschichte sichtbar bleibt, wessen Angst ernst genommen wird und wer aus den Institutionen verschwindet.

Genau diese institutionelle Ebene unterschlägt das Porträt der «ZEIT»-Edelfeder Paul Middelhoff, obwohl es doch so viele Beispiele dafür gibt. Am ersten Amtstag kassierte Mamdani viele Erlasse seines Vorgängers Eric Adams in einem Paket (Trump nicht unähnlich.) Darunter war die Übernahme der Arbeitsdefinition der «International Holocaust Rememberance Alliance zum Antisemitismus» – jene Definition, die auch bestimmte Formen der Israel-Dämonisierung als antisemitisch erfasste.

Selbst nach Protesten wurde sie nicht ersetzt oder ergänzt. Man wolle keine kodifizierte Definition von Hass, liess Mamdanis Büro verlauten. Das ist keine Befindlichkeit. Das ist klare Amtsmacht. Zohran Mamdani hat das Existenzrecht Israels bejaht, sich aber geweigert, Israel als jüdischen Staat zu anerkennen. Das ist keine Wortklauberei. Eine Stadt mit der größten jüdischen Gemeinde außerhalb Israels arbeitet also ohne verbindlichen Maßstab dafür, wann Israelhass in Judenhass umschlägt.

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Im Juli 2026 protestierten vier jüdische Juristenvereinigungen dagegen, dass Mamdanis achtzehnköpfiger Ausschuss für Richterempfehlungen keinen einzigen jüdischen Juristen umfasste. In New York stellen Juden einen sehr großen Teil der Anwaltschaft. Das Büro des Bürgermeisters bestritt die Leerstelle nicht. Es verwies lediglich darauf, der Bürgermeister auch jüdische Richter ernannt hätte. Beides gehört zur Wahrheit.

Eine Zeitung wie «Die Zeit», die sonst jede Kommission nach Herkunft, Geschlecht und Repräsentation absucht, müsste zumindest erklären, warum ausgerechnet Juden in einem angeblich repräsentativen Querschnitt der New Yorker Rechtswelt fehlen. Kurz zuvor hatte eine von der Stadt verbreitete Karte der Einwanderungsquartiere «Little Palestine» und «Little Egypt» verzeichnet, die zahlreichen jüdischen Einwanderungsräume jedoch ausgelassen. Die Karte stammte aus dem Jahr 2023 und wurde von Mamdanis Verwaltung ergänzt und erneut publiziert. Nach Protesten versprach der Bürgermeister Korrekturen. Auch das ist fair.

Die Episode zeigt trotzdem, wie Auslöschung heute oft funktioniert: nicht durch ein Verbot, sondern durch eine Karte, auf der bestimmte Menschen einfach nicht stattfinden. «Die Zeit» hätte darin ein Thema erkennen können. Stattdessen liefert sie Atmosphäre.

Die wirklich hässlich redaktionelle Choreografie sitzt jedoch unter dem großen Foto von Mamdani in den kleineren Bildern. Unter Jacob Kornbluh steht: «Besorgt: der jüdische Reporter.» Unter Rama Duwaji: «Beliebt: Mamdanis Frau.» Unter Darializa Avila Chevalier: «Berüchtigt: die Aktivistin.»

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Drei Wörter, eine Ideologie. Der Jude erhält eine Emotion. Die Frau des Bürgermeisters erhält sozialen Glanz. Die Radikale erhält rebellisches Kapital. Gerade bei Rama Duwaji wäre Nüchternheit angebracht. Die Associated Press und andere Medien berichteten über ältere Posts, für die sie sich später entschuldigte.

Nach dem 7. Oktober 2013 likte sie Beiträge, die den Hamas-Überfall als Widerstand feierten. Sie lieferte eine Illustration zu einem Band im Umfeld der Autorin Susan Abulhawa, die Juden in brutaler Sprache entmenschlicht. Mamdani nannte Abulhawas Sprache unangepasst, erklärte im selben Atemzug seine Ehefrau zur Privatperson. Dies ist keine Randnotiz für «beliebt.»

Noch schwerer wiegt Hasan Piker, der reichweitenstarke Streamer, der öffentlich behauptet hat, Amerika habe 9/11 verdient. Piker gehört ins engere Umfeld von Mamdani. Bei einem rechten Politiker würde «Die Zeit» dies nicht unter «Charisma» des Bürgermeisters abbuchen, sondern als ziemlich umstrittenes Netzwerk entlarven. Und Darializa Avila Chevalier ist nicht einfach «berüchtigt», sondern eine ausgesprochen laute Antizionistin, die am 8. Oktober 2023 auf die Straße ging, um für die Hamas zu demonstrieren.

«Globalisiert die Intifada»: Mamdani solidarisiert sich mit der Mordwelle gegen unschuldige jüdische Zivilisten während der «Intifada».

Selbst Alexandria Ocasio-Cortez hatte diese Kundgebung wegen der Verharmlosung der Hamas-Gewalt kritisiert. Es ist also sicher keine Folklore, wenn genau beschrieben wird, mit wem sich der Bürgermeister solidarisiert. Den Slogan «Globalisiert die Intifada» hat Mamdani übrigens auch nie verworfen, aber das scheint «Die Zeit» ohnehin nicht zu stören.

Möchten die Redakteure in Hamburg nicht wissen oder ist es ihnen egal? Bei der letzten «Intifada» haben palästinensische Terroristen mehrere Hundert unschuldige Juden in Israel ermordet. Mamdani solidarisiert sich mit diesen Morden, indem er diesen Schlachtruf verwendet.

Ein Skandal? Mitnichten. Juden zählen nicht! Beziehungsweise fast nicht. Zugestanden wird ihnen immerhin, Angst zu haben. Immer diese Juden mit ihren Gefühlen und dieser irrationalen Angst!

Der größte kosmetische Eingriff aber betrifft die Herkunft. Mamdani wird als Sohn mit «indisch-ugandischen Wurzeln» eingeführt. Das klingt nach Rand, Migration, Aufstieg. Er ist der Sohn der Filmemacherin Mira Nair und des Columbia-Professors Mahmood Mamdani. Privilegierte Schulen, elitäres College, eine global bewegliche Kultur- und Wissenschaftselite. Daran ist nichts Verwerfliches. 

Ein rechter Politiker mit den Ansichten von Mamdani würde von der «Zeit» massiv kritisiert werden. Zu Recht.

Verwerflich ist die Maskerade, die aus zwei geografischen Adjektiven eine Legende vom Rand konstruiert. «Wurzeln» sind in diesem Text kein Befund. Sie sind Make-up. Bei einem rechten Politiker würde dieselbe Zeitung nach Elternhaus, Schulen, Netzwerken und ideologischer Sozialisation fragen. Hier genügt die magische Formel, und aus dem Sohn zweier prominenter, dezidiert antizionistischer Intellektueller wird ein authentischer Repräsentant der Einwandererstadt.

Dieser doppelte Standard trägt das ganze Porträt. Ein Rechter mit einem judenfreien Richtergremium, einer Verwaltungskarte ohne jüdische Quartiere und einer antisemitisch gefärbten Entourage würde nicht als aufregendes demokratisches Experiment beim Italiener beobachtet. Man würde ein Netzwerk zeichnen. Man würde fragen, wie aus solchem Ressentiment schnell gefährlich institutionelle Macht wird. Zu Recht.

Mamdanis Judenhass stört nur das Flirten der «Zeit» mit Rebellion, Revolution und dem «guten Sozialismus».

Was für eine vertane Chance von der «Die Zeit.»Dabei ist es so offensichtlich: Bei Mamdani sticht Gaza jedes Mal die Sozialpolitik. Der Sozialismus mag Wärme liefern, die postkolonialen Gefährten indessen kennen nur Kälte gegenüber Israel und den Juden. Bei Mamdani kommt der politische Islamismus nicht mit Bartzwang daher, sondern als bunte Koalition und mächtige Bündnisform daher: Jung, postkolonial, mit dem Versprechen auf bezahlbare Mieten und Karrieren für die junge Generation, gerne mit muslimischem Hintergrund, und immer mit einem Antipoden im rhetorischen Gepäck: Der einzige jüdische Staat als universelles Symbol des Bösen.

All das fehlt im ZEIT-Artikel über Zohran Mamdani. Nicht weil die Fakten unbekannt wären. Sondern weil es das Flirten mit Rebellion, Revolution und dem «guten Sozialismus» stört. Paul Middelhoff hat Atmosphäre geliefert. Mundgerecht für den 0815-«Zeit»-Leser, der am 9. November die tote Juden beweint, an allen anderen Tagen aber umso mehr aus dem jüdischen Staat einen Täterstaat konstruiert, der abgeschafft gehört. Die Institutionen hat Middelhoff stehen lassen. Genau dort entscheidet sich, ob Juden in New York vorkommen – oder nur noch Angst haben dürfen.

Die Autorin ist freie Publizistin und ist Verfasserin des Bestsellers «Trumpism: Ein Phänomen verändert die Welt».

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