Jubiläum

50 Jahre Muppets: »Applaus, Applaus, Applaus!«

The Muppet Show, Fernsehserie mit Statler, Fozzie Bär, Scooter, Miss Piggy, Rowlf und Kermit Foto: picture alliance/United Archives

Der Sonntagnachmittag konnte lang werden Ende der 70er Jahre, bis es endlich losging und sich der Vorhang hob. »Schweine im Weltall«; der Ballsaal; der dänische Koch (»Smörebröd, smörebröd römpömpömpöm«); »In der Tierklinik«; »Schalten Sie auch nächste Woche wieder ein, wenn Sie Doktor Bob sagen hören wollen ...«. Und natürlich die unverzichtbaren Mecker-Opas Statler und Waldorf.

Das Rezept der »Muppet Show« - kurze Sketche von mit der Zeit eingeführten Formaten in schnellem Wechsel - wurde wegweisend auch für das deutsche Fernsehen. Am 5. September 1976, vor 50 Jahren, strahlte der britische Sender ITV die erste Folge der »Muppet Show« aus.

Das Format kommt durch und durch US-amerikanisch daher. Dabei war doch der Muppets-Schöpfer Jim Henson (1936-1990) mit Sack und Pack nach Großbritannien gezogen, um die Serie dort zu produzieren; und in England erfolgte dann auch die Welturaufführung. In den USA sahen die TV-Produzenten in der Puppen-Show zunächst lediglich ein Kinderprogramm - nicht zuletzt aufgrund von Hensons US-Riesenerfolg »Sesamstraße« von 1969.

Kermit: Tausendsassa, Frontmann, Gastgeber

Dort war auch Kermit der Frosch ursprünglich beheimatet - der allgegenwärtige Tausendsassa der Muppet Show: Frontmann und Muppet-Moderator, Promi-Gastgeber, Angebeteter von Schweine-Diva Miss Piggy, ungeduldiger Lenker des Chaos hinter den Kulissen und gleichzeitig regelmäßiger Performer mit Liedern und Sketchen.

Kermit ist auch die bei weitem älteste Figur aus dem verrückten Muppet-Universum. Gefertigt wurde die erste Kermit-Puppe bereits 1955 - aus einem Übergangsmantel von Jim Hensons Mutter. 1963 folgte Rowlf, der klavierspielende Hund. Er hatte seinen ersten Auftritt in einem Werbespot für Tierfutter.

In dem britischen Schauspieler und Puppenspieler Frank Oz fand der Muppet-Schöpfer ein Alter ego. Oz, mit dem Henson schon in der »Sesamstraße« erfolgreich zusammengearbeitet hatte - er spielte dort Ernies Freund Bert - gelang es (nach anfänglicher Schüchternheit) immer mehr, die Persönlichkeit der einzelnen Puppen herauszuarbeiten.

Von »Animal« bis »Miss Piggy«

In der Muppet Show spielte Oz das nicht geringe Spektrum von Miss Piggy, Fozzie Bär, Sam den Adler und das Schlagzeug spielende Tier (»Animal«). Henson bezeichnete Oz einmal als den »größten Puppenspieler der Welt«. Auch jenseits der Muppets machte Oz noch einmal Filmgeschichte: Der Brite spielte in der »Star Wars«-Saga den Jedi-Meister Yoda - und verlieh ihm auch dessen sehr eigentümlichen Satzbau (»Viel lernen du noch musst!«).

Zum Erbe der Muppets gehören nicht nur 120 TV-Folgen in fünf Staffeln, sondern auch acht Kinofilme (1979-2014) und sieben TV-Filme (1987-2008). Am bekanntesten sind »Muppet Movie« von 1979 und die Weihnachtsgeschichte »Die Muppets feiern Weihnachten« (A Muppets Family Christmas), im ZDF 1990 erstmals ausgestrahlt.

Fester Bestandteil des Muppet-Potpourris waren die wöchentlichen Auftritte von Gaststars aus dem »echten Leben«. Sie verliehen der Show Glamour und stets wechselnde Klangfarben. Nur einige Auszüge aus der Gästeliste: Charles Aznavour, Peter Ustinov, Julie Andrews, Rudolf Nurejew, Chewbacca der Wookie, Elton John, John Cleese, Alice Cooper, Liberace, Sylvester Stallone, Arlo Guthrie, Joan Baez und Roger Moore.

Die Muppets als nationales Erbe

Mit ihrem Sammelsurium übermütiger pelziger Figuren haben sich die Macher der Muppets ein Denkmal gesetzt. Und es ist ihnen am Ende auch gelungen, die TV-Produzenten in den USA von dem Format zu überzeugen. Die Muppets sind inzwischen nationales Erbe: Die Originalpuppen werden heute im »Smithsonian’s« gezeigt, dem legendären National Museum of American History in Washington.

Auch an Ehrungen hat es nicht wirklich Mangel: 1977 erhielten die Muppets eine Goldene Rose von Montreux, 2012 einen Stern auf dem Walk of Fame in Hollywood. Ist dieser Stern das höchste der Gefühle - oder doch der Satz Sondermarken, den die US-Post 2007 zu Kermits 50. Geburtstag herausgab? Und: Hat es wohl damals schon gekriselt? Im September 2015 jedenfalls gaben Kermit und Miss Piggy offiziell ihre Trennung bekannt.

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