Kunst

Illustrationen und Israel-Hass

Rama Duwaji ist die Ehefrau von Zohran Mamdani, der gerade zum New Yorker Bürgermeister gewählt worden ist. Ähnlich wie er behandelt sie Palästina als zentrales und identitätsstiftendes Thema in ihrem Leben und Schaffen, wiewohl sie sich zu anderen Angelegenheiten in der Öffentlichkeit zurückhält.

Die Künstlerin, die vorwiegend digitale Illustrationen anfertigt, hat 1,1 Millionen Follower auf Instagram, wo sie ihre Werke teilt, die in erster Linie Gaza gewidmet sind. Sie illustriert für renommierte Medien wie die »Washington Post«, »Vogue« oder das »New York Magazine«. Ist es verwerflich, wenn eine Politikerfrau und Illustratorin sich leidenschaftlich für ein bestimmtes Volk einsetzt? Überhaupt nicht.

Lesen Sie auch

Es ist die Art und Weise, wie sich dieses Engagement gestaltet. New York ist der Ort mit der größten jüdischen Bevölkerung auf der Welt außerhalb Israels. Während es unmöglich ist abzuschätzen, wie Mamdanis Amtszeit, die am 1. Januar 2026 beginnt, das jüdische Leben in der Metropole verändern wird, sind seine anti-israelischen Kommentare gut dokumentiert. Er ist ein langjähriger Unterstützer des antisemitischen BDS und hat in seiner Amtszeit als Abgeordneter einen Gesetzentwurf vorgestellt, der Stiftungen davon abhalten sollte, die israelische Siedlungspolitik mitzufinanzieren, der aber nicht in Kraft getreten ist.

Ein Film zeigt israelische Drohnen und Blut, das aus Händen tropft.

Dieses vage Projekt namens »Not on our dime« würde viele Organisationen, die sich unter anderem für Terroropfer einsetzen, unter Generalverdacht stellen. Mamdanis Frau kreierte den Werbefilm dazu: mit israelischen Drohnen und Blut, das aus Händen tropft, um angebliche israelische Kriegsverbrechen zu illustrieren. Auch hat Mamdani im Jahr 2023 vor laufenden Kameras moniert, der Stiefel der New Yorker Polizei sei »von der IDF geschnürt worden«.

Dämonisierung mit Raffinesse

Duwaji unterstützt dieses Narrativ nicht nur, sie verleiht ihm künstlerische Raffinesse und aufgeklärtes Flair. Ungleich anderen Künstlern, die eine krude antisemitische Bildsprache wählen wie der Brasilianer Carlos Latuff, in dessen Cartoons Juden Naziuniformen tragen und die sich als Memes in antisemitischen Kreisen großer Beliebtheit erfreuen, ist Duwajis visuelle Sprache eine sanftere. Sie betont das Leid palästinensischer Frauen und spricht damit ein breites, junges und liberales Publikum an. Duwaji gibt an, vom palästinensischen Künstler Sliman Mansour beeinflusst worden zu sein. Dieser stellt in seinen Bildern Maria und Jesus als Palästinenser dar, wie sie von israelischen Soldaten mit Gewehren bewacht werden, sein gesamtes Volk als Pazifisten und die Friedenstaube gehüllt in eine Kufija.

Doch Duwaji dämonisiert Israel in den ihre Illustrationen begleitenden Posts als den einzigen schuldtragenden Part im Gaza-Krieg. Sie schreibt von »Genozid« an den Palästinensern und ethnischer Säuberung. Sie beklagt die Gewalt gegen »Pro Palästina«-Demonstranten in den USA und die Festnahme Mahmoud Khalils, fordert ihre Leser auf, sich zu wehren: »resist«. Wenn sie schreibt, Käthe Kollwitzʼ Radierung »Frau mit totem Kind« sei »too familiar«, dann meint sie offenbar genau das, was Latuff oder Mansour meinen: Die Palästinenser sind Opfer, die Israelis das Böse.

Ihr Stil ist simpel und reduziert, meist sind die Zeichnungen schwarz-weiß, die weiblichen Figuren in ihnen tragen oft Kopftuch und einen wütenden, kämpferischen Ausdruck – zusammengepresste Lippen, gekräuselte Augenbrauen und ein Blick, der sagt: »Ich habe es satt.«

Auffallendes Schweigen

Duwaji selbst posiert in ihren Fotos mit Bob, in Cowboyboots und bauchfrei. Trotz dieses typisch hippen, feministischen Brooklyn-Stils thematisiert sie niemals die Diskriminierung von Frauen im Mittleren Osten (außer einer einzigen Auftragsarbeit über »Jungfrauentests« in Ägypten für die BBC von 2020) oder den islamistischen Terrorismus. Obschon im Instagram-Profil der 28-Jährigen steht, sie sei »from Damascus« (dabei ist sie in Houston, Texas geboren), hat sie nur zwei (Auftrags-)Arbeiten zu Syrien angefertigt. Zum Bürgerkrieg in Sudan gibt es einen einzigen Post von 2023. Das Thema Palästina überwiegt bei ihr deutlich.

Zohran Mamdani, mit 34 Jahren jüngster Bürgermeister New Yorks seit über einem Jahrhundert und der erste Muslim in diesem Amt, ist Sohn indischer Intellektueller. Nach seinem Afrikanistik-Bachelor versuchte er sich als Rapper, der die »Holy Land Five« anpries, eine Organisation, die der Hamas nahestand. Sein Vater Mahmood Mamdani ist Professor mit einem Schwerpunkt in Kolonialismus, seine Mutter Mira Nair ist Regisseurin. Sie war in erster Ehe mit dem jüdischen Fotografen und Autor Mitchell Epstein verheiratet, mit dem sie bei mehreren ihrer Filmhits zusammenarbeitete. Dieses Jahr versuchte sie mit einer Petition, die israelische Schauspielerin Gal Gadot von den Oscars auszuladen.

Ihr Stil ist simpel und reduziert, meist sind die Zeichnungen schwarz-weiß.

Kunst scheint eine wichtige Rolle im Leben der Mamdanis zu spielen, aber nur eine bestimmte Art von Kunst. Sie soll Israel kritisieren und propagandistischen Charakter haben, wie die Illustrationen von Duwaji, die oft an sowjetische Poster erinnern. Sie soll die junge Generation in ihren antiwestlichen und anti-israelischen Stimmungen bestärken. Die neue First Lady, die auf Social Media als »Gen Zʼs Princess Diana« getauft wurde, ergänzt das coole Influencer-Image des zukünftigen Bürgermeisters. Dass sie, wie ihr Mann, Hass sät, übersieht man gern; dass ihre Kunst schwach und performativ ist, ebenso.

Glosse

Der Rest der Welt

Von Kaffee-Helden, Underdogs und Magenproblemen

von Margalit Edelstein  08.12.2025

Eurovision Song Contest

»Ihr wollt nicht mehr, dass wir mit Euch singen?«

Dana International, die Siegerin von 1998, über den angekündigten Boykott mehrerer Länder wegen der Teilnahme Israels

 08.12.2025

Feiertage

Weihnachten mit von Juden geschriebenen Liedern

Auch Juden tragen zu christlichen Feiertagstraditionen bei: Sie schreiben und singen Weihnachtslieder

von Imanuel Marcus  08.12.2025

Vortrag

Über die antizionistische Dominanz in der Nahostforschung

Der amerikanische Historiker Jeffrey Herf hat im Rahmen der Herbstakademie des Tikvah-Instituts über die Situation der Universitäten nach dem 7. Oktober 2023 referiert. Eine Dokumentation seines Vortrags

 07.12.2025

Zwischenruf

Die außerirdische Logik der Eurovision

Was würden wohl Aliens über die absurden Vorgänge rund um die Teilnahme des jüdischen Staates an dem Musikwettbewerb denken?

von Imanuel Marcus  07.12.2025

Los Angeles

Schaffer »visionärer Architektur«: Trauer um Frank Gehry

Der jüdische Architekt war einer der berühmtesten weltweit und schuf ikonische Gebäude unter anderem in Los Angeles, Düsseldorf und Weil am Rhein. Nach dem Tod von Frank Gehry nehmen Bewunderer Abschied

 07.12.2025

Aufgegabelt

Plätzchen mit Halva

Rezepte und Leckeres

 05.12.2025

Kulturkolumne

Bestseller sind Zeitverschwendung

Meine Lektüre-Empfehlung: Lesen Sie lieber Thomas Mann als Florian Illies!

von Ayala Goldmann  05.12.2025

TV-Tipp

»Eigentlich besitzen sie eine Katzenfarm« - Arte-Doku blickt zurück auf das Filmschaffen von Joel und Ethan Coen

Die Coen-Brüder haben das US-Kino geprägt und mit vielen Stars zusammengearbeitet. Eine Dokumentation versucht nun, das Geheimnis ihres Erfolges zu entschlüsseln - und stößt vor allem auf interessante Frauen

von Manfred Riepe  05.12.2025