Für »nichts als Gedächtnistheater und Symbolpolitik an Gedächtnistagen« hält die Filmproduzentin Alice Brauner die Erinnerungskultur an die NS-Zeit in Deutschland. Sie sei hierzulande komplett gescheitert, sagte die Tochter von Holocaust-Überlebenden im Interview der »Süddeutschen Zeitung«. Die mittlerweile gestorbene Zeitzeugin Margot Friedländer sei nicht deswegen zur moralischen Ikone geworden, weil viele in ihr eine Mahnung gesehen hätten. Vielmehr hätten die Menschen auf Versöhnung und eine damit einhergehende innere Entlastung gehofft.
Die Nachkommen von Holocaust-Überlebenden seien heute keine Opfer, sagte Brauner. »Aber wir wurden auch nicht 1945 befreit.« Damals sei nicht einfach alles zu Ende gewesen. »Es lebt in uns weiter - und das ist keine Opfererzählung, sondern die Wahrheit.« Ihr Vater habe nie aufgehört, über diese Zeit zu reden. Das habe sich auf sie und ihre eigenen Kinder übertragen.
Film über Block 10 »mit aller Härte«
Brauners neuer Film »Block 10« dreht sich um Zwangssterilisationen im gleichnamigen Block im KZ Auschwitz. Dort wurden medizinische Experimente an hunderten jüdischen Frauen und Männern durchgeführt.
Nach dem Angriff der Terrororganisation Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und dem »danach aufbrandenden, extremen Antisemitismus in Deutschland« sei ihr klar gewesen, dass sie diesen Film »mit aller Härte« machen müsse, so Brauner. Daher hätten Regisseur Marcus Rosenmüller und sie etwa bewusst auf Musik und ikonische Bilder verzichtet. Für Freitag war die Weltpremiere des Films auf dem Filmfest München geplant.