Weimar

Ausstellung zeigt Verstrickung von Ärzten im NS-Staat

Buchenwald-Hauptprozess: Bild zeigt den Angeklagten Häftlingsarzt Edwin Katzenellenbogen sein Gesicht verdeckend. Ihm wird die Misshandlung von Lagerinsassen sowie die Teilnahmen an unmenschlichen medizinischen Versuchen zur Last gelegt. Foto: picture alliance / SZ Photo

Die Kassenärztliche Vereinigung Thüringen zeigt seit Mittwoch in Weimar die Wanderausstellung »Systemerkrankung. Arzt und Patient im Nationalsozialismus« zur Rolle der Ärzteschaft in der NS-Zeit. Grundlage sei ein von der Standesvertretung ideell und finanziell unterstütztes Forschungsprojekt zur Geschichte der Kassenärztlichen Vereinigung Deutschlands zwischen 1933 und 1945, sagte Präsidentin Annette Rommel bei der Ausstellungseröffnung.

Der Ausstellung liegt laut Rommel eine sechsjährige Forschungsarbeit zugrunde. Der Kern der NS-Gesundheitspolitik sei die Vorstellung eines erbgesunden Volkskörpers gewesen, der zur Ausgrenzung und Entmenschlichung von Menschen geführt habe. Es sei schmerzhaft, dass auch die ärztliche Selbstverwaltung diese Politik der Entwertung und Ausgrenzung aktiv mitgetragen habe.

Den hippokratischen Eid verraten

Die Ausstellung skizziert ausgewählte Biografien von Medizinern im NS-Staat. Die Texte und Hörstationen ordnen dabei die Rolle der individuellen Verstrickungen, aber auch Widerstandshandlungen zwischen 1933 und 1945 ein. Thüringens Landtagspräsident Thadäus König (CDU) betonte das besondere Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patienten. Die Ausstellung zeige, wie auch Mediziner ihren hippokratischen Eid missachtet hätten.

Für den Vorsitzenden der Jüdischen Landesgemeinde, Reinhard Schramm, zeige die Ausstellung, dass Mediziner im NS-Staat nicht schlimmer, aber auch nicht besser gewesen seien als der Rest der Bevölkerung. Umso wichtiger sei es, dass sich die Berufsvereinigung selbst um die Aufarbeitung dieses geschichtlichen Kapitels verdient mache. epd

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