Fußball

Länderspiel verlegt: Irland verzichtet auf Israel-Boykott

Auch im irischen Fußball sind Forderungen nach einem Boykott Israels laut geworden Foto: picture alliance / Anadolu

Seit einigen Wochen diskutiert halb Irland über ein Fußball-Match. Es geht aber nicht um die laufende Weltmeisterschaft in Nordamerika, für die die Kicker von der »Grünen Insel« sich nicht haben qualifizieren können, sondern um ein Länderspiel im Rahmen der UEFA Nations League 2026/27. Den Iren wurde nämlich in der Gruppe 3 der Liga B neben Österreich und Kosovo auch Israel zugelost.

Ursprünglich sollte das Hinspiel Irland-Israel in Dublin ausgetragen werden. Doch nicht nur der irische Fußballverband FAI, sondern auch Politiker und Sportmoderatoren des öffentlich-rechtlichen Senders RTÉ liefen dagegen Sturm und forderten einen Boykott wegen Israels Vorgehen in Gaza, das eine Mehrheit der Iren als Völkermord ansieht. Man sei nach Rücksprache mit verschiedenen Interessengruppen der Ansicht, »dass organisatorische Herausforderungen die Durchführung des Spiels beeinträchtigen könnten«, so die FAI.

Doch ein Boykott hätte dem irischen Team das Überstehen der Gruppenphase massiv erschwert, weil die sechs Punkte dann automatisch an Israel gegangen wären und Irland der Abstieg in die Liga C der Nations League gedroht hätte. Die FAI sprach von potenziell »tiefgreifenden Auswirkungen auf den gesamten irischen Fußball«. Zudem wies man in Dublin darauf hin, dass Israel von dem Punktgewinn profitiert und womöglich den Aufstieg in die Kategorie A geschafft hätte.

Dennoch wurden die Befürworter eines Boykotts immer lauter. Nun wurde doch noch ein Kompromiss gefunden: Das Länderspiel wird im serbischen 16.000-Einwohner-Städtchen Bačka Topola stattfinden, und zwar am 4. Oktober. Das Stadion des dort ansässigen Erstligisten TSC FK ist eher klein, doch das wird nicht von Belang sein, denn das Match soll vor leeren Tribünen ausgetragen werden.

Lesen Sie auch

Zuvor hatte die FAI bei der UEFA, dem europäischen Fußball-Dachverband, einen Antrag auf Spielverlegung gestellt. Mitte Juni stimmte die UEFA dem Ansinnen zu. Die Kampagne »Stop the Game«, welche von der Organisation »Irish Sport for Palestine« lanciert worden war, hatte damit Erfolg.

Das Rückspiel, bei dem Israel als Heimmannschaft vorgesehen ist, soll im ungarischen Debrecen ausgetragen werden. Dort wird Israel auch am 1. Oktober sein Auftaktmatch gegen Kosovo austragen. mth

Künstliche Intelligenz

Ich schreibe, also bin ich

Noch nie war es so einfach, Gedanken mit KI in Worte zu fassen. Doch was bedeutet das für unser Denken, unseren Journalismus und eine der grundlegendsten menschlichen Fähigkeiten?

von Nicole Dreyfus  01.07.2026

Berlin

Jüdische Kunstschule und UdK wollen kooperieren

Auch die Universität der Künste war nach dem 7. Oktober 2023 mehrfach Schauplatz »propalästinensischer« Aktionen. Nun will sie jüdischen Künstlern einen geschützten Raum bieten

 01.07.2026

Interview

»Es fehlte am fußballerischen Können, nicht am Glück«

Sportreporter-Legende Marcel Reif über das WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft, Jürgen Klopp und die Zukunft von Julian Nagelsmann als Bundestrainer

von Michael Thaidigsmann  30.06.2026

Burkhard C. Kosminski

»Ich würde das Stück gerne im Osten spielen«

Der Intendant am Schauspiel Stuttgart über »Die Ermittlung« von Peter Weiss, die Existenzberechtigung Israels in der Kunst und seine Auszeichnung mit der Otto-Hirsch-Medaille

von Nicole Golombek  30.06.2026

Interview

»Der Oscar öffnete mir neue Türen«

Daniel Roher über seinen ersten Spielfilm »The Piano Tuner« und den Dreh mit Dustin Hoffman und Lior Raz

von Patrick Heidmann  30.06.2026

Meinung

Georg Restle, die Jüdische Allgemeine und der berüchtigte Scheck aus Jerusalem

Früher hätte man Journalisten wie Restle, die Juden unterstellen, sie seien nur Sprachrohr einer Regierung in Israel, die Eignung als Politik-Redakteure beim Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk abgesprochen. Zu Recht

von Michael Thaidigsmann  30.06.2026

Interview

»Schriftsteller sind quasi die Putzfrauen des Literaturbetriebs«

Slata Roschal über den Bachmannpreis, prekäre Lebenssituationen von Autoren und das Schreiben nach dem 7. Oktober 2023

von Katrin Richter  30.06.2026

Forschung

Historiker Gerber: Erinnerung an Holocaust verschwindet

Der Leipziger Historiker Jan Gerber wendet sich gegen ein kontinuierliches Verschwinden der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit der Schoa. Der Tod der letzten Zeitzeugen ist für ihn dabei nicht entscheidend

von Volker Hasenauer  29.06.2026

Festival

Trotz Rekordhitze: Tausende Gäste bei Jüdischer Woche in Leipzig

Trotz der sommerlichen Hitze und damit verbundener Programmänderungen seien die Veranstaltungen im gesamten Stadtgebiet auf großen Zuspruch gestoßen

 29.06.2026