Großbritannien

London ehrt Stefan Zweig

Ausgerechnet in London, das zuletzt vor allem durch antisemitische Angriffe, anti-israelische Proteste und hasserfüllte Politiker in den Schlagzeilen war, findet der gefeierte jüdische Autor Stefan Zweig eine späte Ehrung. Im Stadtteil Marylebone, 49 Hallam Street - seiner Anschrift nach der Flucht aus seiner Heimat Österreich, um dem Rassenwahn der Nazis zu entgehen -, erinnert nun eine der berühmten blauen Plaketten des English Heritage Trust an den Autor von historischen Biografien und Romanen wie »Die Welt von gestern«. Von 1936 bis 1939 fand Zweig in dem damaligen Neubau ein Zuhause.

Großer Einfluss bis heute

Wie das britische Nachrichtenportal »Jewish News« berichtet, gab es bereits 2012 einen Antrag auf die Gedenkplakette, der aber abgelehnt wurde. Nun hieß es anlässlich der Anbringungs-Zeremonie: »Diese Plakette markiert Stefan Zweigs Zeit in London, wo er im Exil weiterhin Werke schrieb, die in aller Tiefe die Erfahrung von Vertreibung und den Verlust der eigenen Kultur thematisierten. Einen Großteil seiner Recherchen erledigte er im Lesesaal des British Museum, das nur einen kurzen Fußweg entfernt liegt, und mithilfe seiner eigenen Bibliothek, die sich nun im British Museum befindet. Zweigs Werk hat bis heute Einfluss auf die Literatur Europas, vor allem auf die Exil-Literatur«, so die English-Heritage-Trust-Historikerin Susan Skedd.

Zur Ehrung in Marylebone kam auch Zweigs Nichte Eva Alberman, die damals dort mit ihm gelebt hatte. Die brachte auch ihre Urenkelin Rosa mit zur Enthüllung der Plakette.

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»So gehöre ich nirgends mehr hin, überall Fremder und bestenfalls Gast«, schrieb der Schriftsteller in seinem Hauptwerk »Die Welt von Gestern«. Zweigs Name und Londoner Anschrift standen auch im sogenannten schwarzen Buch der Nazis, das die Adressen von Menschen verzeichnete, die nach einer erfolgreichen Invasion Großbritanniens verhaften werden sollten. Wohl auch deshalb zog Zweig 1940 weiter nach New York, von wo aus er schließlich nach Brasilien ging.

Die Zerstörung »seines« Europas, von dessen Kultur sich seine Schreibkunst nährte, stürzte ihn jedoch in tiefe Depressionen. Am 23. Februar 1942 nahm er sich das Leben. ja

Wenn Sie darüber nachdenken, sich das Leben zu nehmen, sprechen Sie bitte über die Krise mit Ihren Angehörigen, Freunden, mit Ihrem Arzt oder Rabbiner oder wenden Sie sich an die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonnummern lauten 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222.

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