Westjordanland

Nach Ausschreitungen in Huwara: Zwei Verdächtige festgenommen

Die lokale Feuerwehr und Freiwillige sind dabei, ein Feuer auf einem Feld bei Huwara zu löschen. Foto: copyright (c) Flash90 2026

Nach den gewaltsamen Ausschreitungen in der palästinensischen Stadt Huwara im nördlichen Westjordanland hat die israelische Polizei zwei Tatverdächtige festgenommen. Die Männer, beide in ihren Dreißigern und Bewohner umliegender Siedlungen, sollen zu einer Gruppe gehört haben, die am Samstag in den Ort eindrang und dort Palästinenser angriff sowie Sachschäden verursachte. Die »Times of Israel« und andere israelische Medien berichteten.

Nach Angaben der Behörden werden weitere Festnahmen erwartet. Die Ermittler gehen davon aus, dass Dutzende Siedler an den Vorfällen beteiligt waren. Bei den Ausschreitungen wurden nach palästinensischen Angaben neun Menschen verletzt.

Besondere Aufmerksamkeit erregten Videoaufnahmen aus Huwara, die einen Mann in vollständiger Militäruniform zeigen, der gemeinsam mit anderen Angreifern auf Palästinenser einschlägt. Die israelische Armee erklärte zunächst, die Person werde nach ihrer Identifizierung disziplinarisch belangt. Das Verhalten sei »schwerwiegend und nicht mit den Werten der israelischen Streitkräfte vereinbar«.

Mutmaßlicher Diebstahl

Inzwischen prüft das Militär jedoch eine weitere Möglichkeit. Nach Informationen der »Times of Israel« wird untersucht, ob es sich bei dem Mann möglicherweise gar nicht um einen Soldaten handelt, sondern um ein Mitglied einer zivilen Sicherheitsbereitschaft einer nahe gelegenen Siedlung.

Die Armee erklärte, Sicherheitskräfte seien ursprünglich nach Huwara entsandt worden, nachdem Berichte über den mutmaßlichen Diebstahl von Vieh israelischer Zivilisten eingegangen waren. Ziel sei es gewesen, israelische Zivilisten und die Tiere aus dem Ort zu entfernen und Zusammenstöße zu verhindern.

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Später entwickelte sich die Lage demnach zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Nach Militärangaben kam es zu Steinwürfen und Angriffen mit Schlagstöcken zwischen israelischen Zivilisten und Palästinensern. Die eingesetzten Kräfte versuchten, die Gruppen mit Mitteln zur Auflösung von Unruhen auseinanderzutreiben. Bei den Übergriffen israelischer Siedler gegen Palästinenser handelt es sich offenbar um illegale Selbstjustiz.

Vermummte Personen

Palästinensische Berichte zeichnen ein deutlich schwerwiegenderes Bild. Demnach wurden mehrere Gebäude mit Steinen beworfen, Autos beschädigt und ein Fahrzeug, ein Fahrrad sowie rund 35 Schafe gestohlen. Aufnahmen aus Überwachungskameras zeigen vermummte Personen, die auf ein geparktes Auto einschlagen. Weitere Videos dokumentieren einen mutmaßlich gelegten Brand in einer Autowerkstatt nahe Huwara.

Ein Palästinenser erlitt nach Angaben der Nachrichtenagentur WAFA Kopfverletzungen. Auf veröffentlichten Aufnahmen ist zu sehen, wie ein blutender junger Mann auf der Straße von Rettungskräften versorgt wird.

Auch aus anderen Teilen des Westjordanlands wurden Vorfälle gemeldet. Im Gebiet Masoudiya nördlich von Nablus sollen Siedler ihre Herden auf palästinensische Felder getrieben und dadurch erhebliche Schäden an den Ernten verursacht haben.

Die Polizei betonte, sie nehme Gewalttaten und Sachbeschädigungen dieser Art sehr ernst. Man werde alle Beteiligten ermitteln, die Vorfälle untersuchen und die Verantwortlichen vor Gericht bringen. Auch die Armee verurteilte die Ausschreitungen. Gewalt schade der Sicherheit in der Region und lenke Soldaten von Verteidigungs- und Anti-Terror-Einsätzen ab. im

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