Lam (Bayern)

Nach Judenhass-Skandal: Justiz ermittelt gegen Hotel »Zum Hirschen«

Das Hotel »Zum Hirschen« in Lam Foto: picture alliance/dpa

»Es tut uns leid, aber in unserem Hotel sind keine Juden erlaubt«: Diesen Satz erhielt ein israelischer Staatsbürger vom Hotel »Zum Hirschen« im bayerischen Lam. Er leitete die Nachricht an das israelische Generalkonsulat in München weiter.

Der Vorfall hat nun erhebliche Konsequenzen: Die Generalstaatsanwaltschaft München ermittelt Berichten der »Welt« und anderen Medien zufolge inzwischen wegen des Verdachts der Volksverhetzung. Israels Generalkonsulin Talya Lador und Josef Schuster, der Präsident des Zentralrates der Juden, kritisierten das Hotel scharf. Die Reservierungs-Plattform booking.com entfernte das Hotel vorerst aus seinen Auflistungen.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Die Familie Sperl-Vogl betreibt das Hotel. Sie schrieb einen Entschuldigungsbrief an den Israeli, der ein Zimmer für seine Familie hatte buchen wollen: »Es war definitiv falsch von uns, auf diese Art und Weise im Chat zu antworten. Es ist uns aber wirklich äußerst wichtig, dass Sie verstehen, dass diese Äußerung nicht im Hinblick auf Menschen jüdischen Glaubens gemacht wurden, sondern aus Ärger über die zahlreichen Fake-Buchungen.«

»Unsere Mitarbeiter sind auch nur Menschen«

»Das war nichtsdestotrotz inakzeptabel und darf so in einem professionellen Betrieb nicht passieren«, so die Chefs des Hotels. »Jedoch ist es so wie überall, wir, und unsere Mitarbeiter sind auch nur Menschen, und manchmal geht der Ärger mit einem durch. Wir hoffen daher, dass Sie uns verzeihen. (...) Es entspricht nicht unserem Leitbild, jemanden zu diskriminieren oder auszugrenzen.«

Auf der Webseite des Hotels »Zum Hirschen« hieß es am Donnerstagfrüh, in den Medien werde »viel berichtet«. Man sei mit Vertretern der Polizei und der Staatskanzlei in Kontakt, »um unsere Sichtweise der Dinge darzustellen.« Wobei es bei dem Vorfall konkret ging, erklärt das Hotel in dieser Nachricht nicht.

Lesen Sie auch

»An dieser Stelle möchten wir auch eindeutig klarstellen, dass wir jegliche Form der Diskriminierung verurteilen«, so die Betreiber. »Dass bestimmte Gruppen bei uns nicht willkommen wären, ist nicht richtig und entspricht nicht den Tatsachen.« Der »normale Betrieb« des Hotels sei »nicht beeinträchtigt«.

Landkreis und Gemeinde unterstützen Ermittlungen

Derweil kamen auch aus dem Landkreis Cham, zu dem Lam gehört, Reaktionen. »Der bekannt gewordene Vorfall erschüttert uns zutiefst. Antisemitismus hat im Landkreis Cham keinen Platz«, erklärte Landrat Franz L. Schindler (Freie Wähler) laut einem Bericht der »Mittelbayerischen Zeitung«.

Die Region stehe traditionell für Offenheit und Gastfreundschaft gegenüber Gästen aus aller Welt. »Ein solcher Einzelfall darf nicht das Bild unserer zahlreichen engagierten und weltoffenen Gastgeber prägen«, so Schindler.

Auch die Marktgemeinde Lam selbst distanzierte sich von der antisemitischen Nachricht des Hotels. Bürgermeister Paul Roßberger (CSU) betonte, Diskriminierung und antisemitische Aussagen seien nicht mit dem Selbstverständnis des Ortes vereinbar. »Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, ist dieses Verhalten absolut inakzeptabel und wird auf das Schärfste verurteilt.«

Der Landkreis und die Gemeinde erklärten, sie wollten die Ermittlungen gegen das Hotel unterstützen. Landrat Schindler steht laut »Mittelbayerische Zeitung« im direkten Austausch mit Ludwig Spaenle, dem bayerischen Antisemitismusbeauftragten.

Benjamin Graumann Jüdische Gemeinde Frankfurt

Kommentar

Die verlorene Mitte

Beim Betrachten des Wahlkampfs zu den Landtagswahlen im Herbst muss man feststellen: Judenhass ist in Deutschland längst kein Ausschlusskriterium mehr für die Parteien der sogenannten politischen Mitte

von Benjamin Graumann  21.08.2026

Berlin/Brüssel/Jerusalem

Sieben Staaten und EU verlangen Stopp von Siedlungsprojekt im Westjordanland

Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien und weitere Länder fordern Israel auf, die geplante Bebauung zu stoppen. Die EU bereitet offenbar ein Sanktionspaket vor

 21.08.2026

Khan Younis

Israel wirft Hamas Folter in Klinik vor

Die Terrororganisation soll ein Krankenhaus im Süden des Gazastreifens als Folterzentrale nutzen, um ihre Macht über die Bevölkerung auszubauen

 20.08.2026

Berlin

Diskriminierung wegen falscher Hummus-Aussprache?

Im Ortsteil Prenzlauer Berg soll ein arabisches Restaurant einen israelischen Gast wegen der vermeintlich falschen Aussprache des Kichererbsengerichts nicht bedient haben. Das Lokal widerspricht dem Vorwurf

 20.08.2026

USA

Amerikas nächster Präsident?

Rahm Emanuel gilt als Hoffnungsträger der Demokraten und steht für einen Kurs der Mitte – sowohl in innenpolitischen Fragen als auch im Verhältnis zu Israel. Eine Annäherung

von Joshua Schultheis  20.08.2026

München

Knobloch in Zeiten von Judenhass: »Ich habe mich getäuscht«

Die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden spricht offen über ihre Enttäuschung: Warum die Reaktion auf das Hamas-Massaker ihr nicht genügt und der Judenhass sie tief erschüttert

 20.08.2026

Florida

Nach antisemitischen Angriffen: »Hebräischer Hammer« gewinnt Vorwahl

Der jüdische Abgeordnete Randy Fine, ein republikanischer Israel-Unterstützer, setzt sich gegen den Antisemiten Dan Bilzerian durch

 20.08.2026

Berlin

Medienbericht: Andreas Franck will nicht Antisemitismusbeauftragter werden

Das Bundesinnenministerium wollte die Absage Francks auf Anfrage weder bestätigen noch dementieren

 20.08.2026

Mar del Plata

Argentinien entlässt Bundesrichter wegen antisemitischer Äußerungen

Der Justizrat sieht einen schweren Verstoß gegen die für Richter geltenden Anforderungen an Anstand und Unparteilichkeit

 20.08.2026