Muscat

USA und Iran starten Gespräche in Oman

Außenminister Abbas Araghchi führt die iranische Delegation an. Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Vor dem Hintergrund wachsender Kriegsängste wollen Vertreter der USA und Irans in Oman direkte Gespräche aufnehmen. Das Treffen gilt als diplomatischer Versuch, eine Eskalation zwischen beiden Staaten abzuwenden, während der Druck auf militärischer und rhetorischer Ebene weiter steigt. Washington und Teheran gehen mit deutlich unterschiedlichen Erwartungen in die Gespräche.

Die amerikanische Delegation wird vom Sondergesandten Steve Witkoff angeführt, auf iranischer Seite reist Außenminister Abbas Araghtschi an. US-Präsident Donald Trump hatte zuletzt mehrfach mit militärischen Konsequenzen gedroht, sollte Teheran nicht zu einem Abkommen bereit sein. Iran wiederum warnte, ein Angriff werde mit massiver Gewalt beantwortet, auch gegen amerikanische Stützpunkte in der Region und gegen Israel.

Im Kern drehen sich die Gespräche um das iranische Atomprogramm. Die USA fordern einen vollständigen Stopp der Urananreicherung sowie die Abgabe bestehender Vorräte, insbesondere hoch angereicherten Materials. Iran beharrt darauf, dass die Gespräche ausschließlich dieses Thema betreffen und lehnt Forderungen zu seinem Raketenprogramm, zur Unterstützung verbündeter Terrororganisationen oder zur innenpolitischen Lage strikt ab. Außenminister Araghchi erklärte, man verhandle nur, »wenn ein faires und würdiges Umfeld besteht«.

Politisch und wirtschaftlich zu teuer

Zusätzliche Brisanz erhält das Treffen durch neue Berichte aus Teheran. Nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim, die den Revolutionsgarden nahesteht, hat Iran ein detailliertes Szenario für einen möglichen Krieg mit den USA ausgearbeitet. Es sieht massive Raketen- und Drohnenangriffe auf US-Stützpunkte, Cyberoperationen gegen Infrastruktur sowie eine gezielte Eskalation durch verbündete Gruppen in der Region vor. Ziel sei nicht ein militärischer Sieg, sondern ein langwieriger Konflikt, der für Washington politisch und wirtschaftlich zu teuer werde.

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Ein zentrales Element dieses Konzepts ist demnach die Straße von Hormus, über die rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Gasexports abgewickelt wird. Eine Blockade oder Störung der Schifffahrt soll internationalen Druck auf die USA erzeugen. Parallel sollen Angriffe durch die sogenannte »Achse des Widerstands« – darunter die Hisbollah, die Huthi und irakische Terrorgruppen – mehrere Fronten eröffnen.

Auch Israel verfolgt die Entwicklung mit großer Aufmerksamkeit. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu berief kurz vor Beginn der Gespräche das Sicherheitskabinett ein. In internen Beratungen sprach er laut israelischen Medien von einer »Verdichtung der Bedingungen«, die zu einem möglichen Zusammenbruch des iranischen Regimes führen könnten. Zugleich warnte er, ein iranischer Angriff auf Israel werde eine »mächtige Antwort« nach sich ziehen. Aus israelischer Sicht gelten die Gespräche in Oman als wenig erfolgversprechend.

Regime unter starkem Druck

Währenddessen verstärken regionale Akteure ihre diplomatischen Bemühungen. Mehrere muslimische Staaten, darunter Saudi-Arabien, Ägypten, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate, drängen auf eine Vereinbarung zur gegenseitigen Nichtangriffspflicht. Unklar ist jedoch, ob ein solcher Vorschlag in Oman überhaupt zur Sprache kommt, nachdem der Iran auf bilateralen Gesprächen ohne weitere Teilnehmer bestanden hatte.

Für die Führung in Teheran sind die Gespräche auch innenpolitisch heikel. Nach landesweiten Protesten und massiver Repression, bei der Menschenrechtsgruppen von Tausenden Toten sprechen, steht das Regime unter starkem Druck. Wirtschaftliche Sanktionen belasten das Land schwer, zugleich warnen Kritiker, jede Lockerung verschaffe der Führung neuen Spielraum.

US-Außenminister Marco Rubio machte unterdessen deutlich, dass Washington weitergehende Erwartungen hat. Für ein tragfähiges Ergebnis müssten neben dem Atomprogramm auch Raketen, regionale Stellvertreter und der Umgang des Regimes mit der eigenen Bevölkerung thematisiert werden. Ob es dafür eine gemeinsame Grundlage gibt, bleibt offen. im

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