Hamburg

Teheraner Regime soll Ermordung von Josef Schuster geplant haben

Josef Schuster Foto: picture alliance/dpa

Die deutsche Bundesanwaltschaft hat im Zusammenhang mit einem mutmaßlichen iranischen Spionage- und Anschlagsplan Anklage gegen zwei Männer erhoben, die offenbar Ziele in Deutschland ausgespäht und konkrete Mordpläne vorbereitet haben sollen. Im Zentrum der Ermittlungen steht ein aus Afghanistan stammender dänischer Staatsbürger, der laut Anklage für die iranischen Revolutionsgarden gearbeitet und enge Kontakte zu den Quds-Brigaden unterhalten haben soll – einer Einheit, die für Operationen außerhalb Irans zuständig ist. Der »Spiegel« berichtete.

Nach Erkenntnissen der Ermittler soll der Beschuldigte Anfang 2025 aus Teheran den Auftrag erhalten haben, Informationen über zwei prominente Persönlichkeiten in Deutschland zu sammeln: den Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, sowie den früheren Grünen-Politiker und heutigen Präsidenten der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG), Volker Beck. Beide sollen demnach potenzielle Ziele geplanter Anschläge gewesen sein.

Im Zuge der mutmaßlichen Vorbereitungen habe der Verdächtige in Berlin auch jüdische Einrichtungen ausgespäht, darunter einen Lebensmittelhändler und einen koscheren Supermarkt, heißt es in dem »Spiegel«-Bericht. Diese Beobachtungen seien laut Ermittlern Teil der Vorbereitung möglicher Mord- und Brandanschläge gewesen. Zudem soll er versucht haben, Komplizen zu rekrutieren und habe Kontakt zu einem weiteren afghanischen Staatsangehörigen aufgenommen, der sich bereit erklärt haben soll, eine Waffe zu beschaffen und einen Auftragsmörder für ein Attentat auf Volker Beck zu vermitteln.

Lesen Sie auch

In Dänemark festgenommen

Die Umsetzung der Pläne kam letztlich nicht zustande. Der Hauptbeschuldigte wurde im Sommer 2025 in Dänemark festgenommen und später nach Deutschland überstellt. Ihm werden unter anderem Spionage und Agententätigkeit für eine ausländische Macht vorgeworfen. Sein mutmaßlicher Helfer befindet sich ebenfalls in Untersuchungshaft und soll sich wegen versuchter Beihilfe zum Mord verantworten.

Die Verteidigung bestreitet die Vorwürfe. Zugleich verweisen Sicherheitsbehörden seit Jahren auf die Gefahr sogenannter »staatsterroristischer Aktivitäten« aus dem iranischen Machtapparat in Europa.

Am frühen Nachmittag reagierte Volker Beck auf einen Berichte über das Mordkomplott in »Bild«. »Jüdisches Leben und der Einsatz für den jüdischen und demokratischen Staat werden vom Regime der Islamischen Republik Iran auf deutschem Boden mit Ermordung bedroht und angegriffen – immer wieder. Dieser Vorgang darf nicht ohne Konsequenzen bleiben«, erklärte er.

Ausweisung des Botschafters

Deutschland müsse alle iranischen Banken und damit verbundenen Finanzstrukturen in Deutschland einer strengen Überprüfung unterziehen, forderte die DIG. Geschäftsbeziehungen mit Institutionen, die direkt oder indirekt mit der iranischen Zentralbank, den Revolutionsgarden oder anderen Regime-Netzwerken verknüpft seien, müssten beendet werden.

Berlin müsse außerdem den iranischen Botschafter ausweisen, weitere iranische Diplomaten zu nicht-gewollten Personen erklären und sie auffordern, Deutschland zu verlassen. Eine weitere DIG-Forderung: Die Bundesrepublik müsse konsequent das auf deutschen Banken liegende Vermögen von Ali Chamenei »einfrieren, durchleuchten und ggegebenenfalls abschöpfen«. im

Florida

Nach antisemitischen Angriffen: »Hebräischer Hammer« gewinnt Vorwahl

Der jüdische Abgeordnete Randy Fine, ein republikanischer Israel-Unterstützer, setzt sich gegen den Antisemiten Dan Bilzerian durch

 20.08.2026

Berlin

Rückschlag für Dobrindt: Andreas Franck will nicht Antisemitismusbeauftragter werden

Der Innenminister muss einen Nachfolger für Felix Klein finden, der Ende August aus dem Amt scheidet

 20.08.2026

Mar del Plata

Argentinien entlässt Bundesrichter wegen antisemitischer Äußerungen

Der Justizrat sieht einen schweren Verstoß gegen die für Richter geltenden Anforderungen an Anstand und Unparteilichkeit

 20.08.2026

München

Brandanschlag auf jüdisches Gemeindezentrum: Hinweise auf deutschen Täter verdichten sich

56 Jahre nach dem tödlichen Anschlag in der Reichenbachstraße 27 legen die Ermittler einen neuen Erkenntnisstand vor

 20.08.2026

Berlin

Umfrage: Mehrheit lehnt AfD-geführte Regierung im Osten ab

Die zumindest in Teilen rechtsextremistische Partei kann bei den Landtagswahlen im Osten mit hohen Stimmanteilen rechnen. Die Möglichkeit, dass sie im Anschluss einen Ministerpräsidenten stellen könnte, stößt überwiegend auf Ablehnung

 20.08.2026

Washington D.C./Teheran

Trump droht Iran mit »Wirtschaftskrieg«

Ob auf militärischer oder diplomatischer Ebene: Sichtbare Erfolge seines Kriegs gegen den Iran bleibt der amerikanische Präsident schuldig. Nun verschärft er die Rhetorik. Iranische Medien zeigen sich unbeeindruckt

 20.08.2026

Medien

Protokollant des täglichen Irrsinns

Der Publizist Henryk M. Broder wird heute 80. Eine persönliche Würdigung von Reinhard Mohr

von Reinhard Mohr  19.08.2026

Israel

Die Eindeutigkeit der Uneindeutigen

Ben Gvirs Äußerungen sind menschenverachtend und sollten von allen verurteilt werden, denen Israel am Herzen liegt. Zugleich spiegeln sie zum Glück nicht die Gaza-Politik Israels wider

von Volker Beck  19.08.2026

Spannungen

Israelischer Angriff in Syrien heizt Streit mit Türkei an

Die Beziehungen zwischen der Türkei und Israel sind seit langem angespannt. Nun sorgt ein mutmaßlich israelischer Luftangriff in Syrien für Streit. Was ist passiert?

 19.08.2026