Terror

Verfassungsschutz warnt vor Gefahr durch proiranische Extremisten in Europa

10. April 2026: Spuren des Anschlags auf das Restaurant »Eclipse« in München Foto: picture alliance / Wolfgang Maria Weber

Nach Einschätzung deutscher Sicherheitsbehörden verschärft sich die Bedrohungslage durch proiranische Extremisten in Europa. Im Mittelpunkt steht laut einem Bericht des »Handelsblatts« die Gruppierung »Harakat Ashab al-Yamin al-Islamiya« (HAYI), die sich in den vergangenen Wochen zu mehreren Angriffen auf jüdische Einrichtungen bekannt hatte.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz sieht nach Angaben des Handelsblatts besonders kritisch, dass die Gruppe offenbar nicht mehr nur auf einfache Sachbeschädigungen setzt. Sicherheitskreise warnen vor einer möglichen Ausweitung auf deutlich gefährlichere Mittel wie Sprengsätze oder bewaffnete Anschläge.

Seit Anfang März wurden in mehreren europäischen Ländern Attacken auf jüdische, israelische und amerikanische Einrichtungen registriert. Betroffen waren demnach unter anderem Standorte in den Beneluxstaaten, Großbritannien und Deutschland.

Erste Eskalationsstufe

Bislang handelte es sich vielfach um Brandanschläge oder nächtliche Attacken, bei denen keine Menschen verletzt wurden. Ermittler befürchten jedoch, dass dies nur eine erste Eskalationsstufe sein könnte.

Auch in Deutschland laufen Untersuchungen. Nach einem Angriff auf ein israelisches Restaurant in München mit Sachschaden gehen Behörden von einem antisemitischen Hintergrund aus.

Auffällig ist laut Sicherheitskreisen das Vorgehen der mutmaßlichen Hintermänner. In mehreren Fällen sollen junge Täter über soziale Medien oder verschlüsselte Kommunikationskanäle angeworben worden sein. Teilweise seien nur geringe Geldsummen gezahlt worden.

Lesen Sie auch

Politiker schlagen Alarm

Der Verfassungsschutz vermutet hinter HAYI ein irakisch-schiitisches Netzwerk mit Nähe zu proiranischen Strukturen. Die Gruppe verbreite Propaganda im Internet, benenne ihre politische Motivation inzwischen offener und richte Drohungen gegen israelische Einrichtungen sowie gegen »Feinde des Islams« in Europa.

Der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums, Marc Henrichmann (CDU), sagte dem »Handelsblatt«, die Gefahr für jüdische, israelische und amerikanische Einrichtungen bleibe hoch – trotz bereits bestehender Schutzmaßnahmen.

Die Häufung der Vorfälle stehe in engem Zusammenhang mit der Zuspitzung des Iran-Konflikts. Vieles spreche dafür, dass keine klassische Miliz agiere, sondern ein loses Netzwerk, das lokale Täter aus der Ferne steuere.

»Neue Dimension«

Auch der Grünen-Politiker Konstantin von Notz warnte vor einer »neuen Dimension der Bedrohung«. Sollte sich bestätigen, dass das iranische Regime gezielt sogenannte Wegwerf-Agenten einsetze, müsse Europa entschieden reagieren.

Unklar bleibt weiterhin, wer genau hinter allen jüngsten Taten steht. Terrorismusexperten verweisen auf Widersprüche in Bekennerschreiben und Kommunikationsmustern. Möglich sei auch, dass HAYI als Tarnname diene, um eigentliche Auftraggeber zu verschleiern. im

Medien

KI-Verstoß: »Tagesspiegel« nimmt Casdorff-Texte offline

Stephan-Andreas Casdorff verfasste auch für die Jüdische Allgemeine Kommentare. Die Redaktion prüft, ob auch diese Texte von einer KI statt von Casdorff selbst verfasst wurden

 12.06.2026

Berlin

»Ich bin stolz! Sehr stolz«

Dieter Nuhr ist mit dem Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden geehrt worden. Wir dokumentieren hier exklusiv seine Rede im Wortlaut

von Dieter Nuhr  12.06.2026 Aktualisiert

Debatte

Soll die Bevölkerung in der Schweiz auf 10 Millionen begrenzt werden?

Ein Pro & Contra

von Jessie Katz, Zsolt Balkanyi-Guery  12.06.2026

Berlin

Bundesrat für Verbot von Handel mit Dokumenten von NS-Opfern

»Wir dulden es nicht länger, dass aus dem Leid der NS-Opfer Profit geschlagen wird«, sagt NRW-Justizminister Benjamin Limbach (Grüne)

 12.06.2026

Ankara

Erdoğan vergleicht Netanjahu erneut mit Hitler

»Wer Hitlers Weg folgt, sollte nicht vergessen, dass sein Schicksal dem anderer Tyrannen in der Geschichte gleichen wird«, erklärt der türkische Präsident in Richtung des israelischen Regierungschefs

 12.06.2026

Debatte

Mario Voigt nutzte KI für Reden zum Holocaust-Gedenken

Ein Portal findet mit KI-Analyse-Werkzeugen Auffälligkeiten in Beiträgen von Thüringens Regierungschef. Wie viel KI darf in einer Rede zum Holocaust-Gedenktag stecken?

 12.06.2026

Berlin

Anne-Frank-Tag: Bildungsstätte sieht Antisemitismus-Flut im Internet

»Wir erleben aktuell, dass sowohl rechtsextreme als auch islamistische und linke Gruppen antisemitisch agieren, antisemitische Narrative aber zugleich in der Mitte der Gesellschaft fest verankert sind«, sagt Deborah Schnabel

 12.06.2026

Brüssel

Kallas vergleicht Israel mit Apartheids-Südafrika

Die EU-Außenbeauftragte wird für ihre Aussage von anderen EU-Diplomaten und -Beamten scharf kritisiert

 12.06.2026

Künstliche Intelligenz

Preiskrieg zwischen Giganten

Sam Altmans OpenAI will den aggressiv wachsende Rivalen Anthropic der Geschwister Daniela und Dario Amodei auf Distanz halten

 12.06.2026