Künstliche Intelligenz

Preiskrieg zwischen Giganten

OpenAI-Chef Sam Altman und Anthropic-Präsidentin Daniela Amodei Foto: picture alliance / AP Photo/Noah Berger/photothek.de | Florian Gaertner

Der Konkurrenzkampf auf dem Markt für künstliche Intelligenz erreicht eine neue Stufe. Bisher versuchten die führenden Entwickler vor allem durch gigantische Modelle und technologische Durchbrüche zu punkten. Nun verlagert sich das Gefecht zunehmend auf die Preisgestaltung. Der Branchenprimus OpenAI steht vor der Einführung drastischer Rabatte für seine KI-Modelle, um den aggressiv wachsende Rivalen Anthropic auf Distanz zu halten.

Hintergrund dieser Überlegungen ist laut Berichten amerikanischer Medien, darunter das »Wall Street Journal«, ein spürbarer Wandel auf Kundenseite. In den Chefetagen von Unternehmen wächst demnach die Skepsis bezüglich der rasant steigenden Ausgaben für generative KI. Zwar ist das Interesse an der Implementierung von KI-Systemen ungebrochen, doch Budgetverantwortliche fordern zunehmend den Nachweis, dass die immensen Betriebskosten in einem angemessenen Verhältnis zum messbaren Produktivitätsgewinn stehen.

Dem Bericht zufolge evaluiert das Team rund um ChatGPT tiefgreifende Nachlässe bei den sogenannten Token-Preisen. Token stellen die grundlegende Abrechnungseinheit dar, nach der Entwickler und Unternehmen für die Verarbeitung von Texten, Programmiercodes oder Datenpaketen bezahlen. Die Notwendigkeit für diesen Schritt hat mittlerweile auch strategische Relevanz auf höchster Ebene erlangt. Der jüdische OpenAI-Chef Sam Altman räumte die Problematik unlängst bei einem öffentlichen Auftritt ein und bezeichnete die laufenden Kosten als »ein riesiges Problem«. Ihm geht es auch darum, dem aufstrebenden Konkurrenten Anthropic der ebenfalls jüdischen Geschwister Daniela und Dario Amodei etwas entgegenzusetzen.

Gewaltige Summen

Altman erklärte, sein Unternehmen suche nach Wegen, die Barrieren zu senken: »Ich denke, wir werden viele Möglichkeiten haben, wie wir den Menschen helfen können, mehr Wert für weniger Geld zu erhalten.« Dieser Rabattkurs birgt jedoch erhebliche finanzielle Risiken für die Anbieter.

Sowohl OpenAI als auch Anthropic müssen laut Experten gewaltige Summen aufwenden, um die notwendige Recheninfrastruktur für das Training und den laufenden Betrieb ihrer High-End-Modelle zu unterhalten. Drastische Preisreduzierungen gehen somit unmittelbar zulasten der ohnehin stark beanspruchten Gewinnmargen. Im hart umkämpften B2B-Markt, in dem Konzerne jährlich Millionensummen für KI-Dienste veranschlagen, scheint OpenAI diesen wirtschaftlichen Kompromiss dennoch eingehen zu wollen.

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Der Druck auf den Marktführer hat einen konkreten Namen: Anthropic. Das Startup verzeichnete zuletzt eine erhebliche Dynamik im lukrativen Markt für Geschäftskunden. Als primärer Wachstumstreiber erwies sich hierbei das Tool »Claude Code«, eine speziell auf die Softwareentwicklung ausgerichtete KI. Die Anwendung erfreut sich in Engineering-Teams und Entwicklerabteilungen rasanter Beliebtheit, was zu einem deutlichen Umsatzsprung bei Anthropic führte. OpenAI reagierte auf diese Entwicklung, indem das eigene Programmier-Tool »Codex« intern mit höchster strategischer Priorität versehen wurde.

Punktuelle Rückschläge

Neben dem Erstarken der Konkurrenz musste OpenAI auch punktuelle Rückschläge bei der Nutzerbindung hinnehmen. Als im Frühjahr eine Kooperation zwischen OpenAI und dem US-Verteidigungsministerium bekannt wurde, reagierten Teile der Nutzerschaft sensibel. Daten des Marktforschungsunternehmens Sensor Tower belegen, dass die Deinstallationen der mobilen ChatGPT-App in den USA am 28. Februar im Vergleich zum Vortag um sage und schreibe 295 Prozent in die Höhe schnellten. Parallel dazu profitierten die Downloadzahlen von Anthropics »Claude«, da Anwender gezielt nach Alternativen suchten.

Gleichzeitig macht sich in der Tech-Branche eine gewisse Budgetdisziplin breit. Der anfängliche Enthusiasmus weicht einer strikten Kostenkontrolle.

Im klassischen Consumer-Segment bewegen sich beide Kontrahenten derzeit noch auf Augenhöhe. Sowohl »ChatGPT Plus« als auch »Claude Pro« schlagen mit rund 20 US-Dollar pro Monat zu Buche und bieten Endverbrauchern erhöhte Nutzungslimits sowie Zugriff auf die jeweiligen Premium-Modelle. im

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