Toronto

Schüsse auf jüdische Bäckerei – Polizei ermittelt wegen möglicher Hasskriminalität

Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Nach zwei Angriffen auf Filialen der jüdisch geführten Bäckereikette Kiva’s Bagel Bakery ermittelt die Polizei von Toronto wegen des Verdachts auf antisemitisch motivierte Straftaten. In einem Fall wurde eine Fensterscheibe durch Schüsse beschädigt, an einem weiteren Standort wurde ebenfalls ein Fenster zerstört.

Der erste Vorfall wurde am Sonntagmorgen im Stadtteil Midtown Toronto bekannt. Polizeibeamte fanden dort Hinweise darauf, dass auf das Geschäft geschossen worden war. Verletzt wurde niemand. Weniger als 20 Minuten später ging eine weitere Meldung über eine beschädigte Scheibe an einer zweiten Filiale im Norden der Stadt ein. Dort fanden die Ermittler jedoch keine Anzeichen für den Einsatz einer Schusswaffe.

Die Polizei geht derzeit davon aus, dass beide Taten miteinander in Verbindung stehen. Neben der Einheit für Hasskriminalität sind auch Spezialisten für Waffen- und Bandenkriminalität in die Ermittlungen eingebunden. Die Behörden suchen nach Zeugen und werten Spuren aus den betroffenen Gebieten aus. Angaben zu möglichen Verdächtigen wurden zunächst nicht veröffentlicht.

»Alle verfügbaren Mittel«

Polizeiinspektor Scott Bradbury erklärte vor Journalisten, die Ermittler behandelten die Vorfälle als mutmaßlich hassmotivierte Delikte. Derzeit sei lediglich bekannt, dass beide Angriffe dieselbe Geschäftskette betroffen hätten und in der Nacht erfolgt seien. »Wir wissen im Moment nicht mehr über den Zusammenhang, als dass es sich um dieselbe jüdisch geführte Unternehmensgruppe handelt und dass die Vorfälle irgendwann über Nacht stattgefunden haben«, sagte er.

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Zugleich versicherte Bradbury, die Behörden würden alle verfügbaren Mittel einsetzen, um die Hintergründe aufzuklären. Die jüdische Gemeinschaft und die Anwohner seien verständlicherweise beunruhigt. Während der Ermittlungen werde die Polizeipräsenz an den betroffenen Standorten sowie an weiteren religiösen Einrichtungen in Toronto verstärkt.

Die Vorfälle ereignen sich vor dem Hintergrund einer Serie von Angriffen auf jüdische Einrichtungen in Kanada. Erst vor wenigen Wochen hatte die Polizei mitgeteilt, dass Schüsse auf Synagogen, eine jüdische Schule, das US-Konsulat und weitere Ziele auf ein Netzwerk zurückgeführt würden, das junge Täter über das Internet angeworben haben soll.

Gezielter Einschüchterungsversuch

Am Sonntag versammelten sich zahlreiche Anwohner vor der beschädigten Filiale, um ihre Solidarität zu zeigen. Obwohl das Geschäft geschlossen blieb, verteilte der Eigentümer Bagels an Unterstützer, während er auf die Reparatur der zerstörten Schaufensterscheibe wartete.

Mehrere Besucher äußerten ihre Sorge über die Entwicklung. Eine Kundin sprach laut »The Canadian Jewish News« von einem gezielten Einschüchterungsversuch gegen die jüdische Gemeinschaft. Andere fragten, wie viele Angriffe auf Synagogen, Schulen oder jüdische Geschäfte noch nötig seien, bevor die Bedrohung entschlossener bekämpft werde.

Torontos Bürgermeisterin Olivia Chow verurteilte die Vorfälle. »Jede Form von Hass hat keinen Platz in Toronto«, erklärte sie. Die Polizei schütze Synagogen, jüdische Gemeindezentren und andere Einrichtungen rund um die Uhr. Diese Sicherheitsmaßnahmen würden fortgesetzt und bei Bedarf ausgeweitet.

Auch jüdische Organisationen reagierten mit scharfer Kritik. Noah Shack, Geschäftsführer des Centre for Israel and Jewish Affairs (CIJA), erklärte vor Ort: »Kanadier sollten mit ihren Familien in einem Restaurant frühstücken können, ohne auf Polizeibänder und Ermittlungen nach einer Schießerei zu treffen. Es reicht.« im

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