Nach einem tätlichen Angriff vor einer Synagoge im Großraum Toronto ermittelt die Polizei wegen eines mutmaßlich antisemitischen Hassverbrechens. Der Vorfall ereignete sich bereits am Schabbat, vor dem Sephardic Kehila Centre im Ort Thornhill nördlich von Toronto. Kanadische Medien berichteten, darunter »The Canadian Jewish News«.
Nach Angaben der York Regional Police versuchte ein bislang unbekannter Mann gegen 9.35 Uhr, gewaltsam in das Gebäude an der Bathurst Street einzudringen. Anschließend griff er eine Person an und flüchtete. Verletzt wurde das Opfer nach bisherigen Erkenntnissen nicht.
Rabbi David Kadoch erklärte, der Mann habe zunächst versucht, in das Gebäude zu gelangen, sei aber wegen verdächtigen Verhaltens vom Sicherheitsteam gestoppt worden. Die Wachleute hätten ihn nicht gekannt.
Ins Gesicht geschlagen
Der Verdächtige habe angegeben, aus dem Nahen Osten zu stammen und nicht zum Gebet erscheinen zu wollen. Ein Betreten der Synagoge sei ihm verweigert worden.
Kurz darauf traf der Mann außerhalb des Gebäudes auf ein Gemeindemitglied, das mit seinem Sohn zum Gottesdienst unterwegs war. Zunächst habe er ihnen den Weg versperrt. Als beide weitergingen, habe er den Mann ins Gesicht geschlagen. Kadoch sprach von einem gezielten Angriff. Das Opfer habe Schmerzen im Kiefer- und Mundbereich erlitten.
Der Rabbiner zeigte sich besorgt über die Sicherheitslage. »Wir sind zutiefst besorgt, dass Angriffe auf unsere Gemeinschaft immer alltäglicher werden«, erklärte er gegenüber »The Canadian Jewish News«. Die jüdische Gemeinschaft habe wie alle Kanadier das Recht, ihren Glauben ohne Angst vor Gewalt auszuüben.
»Alarmierendes Beispiel«
Er dankte Polizei und dem Jewish Security Network für die schnelle Reaktion. Einsatzkräfte sichteten noch vor Ort Überwachungsvideos.
Vaughans Bürgermeister Steven Del Duca bezeichnete den Vorfall als »zutiefst verstörend«. In einer Zeit zunehmenden Antisemitismus müsse alles getan werden, um jüdische Einwohner zu schützen. Auch die konservative Abgeordnete Melissa Lantsman forderte ein hartes Vorgehen gegen den Täter. »Schnappt diesen Schläger. Verfolgt ihn mit voller Härte«, schrieb sie.
Jüdische Organisationen wie B’nai Brith Canada, die UJA Federation of Greater Toronto und CIJA sprachen von einem weiteren alarmierenden Beispiel antisemitischer Gewalt in Kanada.
Ernste Bedrohung
Am selben Wochenende wurde zudem ein Judaica-Fachgeschäft in Toronto Ziel von Vandalismus. Ein Unbekannter beschädigte die Glasfront des Ladens »Aleph Bet Judaica« an der Bathurst Street im Stadtteil North York mit einem Stein.
Nach Angaben von Statistics Canada nahmen Hassverbrechen gegen Juden zuletzt stark zu. Zwischen 2022 und 2023 stieg die Zahl polizeilich erfasster Taten demnach um 71 Prozent auf rund 900 Fälle. Ein Bericht des Senatsausschusses für Menschenrechte warnte erst vor wenigen Tagen vor wachsendem Antisemitismus im Land und sprach von einer ernsten Bedrohung für die kanadische Gesellschaft. im