Niederlande

Geheimdienst sieht Hamas-Netzwerk hinter Protesten und Geldsammlung

Das Hauptquartiers des Allgemeinen Nachrichtendienstes (AIVD) in Zoetermeer Foto: picture alliance / ANP

Der niederländische Inlandsgeheimdienst AIVD hat nach eigenen Angaben ein Hamas-nahes Netzwerk in den Niederlanden identifiziert, das an der Organisation israelfeindlicher Demonstrationen beteiligt gewesen sein soll. Zudem gehe es um Propaganda, Lobbyarbeit und das Sammeln von Geld für die palästinensische Terrororganisation. Niederländische Medien berichteten, darunter die jüdische Publikation »Israelnieuws«.

In seinem Jahresbericht für 2025 erklärte der Dienst demnach, entsprechende Strukturen seien bereits seit Jahren aktiv. Das Netzwerk sei Teil eines größeren europäischen Hamas-Geflechts. Nach Einschätzung der Behörde stehen rund zehn Personen mit diesen Zellen in Verbindung.

Laut AIVD führten die Demonstrationen im vergangenen Jahr zwar nicht zu größeren Gewalttaten, hätten jedoch gesellschaftliche Spannungen verstärkt und zur Polarisierung beigetragen.

Antiimperialistische Strömungen

Besonders im Zusammenhang mit dem Gaza-Krieg seien verschiedene politische Gruppen zusammengekommen. Der Geheimdienst verweist auf Überschneidungen zwischen sogenannten »pro-palästinensischen« Aktivisten, islamistischen Kreisen, Klimaaktivisten sowie linksradikalen antiimperialistischen Strömungen.

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Zusätzliche Brisanz erhält der Bericht durch ein laufendes Strafverfahren. Die niederländische Staatsanwaltschaft fordert demnach drei Jahre Haft sowie ein weiteres Jahr auf Bewährung gegen einen 58-jährigen Mann aus Leidschendam. Er soll zwischen 2010 und 2023 rund acht Millionen Euro an die Hamas überwiesen haben.

Besondere Aufmerksamkeit widmete der AIVD der Gruppe Samidoun Nederland. Der Geheimdienst sieht in der Organisation eine Plattform, über die unterschiedliche extremistische Milieus miteinander vernetzt werden. In Deutschland ist Samidoun bereits verboten.

Legitimierter Terror

Wörtlich heißt es im niederländischen Bericht: »Die Organisation ruft nicht zu Gewalt auf, verherrlicht jedoch Gewalt gegen Israelis und den israelischen Staat, etwa indem sie Handlungen terroristischer Organisationen legitimiert.« Zwar sei die Anhängerschaft in den Niederlanden klein, die Botschaften fänden jedoch größere Resonanz.

Der Bericht nennt außerdem zahlreiche Sachbeschädigungen. Ziel seien Unternehmen und staatliche Einrichtungen gewesen, denen Waffenlieferungen an Israel oder wirtschaftliche Beziehungen zu israelischen Siedlungen in Judäa und Samaria vorgeworfen wurden. Fenster seien eingeschlagen und Gebäude mit Farbe beschmiert worden.

Als größte dschihadistische Bedrohung für die Niederlande stuft der AIVD weiterhin den Islamischen Staat ein. 19 Warnmeldungen zu möglichen Extremisten seien erstellt worden, in elf Fällen habe es Hinweise auf drohende Gewalt gegeben, die zu Festnahmen führten. im

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