Mailand

»Niemand wird mich hier erniedrigen«

Synagoge in Mailand (Archiv)
Synagoge in Mailand (Archiv) Foto: picture alliance / dpa

Mailand

»Niemand wird mich hier erniedrigen«

Nach antisemitischer Attacke durch arabische Männer: Jetzt spricht der angegriffene Rabbiner

 17.09.2026 14:31 Uhr Aktualisiert

Rabbiner Tzemach Mizrachi ist am Mittwochnachmittag in Mailand von drei Männern angegriffen worden. Der 51-jährige Familienvater wartete an einer Bushaltestelle im Viertel Bande Nere, als er attackiert wurde. »Sie haben zunächst versucht, mich zu provozieren. Und dann rissen sie mir den Hut vom Kopf und fingen an, sich über mich lustig zu machen«, schilderte er dieser Zeitung den Vorfall.

»Doch ich habe mir den Hut sofort wieder geschnappt und auf den Kopf gesetzt. Das lasse ich mir nicht gefallen. Niemand wird mich hier erniedrigen.« Seinen Schilderungen nach waren die Männer arabischer Herkunft. Als er begann, das Geschehen mit dem Handy zu fotografieren, wurde er von ihnen erneut attackiert. »Einer hat mir einen Tritt verpasst.«

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Unmittelbar danach zeigte er den Angriff bei der Polizei an, die aufgrund der Bildaufnahmen die Täter zeitnah identifizieren und zur Vernehmung bringen konnte. Der Haupttäter soll Medienberichten zufolge ein 20-jähriger Tunesier sein.

Eine ärztliche Versorgung brauchte Mizrachi nicht. »Die Polizei hat den Vorfall sehr ernst genommen«, so der Rabbiner. Seinen Angaben zufolge wurden die drei Männer über Nacht in Gewahrsam genommen.

Rabbiner Tzemach Mizrachi ist seit knapp 30 Jahren als Chabad-Gesandter in der norditalienischen Stadt tätig. Er sagt, dass er in letzter Zeit zunehmend Spannungen auf den Straßen gespürt habe. »Das Bild hat sich stark verändert, vor allem wegen der Ausländer, die hierhergekommen sind.« Es seien vor allem arabischstämmige Männer, die sich auch regelmäßig auf einem Platz in seinem Wohnviertel versammeln. »Jeden Abend, wenn ich hier vorbeikomme, werde ich angebrüllt.«

Nun sei es das erste Mal, dass er auch physisch angegriffen wurde. »Normalerweise tue ich so, als wäre ich taub und blind – Gott bewahre –, um mich von ihrem Unsinn abzugrenzen. Ich sehe sie nicht, ich höre sie nicht.«

»Mit Gottes Hilfe werde ich ganz normal weitermachen – und noch mehr tun. Niemand wird uns schwächen.« Rabbiner Tzemach Mizrachi

Mit den Italienern selbst habe er nur gute Erfahrungen. »Die Leute in dem Haus, in dem ich wohne, sind alle sehr herzlich. Und auch die Reaktionen auf der Straße sind freundlich.« Er habe auch nach dem Vorfall einigen Zuspruch erfahren.

Er lasse sich von dem Angriff nicht beirren, versichert Rabbiner Tzemach Mizrachi: »Mit Gottes Hilfe werde ich ganz normal weitermachen – und noch mehr tun. Niemand wird uns schwächen. Und mit Gottes Hilfe wird das Licht über die Dunkelheit siegen.«

Unterdessen hat Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni ihre Solidarität mit dem Rabbiner sowie mit der gesamten jüdischen Gemeinde Mailands bekundet. Sie verurteile diesen verabscheuungswürdigen und inakzeptablen Vorfall auf das Schärfste, heißt es in einer Erklärung vom Mittwoch: »Antisemitischer Hass ist eine Geißel, die wir in keiner Form tolerieren können und werden, und wir werden ihn weiterhin entschlossen bekämpfen.« ddk

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