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Das süße Licht von Zusha

Zusha – zwei Chassidim aus New York: Zack Goldschmiedt (l.) und Shlomo Gaisin

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Das süße Licht von Zusha

Seit 13 Jahren machen Shlomo Gaisin und Zack Goldschmiedt charedische Popmusik – mit Riesenerfolg

von Sophie Albers Ben Chamo  13.09.2026 23:27 Uhr

Im Juli 2022 war der 16-jährige Aviad Poznansky im Sommercamp in New Hampshire, als Post von seiner Mutter kam. Es war ein Vertrag über den Mix eines Songs für den berühmten Rapper J.I.D, »Dance Now«, dem der Teenager ein paar besondere Noten verpassen sollte. Der Track wurde ein Hit. Und damit auch Poznanskys Samples aus dem Song »Yoelʼs Niggun« der chassidischen Band Zusha.

Zusha? Die beiden Musiker aus New York haben in den vergangenen zehn Jahren nicht weniger geschafft, als das Hebräische mit der internationalen Popmusik zu vereinen. Und Pejes gleich mit.

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Zusha ist eine neo-chassidische Mischung aus religiösen Melodien, Folkrock, Electro und Dance, der Diminutiv des jiddischen »süß« sowie der Name von Rabbi Zusha von Anipoli aus dem 18. Jahrhundert, auf den sich Sänger Shlomo Gaisin und Zachariah »Zack« Goldschmiedt, Gitarrist, Arrangeur und Produzent, explizit beziehen.

Bereits die erste EP schaffte es 2014 auf Platz 9 der Weltmusik-Billboard-Charts. Das erste Album Kavana sogar auf Platz 2. Die Fanbase wächst stetig, 2015 spielten sie vor mehr als 2000 Fans im Central Park. Diesen August füllte Zusha dreimal hintereinander das berühmte Barby in Tel Aviv. Und wer keinen der 3000 Plätze ergatterte, feierte ihre Musik auf der Straße, wie Instagram-Videos zeigen. Online ist noch einmal eine ganz andere Nummer: Satte 30 Millionen Abrufe hat die Band auf Spotify.

Neo-chassidische Mischung aus religiösen Melodien, Folkrock, Electro und Dance

Um die Magie von Zushas Musik zu verstehen, braucht es nur einen Song: »Donʼt leave me on my own«. Gaisins Stimme, so intim wie Rufus Wainwright, so Stadionrock wie Coldplay, so fragil wie Sigur Rós und so groovy wie Usher, füllt Kopf und Herz zugleich, bevor sie in die Füße geht, getragen von Goldschmiedts Beats und Harmonien. Zusha spielt auf Frequenzen, die direkt ins Herz führen. Ob man es will oder nicht.

Die beiden Mittdreißiger wurden während des Studiums Freunde und fingen an, Musik zu machen. Ohne Plan, sagte Zack gerade im Interview mit »Galgalatz«. Er sei damals noch säkular gewesen, Shlomo habe ihn dann »geerdet«.

Zusha hat das Talent, einfach glücklich zu machen, egal, wie heftig der Sturm draußen tobt.

Sie seien beide mit nichtjüdischer Musik aufgewachsen, berichtet er weiter. Mit Künstlern wie Sufjan Stevens, Bon Iver und Fleet Foxes. »Wir haben alles gehört, und es hat unsere Seelen tief berührt. Aber dann dachten wir: Wir lieben die Musik – aber worüber singen sie eigentlich?« Shlomo ergänzt: »Also haben wir gedacht: Was wäre, wenn wir einige Elemente aufgreifen, aber ihnen tiefgründige, bedeutungsvolle Botschaften verleihen würden?« Dann lächelt der Zwei-Meter-Mann wie ein Teddybär und sagt: »Das Leben ist so viel bedeutungsvoller, als wir uns vorstellen können – nicht nur die Menschen, sondern die ganze Welt. Etwas, das bereits bedeutungsvoll ist, gewinnt unendlich viel mehr an Bedeutung, wenn man eine Melodie hinzufügt.«

Anfangs nahmen sie vor allem Niggunim auf, Gebete in Form von Melodien ohne Text, oder Songs in Hebräisch. »The World to Come« hatte trotzdem vier Millionen Aufrufe auf Instagram. »Und es hieß, 65 Prozent der Leute hätten noch nie zuvor von uns gehört!«, freut sich Zack. Shlomo wundert das überhaupt nicht: »Es gibt nichts Ansteckenderes als eine Person, die ganz ungehemmt sie selbst ist. Denn es gibt niemanden auf der Welt wie dich!«

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Zusha klingt so universell, dass sich wirklich niemand ausgeschlossen fühlt. Schließlich ist Liebe im Kern immer gleich, ob für Gott, für die Musik, für eine Frau, für einen Mann. Jeder kann es fühlen – und jeder will es fühlen. Und dass Zusha das mit und ohne Text ausdrücken kann, ist das offene Geheimnis des Erfolges dieser Ausnahmeband, auf deren Konzerten Orthodoxe und Säkulare, Frauen und Männer, Konservative und Liberale, Jung und Alt zusammen feiern. Zusha eint. Überall gebe es derzeit Anti, sagt Shlomo. »Wir sind pro! Pro-Jiddischkeit. Prosemitismus. Unser Auftrag ist es, der Welt mit einem Lächeln zu begegnen und zu zeigen, dass es gut ist, jüdisch zu sein«, erklärte er begeistert im israelischen Fernsehen.

Diese Band hat das Talent, einfach glücklich zu machen, egal, wie heftig der Sturm draußen tobt. Das gibt Stärke und Selbstsicherheit, nach denen nicht nur Teenager dürsten. Kein Wunder also, dass sogar ein Hip-Hop-Star kurzzeitig den Chassidismus für sich entdeckt. Bei dem Zulauf, für den Zusha sorgt, sehen die Rabbiner dann vielleicht auch über das Klischee-Video hinweg mit seinen bösen Jungs, sexy Frauen und dicken Autos. Hauptsache, sie fühlen das Licht.

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