Nathan, du bist mit einem Spieler des FC Zürich ins Stadion eingelaufen – vor Tausenden Zuschauern. Wie war das in diesem Moment?
Zuerst war ich extrem nervös. Ich dachte: Jetzt werde ich mit einem Spieler einlaufen, den ich gar nicht kenne. Aber dann habe ich ihm die Hand gegeben und war plötzlich sehr stolz. Ich fand es cool, dass ich gemeinsam mit einem Spieler ins Stadion gehen durfte.
Was war schlimmer: die Nervosität vor dem Einlaufen oder die vielen Zuschauer?
Eigentlich die Nervosität davor. Ich hatte nämlich Angst, dass irgendetwas Peinliches passiert. Ich dachte zum Beispiel, dass uns vielleicht Wasser über den Kopf gespritzt wird oder so etwas. Aber zum Glück ist nichts passiert.
Du bist Mitglied beim jüdischen Fußballclub Hakoah Zürich. Was bedeutet es dir, als jüdischem Kind bei einem solchen großen Fußballspiel dabei zu sein?
Für mich ist wirklich ein Traum in Erfüllung gegangen. Ich habe mir das schon sehr lange gewünscht. Dass es dann tatsächlich geklappt hat und wir mit den Spielern ins Stadion laufen durften, hat mir sehr viel bedeutet.
Und dann durftest du sogar vorher mit den Spielern sprechen.
Ja, wir hatten vor dem Spiel Zeit, uns ein bisschen mit ihnen zu unterhalten und beim Training zuzuschauen. Das war für uns als Fußballfans natürlich sehr interessant.
Was fragt man einen Fußballprofi, wenn man plötzlich neben ihm steht?
Miguel Reichmuth, einer der Spieler hat mich zuerst gefragt, ob ich auch Fußball spiele. Dann habe ich ihm gesagt: »Ich hoffe, dass du ein Tor schießt und dich nicht verletzt.«
Eine ziemlich gute Ansage. Was hat er darauf gesagt?
Er hat gesagt: »Das hoffe ich auch.«
Und dann ist tatsächlich passiert, was du dir gewünscht hast.
Ja. Miguel Reichmuth, mit dem ich ins Stadion eingelaufen bin, hat ein Tor geschossen.
Das Spiel selbst ging für den FC Zürich allerdings mit 2:4 gegen die Young Boys verloren. Hat das die Freude ein bisschen getrübt?
Nein, eigentlich nicht. Zürich hat zwar verloren, aber für uns war es trotzdem ein schöner Abend. Und dass Miguel Reichmuth ein Tor geschossen hat, hat mich natürlich besonders gefreut.
Eine letzte Frage: Bist du nach diesem Abend jetzt FCZ-Fan geworden?
Na ja, sagen wir: ein bisschen. Eigentlich bin ich Fan des FC Basel. Aber an diesem Abend war ich natürlich für Zürich. Und es war der beste Tag meines Lebens.
Mit dem jungen Fußballfan hat Nicole Dreyfus gesprochen.