Social Media

Prozess: Mark Zuckerbergs Meta will knapp 17 Milliarden Dollar zahlen

Mark Zuckerberg Foto: picture alliance/AP Photo

Im US-Prozess um die Social-Media-Sucht von Kindern hat der Facebook-Mutterkonzern Meta einer Zahlung von insgesamt knapp 16,7 Milliarden Dollar zugestimmt. Darauf einigte man sich mit den klagenden US-Bundesstaaten, wie aus einem entsprechenden Gerichtsdokument hervorgeht. Durch die Einigung hätten die Parteien vereinbart, die Klage ohne weitere gerichtliche Auseinandersetzung beizulegen. Mit der sofortigen Unterzeichnung des Vergleichs wendete Meta auch ab, dass Facebook-Gründer und -Chef Mark Zuckerberg vor Gericht aussagen musste.

Das historische Verfahren zwischen Meta und fast allen US-Bundesstaaten gilt rechtlich nur für die USA, was europäische Bürger- und Kinderrechtsorganisationen bereits kritisieren. Allerdings könnte der Vergleich eine globale Kettenreaktion auslösen, die auch Auswirkungen auf die Social-Media-Nutzung in Europa haben könnte.

Die EU hat Meta im Juli 2026 beschuldigt, mit »süchtig machenden Design« wie unendliches Scrollen und Autoplay gegen den europäischen Digital Services Act (DSA) zu verstoßen und mit einer heftigen Strafe gedroht. Es gebe nun intensive Verhandlungen mit Meta, um für Kinder und Jugendliche in der EU »mindestens ebenso starke Schutzmaßnahmen« durchzusetzen, berichtet unter anderem der »Guardian«.

Kinder abhängig gemacht

Mehrere US-Bundesstaaten hatten Meta vorgeworfen, Kinder bewusst zu einer ausufernden Nutzung von Facebook und Instagram verleitet und deren Daten »geerntet« zu haben. Zugleich habe das Tech-Imperium Risiken vor Eltern und der Öffentlichkeit verborgen. Der Konzern weist alle Vorwürfe zurück.

»Jahrelang hat Meta die Öffentlichkeit absichtlich über die süchtig machenden und schädlichen Designmerkmale getäuscht, die die psychische Gesundheit junger Menschen massiv beeinträchtigt haben«, hieß es in einer Pressemitteilung der Generalstaatsanwalt des Bundesstaates Virginia, Jay Jones.

Im Nachgang des Vergleichs hat Meta neue Einschränkungen angekündigt, die Kinder und Jugendliche von nun an besser schützen und Eltern eine stärkere Kontrolle ermöglichen sollen. Vorbehaltlich einer gerichtlichen Genehmigung sollen diese zehn Jahre lang automatisch für Minderjährige gelten, die Instagram und Facebook nutzen.

Ein tägliches Zeitlimit, eine Sperre ab Mitternacht und regelmäßige Erinnerungen.

Unter anderem ist ein tägliches Zeitlimit von zwei Stunden vorgesehen, dass Kinder und Jugendliche nur mit Zustimmung ihrer Eltern deaktivieren können. Die Begrenzung gelte kumulativ für Facebook und Instagram. Zwischen Mitternacht und sechs Uhr morgen sollen die Apps zudem über einen Nachtmodus gesperrt werden, sodass Nutzer keine Beiträge veröffentlichen noch Inhalte sehen können. Auch sollen regelmäßige Erinnerungen minderjährige Nutzer zu einem »bewussteren Umgang« auf den Plattformen anregen.

Mit Blick auf die verheerenden Wirkungen »falscher Schönheitsideale« kündigte Meta an, Filter für »Schönheitsoperationen und extremes Make-up« zu deaktivieren. Auch die in Kritik stehende Funktion von sogenannten Likes und Reaktionen auf Beiträge soll standardmäßig ausgeblendet werden. Jugendliche sollen weder bei ihren eigenen noch bei Beiträgen anderer Nutzer sehen können, wie stark auf Inhalte reagiert wurde.

Meta gab vor einigen Monaten in einem Gerichtsdokument an, die von den Bundesstaaten geforderten Strafen könnten sich auf 1,4 Billionen Dollar (aktuell 1,2 Billionen Euro) summieren und damit die Existenz des Unternehmens bedrohen, dessen Gesamtwert aktuell bei rund 1,25 Billionen Euro liegt. Anwälte der Klägerseite waren auf einen deutlich geringeren Betrag von etwa 200 Milliarden Dollar gekommen.

Serie von Rückschlägen für Meta

Meta hatte zuletzt mehrere Niederlagen vor US-Gerichten erfahren müssen. So soll der Konzern nach einem Urteil im Bundesstaat New Mexico mehr als eine halbe Milliarde Dollar an Hilfsinstitutionen für Kinder zahlen, die durch Nutzung sozialer Medien Schaden genommen haben. Zudem müssen dort zusätzliche Einschränkungen für Nutzer im Alter unter 18 Jahren eingeführt werden: Unter anderem sollen sie bei Facebook und Instagram maximal 90 Stunden pro Monat verbringen können. Meta will in Berufung gehen.

Im März verloren Meta und die Google-Videoplattform YouTube einen potenziell wegweisenden Prozess zum Suchtpotenzial von Onlinediensten. Geschworene in Los Angeles kamen zu dem Schluss, dass die Plattformen fahrlässig handelten und Nutzer ungenügend über Risiken informierten. Auch dieses Urteil wollen die Unternehmen kippen. dpa/sal

Nachruf

Gloria Steinem: Ein Leben im Dienst der Gleichberechtigung

Die Journalistin und feministische Aktivistin starb im Alter von 92 Jahren. Mit ihrem Magazin »Ms.« veränderte sie den Blick auf Frauen nachhaltig

 04.09.2026

Schweiz

»Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen!«

Der neunjährige Nathan Hertig ist eines von 25 jüdischen Kindern des FC Hakoah Zürich, die die Profis des FC Zürich ins Stadion begleiten durften. Im Interview erzählt er von diesem Erlebnis

von Nicole Dreyfus  03.09.2026

Terezín 2050

Theresienstadt: Zwischen Gedenken und Weiterleben

Einst Habsburger Festung, dann NS-Ghetto, heute tschechische Kleinstadt: Terezín (Theresienstadt) ist Erinnerungsort und lebendige Stadt zugleich. Internationale Forscher suchen nach Perspektiven für den Spagat zwischen Vergangenheit und Zukunft

 03.09.2026

Ungarn

Jüdisches Leben nach Orbán

Die neue Regierung verspricht eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Judenhass – und Partnerschaft auf Augenhöhe

von György Polgár  03.09.2026

USA

Warum Punk so jüdisch ist

In New York fing es an. In London wurde es Modetrend. Aber was hat eigentlich Lenny Bruce damit zu tun?

von Sarah Thalia Pines  31.08.2026

Interview

»Die Lage der schwedischen Juden ist schrecklich«

Schwedens Bildungs- und Integrationsministerin Simona Mohamsson über den Davidstern und die Vermischung von Israel-Kritik und Antisemitismus

von Michael Thaidigsmann  31.08.2026

Birmingham

Ermittlungen gegen früheren Polizeichef wegen Ausschluss israelischer Fußballfans

Der Ausschluss von Anhängern des israelischen Fußballclubs Maccabi Tel Aviv bei dessen Auswärtsspiel im November vergangenen Jahres in Großbritannien hat ein Nachspiel

 28.08.2026

Vereinte Nationen

Generalsekretär Guterres: UN-Sonderberichterstatter »völlig außer Kontrolle« in Bezug auf Israel

Der scheidende UN-Generalsekretär António Guterres hat die extreme Einseitigkeit einiger UN-Sonderberichterstatter bezüglich des jüdischen Staates eingeräumt. Eine allgemeine Voreingenommenheit der UNO gegenüber Israel sieht er aber nicht

 28.08.2026

Antisemitismus

Ire in Frankreich verhaftet, nachdem er gedroht hatte, jüdisches Paar zu ermorden

Nachdem der Australier und seine Frau aus dem Tunesien-Urlaub zurück waren, gingen sie zur Polizei

 27.08.2026