Nach zehneinhalb Monaten Restaurierungs- und Sanierungsarbeiten ist der Wiener Stadttempel wieder für die jüdische Gemeinde geöffnet. Bereits am Mittwoch, zwei Tage vor Beginn des jüdischen Neujahrsfests Rosch Haschana, wurde die Synagoge mit der feierlichen Einbringung einer neuen Thora-Rolle wiedereröffnet, wie die österreichische Nachrichtenagentur Kathpress am Donnerstag berichtete. Die Feierlichkeiten sind Teil des 200-Jahr-Jubiläums des Stadttempels, dessen zentraler Festakt am 16. September stattfindet.
»Wir sind wieder daheim. Der Stadttempel war geschlossen, unser Gemeindeleben war es nie«, erklärte der Präsident der Kultusgemeinde, Oskar Deutsch. Dass nun wieder im Stadttempel gebetet werden könne, sei der Republik Österreich, der Stadt Wien sowie Hunderten Spenderinnen und Spendern aus der Gemeinde und ihren Freunden im In- und Ausland zu verdanken. Diese hätten »nicht nur ein Gebäude erhalten, sie haben in die Zukunft des jüdischen Wien investiert«.
Sanierungskosten fast gedeckt
Im Zuge der Sanierungsarbeiten wurden gebäude-, sicherheits- und brandschutztechnische Maßnahmen umgesetzt sowie die Barrierefreiheit verbessert. Zudem wurden die Eingangsbereiche räumlich neu geordnet und eine eigene Station für Besucherinnen und Besucher der geplanten Guided Tours eingerichtet. Diese sollen im Winter 2026 starten. Die Kosten für Restaurierung und Sanierung belaufen sich insgesamt auf 10,5 Millionen Euro. Jeweils ein Drittel davon tragen der Bund, die Stadt Wien und private Spender. Rund 95 Prozent der Gesamtkosten sind nach Angaben der Kultusgemeinde bereits aufgebracht.
Oberrabbiner Jaron Engelmayer bezeichnete die Wiedereröffnung des größten jüdischen Gotteshauses Österreichs als »starkes Zeichen für die Zukunft«. Als einzige noch aktive Synagoge, die die Schoah überstanden habe, sei die Restaurierung »symbolisch eine Investition in die Zukunft und das jüdische Leben in Wien und Österreich«.
Zur 200-Jahres-Feier der Synagoge hat die Österreichische Post eine Sonderbriefmarke veröffentlicht. Die Marke mit einem Nennwert von zwei Euro zeigt einen Blick in den Innenraum des Tempels.