Judenhass

»Während er mir in den Kopf schneidet, sagt er: ›Die Juden erschießen Kinder‹«

Symbolfoto Foto: picture alliance / imageBROKER

Die britische Organisation »Campaign Against Antisemitism« (CAA) hat einen neuen Bericht und einen zugehörigen Dokumentarfilm über die Verbreitung von Judenhass im britischen Gesundheitssystem NHS veröffentlicht. Die Untersuchung mit dem Titel »Malignant: Antisemitism in the NHS« (etwa: Bösartig: Antisemitismus im Gesundheitssystem) dokumentiert zahlreiche Berichte von jüdischen Patienten und Angestellten.

Der CAA-Bericht zeigt, wie weit verbreitet Judenhass und antisemitische Anfeindungen in Krankenhäusern und anderen Gesundheitseinrichtungen im Vereinigten Königreich sind. In Interviews berichten Betroffene von ihren schockierenden Erlebnissen und Erfahrungen.

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So musste sich eine jüdische Krankenschwester von einem Kollegen den Hitler-Gruß zeigen lassen, nachdem dieser herausgefunden hatte, dass sie Jüdin ist: Shelley Lipman ist examinierte Krankenschwester in einem Krankenhaus in Cambridge. Sie gab an, sie sei mit dem Nazi-Gruß konfrontiert worden, nachdem ein Kollege entdeckt hatte, dass sie Jüdin ist. Lipman berichtete, der Kollege habe sie nach der hebräischen Kalligrafie gefragt, die auf ihrem Arm tätowiert war, woraufhin sie erklärte, dass sie Jüdin sei. Nach der Mittagspause, so berichtete sie, habe der Kollege am Bett eines Patienten stehend den Nazi-Gruß in ihre Richtung ausgeführt. »Ich war einfach völlig sprachlos«, sagte sie.

Als Lipman den Kollegen zur Rede stellte und sagte: »Das ist der Nazi-Gruß. Das ist Hitler«, habe der Kollege geantwortet: »Ja.« Der Mitarbeiter sei weiterhin im Krankenhaus tätig: »Er ist immer noch da«, sagte Lipman. »Ich hasse das. Ich hasse es wirklich.«

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Saul Freeman, ein ebenfalls in der Dokumentation zu sehender Jude, sagt, er habe um seine Sicherheit gefürchtet, als ein Chirurg nach seinen Angaben begann, antisemitische Bemerkungen zu machen, während er ihm einen krebsartigen Tumor aus der Stirn entfernte. Freeman berichtet, die Konsultation sei völlig normal verlaufen, bevor das Gespräch auf den Gazastreifen kam. Der Arzt habe ihm gesagt, Juden schießen Kindern »in den Kopf oder in die Beine« und variierten dies »jeden Tag zu ihrem eigenen Vergnügen«. »Während er mir in den Kopf schneidet, sagt er: ›Die Juden erschießen Kinder‹.«

Freeman, der aus Sheffield kommt, erzählt, dass der Chirurg zu diesem Zeitpunkt gerade einen Schnitt an seinem Kopf vorgenommen habe. »Der Mann hat ein Messer. Er operiert gerade an mir«, sagte er. »Man könnte sich in einer Arzt-Patienten-Situation kaum verletzlicher fühlen.«

Höchste Dringlichkeit

Der Sender LBC berichtet, dass sich Jane McNicholas vom zuständigen Sheffield Teaching Hospitals NHS Foundation Trust zu Wort meldete: »Herr Freeman hat uns seine Bedenken mitgeteilt, und wir prüfen diese derzeit mit höchster Dringlichkeit. Wir nehmen alle Vorwürfe dieser Art sehr ernst und werden auf der Grundlage der Ergebnisse der Überprüfung entsprechend reagieren.«

Das sind nur zwei von zahlreichen schockierenden Beispielen. CAA-Leiter Gideon Falter kommentierte im »Telegraph«: »Der NHS ist nicht nur ein Gesundheitsdienstleister. Er ist zu einem Teil der britischen nationalen Identität geworden.« Deshalb seien die Enthüllungen »über Antisemitismus im Gesundheitswesen auf einer tiefen, emotionalen Ebene schockierend«. Es gehe »um bösartigen Hass gerade in jenem NHS, der eigentlich eine Bastion des Mitgefühls sein sollte«.

»Wir brauchen jetzt echte und robuste Maßnahmen.« Stephen Silverman, CAA-Untersuchungsleiter

Zusammen mit den Berichten veröffentlichte die CAA eine nach eigenen Angaben repräsentative Umfrage, die sie in der jüdischen Gemeinschaft geführt hat. Der Untersuchung zufolge ist zu befürchten fast zwei Drittel der britischen Juden, keine gleichwertige Fürsorge zu erhalten, weil sie jüdisch sind. Ein Drittel der britischen Juden, die den NHS seit dem 7. Oktober 2023 genutzt haben, sagen, dass sie sich aufgrund ihrer jüdischen Identität unwohl fühlten. Mehr als vier von zehn britischen Juden, die seit dem 7. Oktober den NHS brauchten, haben zudem Schritte unternommen, um ihre jüdische Identität zu verbergen.

Stephen Silverman, CAA-Untersuchungsleiter, sagte: »Unser Dokumentarfilm entlarvt die antisemitische Fäulnis im Herzen unseres NHS. Die in unserem Film vorgelegten anekdotischen Beweise zeigen zusammen mit den empirischen Daten unserer Umfrage das Ausmaß und die Schwere dieser institutionellen Krise.« Diese Krise erfordere eine umfassende Reaktion, so Silverman. »Wir brauchen jetzt echte und robuste Maßnahmen.«

Die jüdische Nachrichtenagentur VINnews berichtet, dass das NHS zunächst keine gesonderte Stellungnahme zu dem Film abgab, die über die früheren Erklärungen hinausging, wonach Rassismus und Antisemitismus im Gesundheitswesen keinen Platz hätten. ja

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