London

Antisemitischer Angriff auf jüdische Schüler: Frau erhält Bewährungsstrafe

Stamford Hill Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Eine 39-jährige Frau ist in London wegen eines antisemitisch motivierten Angriffs auf jüdische Kinder und einen Vater zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Syeda Khatun hatte vor einer jüdischen weiterführenden Schule in Stamford Hill zunächst Kinder und eine Mutter antisemitisch beschimpft und anschließend den Vater eines Schülers angegriffen. »Jewish News« und andere britische Publikationen berichteten.

Der Vorfall ereignete sich am 10. Mai, als die Schüler nach einem Schulausflug vor der Schule warteten. Khatun soll sich zunächst an eine Mutter gewandt haben, die ihr Baby bei sich trug, und sie mit antisemitischen Äußerungen beschimpft haben. Anschließend ging sie auf die wartenden Jugendlichen zu und schlug aggressiv mit den Armen in deren Richtung.

Als der Vater eines der Kinder die Frau zur Rede stellte und wissen wollte, weshalb sie die Jugendlichen angreife, eskalierte die Situation. Khatun schlug ihm ins Gesicht und zog an seinem Bart. Dabei setzte sie ihre antisemitischen Beschimpfungen fort.

Fünf Anklagepunkte

Nach einem Prozess wurde Khatun am 3. Juli in mehreren Punkten schuldig gesprochen. Das Gericht befand sie unter anderem wegen rassistisch motivierter Körperverletzung sowie wegen entsprechender Äußerungen und Verhaltensweisen für schuldig, die Belästigung, Angst oder Unruhe verursacht hatten. Insgesamt ging es um fünf entsprechende Anklagepunkte.

Ursprünglich war eine Haftstrafe von acht Monaten vorgesehen. Nachdem die Staatsanwaltschaft jedoch erfolgreich geltend gemacht hatte, dass die Feindseligkeit gegenüber der jüdischen Herkunft der Opfer als strafverschärfender Umstand berücksichtigt werden müsse, wurde die Strafe auf zwölf Monate erhöht. Die Haft muss Khatun allerdings nicht antreten, solange sie sich während einer zweijährigen Bewährungszeit an die Auflagen hält.

Die Anklage stützte sich unter anderem auf Aufnahmen von Überwachungskameras und Aussagen von Augenzeugen. Nach Angaben des britischen Crown Prosecution Service wurden die Anklagen innerhalb von 24 Stunden nach Übergabe der polizeilichen Ermittlungsergebnisse genehmigt.

Lesen Sie auch

Ragvesh Singh, leitender Staatsanwalt bei der CPS London North, bezeichnete den Angriff als besonders erschreckend. »Dies war ein schockierender Angriff, bei dem Syeda Khatun Menschen an einem öffentlichen Ort mit antisemitischen Beschimpfungen attackierte, darunter Kinder, die vor ihrer Schule warteten.«

Nachdem sie wegen ihres Verhaltens angesprochen worden sei, habe sie einen Passanten angegriffen und gleichzeitig ihre antisemitischen Äußerungen fortgesetzt, erklärte Singh. »Gewalt, die durch antisemitischen Hass motiviert ist, ist abscheulich, und niemand sollte wegen seiner Rasse, Religion oder Identität Angst haben müssen, seinem täglichen Leben nachzugehen.«

Die Staatsanwaltschaft habe zudem erreicht, dass die antisemitische Motivation bei der Strafzumessung ausdrücklich berücksichtigt wurde. »Ich hoffe, dass dieses Ergebnis der Öffentlichkeit und insbesondere der jüdischen Gemeinschaft die Gewissheit gibt, dass Hasskriminalität konsequent verfolgt und Täter vor Gericht gebracht werden«, sagte Singh.

Besonders schwerwiegend

Auch die Polizei wertete den Vorfall als besonders schwerwiegend. Detective Chief Superintendent Brittany Clarke, die für die Polizeiarbeit in dem Gebiet verantwortlich ist, sagte: »Dies war ein abscheulicher Angriff auf junge Mitglieder unserer jüdischen Gemeinschaft in Stamford Hill.«

Die Polizei sei innerhalb weniger Minuten nach der Meldung am Tatort gewesen. Anschließend hätten Ermittler eng mit der Staatsanwaltschaft zusammengearbeitet, sodass Khatun bereits zwei Tage nach dem Angriff angeklagt und vor Gericht gebracht werden konnte.

Clarke verwies zugleich auf die weiterhin angespannte Lage: »Wir wissen, dass die Sorgen in den jüdischen Gemeinden Londons weiterhin groß sind. Die Metropolitan Police hat deshalb weiterhin einen verstärkten Polizeiplan in Kraft gesetzt, der unsere Ressourcen auf besonders gefährdete Gebiete konzentriert, um Gemeinden zu schützen, Täter zu stoppen und Kriminalität zu bekämpfen.«

Khatun, die aus Hackney stammt, wurde zusätzlich mit einer gerichtlichen Anordnung belegt, die ihr den Kontakt zu den Betroffenen untersagt. im

Handelte es sich beim Nationalsozialismus um eine linke Ideologie?

Ein Faktencheck

 23.10.2026

Justiz

Ermittler: Ahmetovic kooperierte nicht bei Durchsuchungen

Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt im Zusammenhang mit der Ausschreibung eines früheren Klinikgeländes in Lehrte bei Hannover gegen den SPD-Politiker

 23.10.2026

Berlin

Umfrage: Mehrheit lehnt rot-grün-rote Koalition ab

Linke, SPD und Grüne verhandeln derzeit über eine gemeinsame Landesregierung. Eine solche Koalition stößt auf Skepsis - auch unter Anhängern von SPD und Grünen

 23.10.2026

Warschau

Polen rügt Ehrung für ukrainische Nationalisten in Lwiw

Erst ein Ehrentitel für eine ukrainische Einheit, nun ein Gedenkjahr für nationalistische Untergrundkämpfer: Der Geschichtsstreit zwischen Polen und der Ukraine flammt erneut auf

 23.10.2026

Umfrage

Umfrage: So würde Deutschland abstimmen, wenn am Sonntag Wahlen wären

 23.10.2026

München

Aigners Befund zu Judenhass: »Das ›Nie wieder!‹ ist tot«

Die bayerische Landtagspräsidentin gibt eine schonungslose Analyse zum Antisemitismus in Deutschland. Doch sie sieht auch hoffnungsvolle Ansätze, um gegenzusteuern

 23.10.2026

Deutschland

Wie hält es die CDU in Sachsen-Anhalt mit der AfD?

AfD-Politiker Siegmund braucht drei Stimmen aus anderen Reihen, um Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt zu werden. Ein CDU-Abgeordneter stellt sich nun gegen die CDU-Fraktionslinie

von Christopher Kissmann  22.10.2026

Debatte

Wahl in Israel: Star-Dirigent Lahav Shani meldet sich ausführlich zu Wort

In der Vergangenheit war der Musiker mehrmals im Visier radikaler Israelfeinde

 22.10.2026

Berlin

Zentralrat der Juden warnt vor rot-grün-roter Koalition

Schuster: »Im Kampf gegen Judenhass ist dieses Schauspiel ein echter Offenbarungseid«

 22.10.2026 Aktualisiert