London

Britische Grüne hegen in internen Chats Gewaltfantasien gegen »Zionisten«

Eine Kundgebung der Green Party mit Parteichef Zack Polanski im Südwesten Londons, Ende Juni 2026 Foto: picture alliance / PA Images

Eine geleakte WhatsApp-Kommunikation sorgt in Großbritannien für schwere Vorwürfe gegen Mitglieder der Grünen. In einer privaten Gruppe, die von Parteimitgliedern und Aktivisten unter anderem zur Vorbereitung von Wahlkämpfen, Parteitagsanträgen und außenpolitischen Debatten genutzt wurde, soll über die »Tötung von Zionisten« gesprochen worden sein. Zudem finden sich dort Äußerungen, die sich pauschal gegen britische Juden richten. Dies geht aus einem Bericht der »Times« hervor.

Die Chatgruppe trug den Namen »Greens Against Imperialism« und wurde von Sophus Magill gegründet, einem Grünen-Politiker auf der Isle of Wight. In einer Diskussion im Juli schrieb Magill, der Zionismus müsse verschwinden und sei letztlich eine »Apartheid- und ethno-suprematistische Ideologie«.

Auf die Frage, was dies konkret bedeuten solle, antwortete Magill, es brauche »einen einzigen gleichberechtigten Staat«. Als ein anderer Teilnehmer nachfragte, ob dies bedeute, Israel solle im Grunde »von der Landkarte verschwinden«, antwortete Magill: »Ja, das würde ich gerne sehen.« Später verglich er die Forderung mit dem Ende des ehemaligen rassistischen Systems in Südafrika und erklärte, er halte es nicht für gewalttätig, wenn ein Staat, der illegitim und Apartheid betreibe, von allen Landkarten verschwinde.

Pauschale Angriffe auf britische Juden

Gleichzeitig schrieb Magill, israelische Staatsbürger, die keine Kriegsverbrecher seien und friedlich mit Palästinensern zusammenleben wollten, hätten ein Recht darauf, in Palästina zu leben. Dies müsse seiner Ansicht nach grundsätzlich für jeden Menschen gelten, solange von ihm keine Gefahr für andere ausgehe.

Besonders umstritten sind Äußerungen eines weiteren Chat-Teilnehmers. Im Juni schrieb dieser, viele britische Juden seien stark von »Propaganda« beeinflusst worden. Er behauptete zudem, es sei üblich, dass junge britische Juden vor dem Studium eine Zeit lang in Israel verbrächten.

Auch die Diskussionen über den Iran enthielten entsprechende Aussagen. Ein Nutzer mit den Initialen »AT«, den die »Times« als Ashley Tubb identifizierte, bezeichnete die iranischen Revolutionsgarden als Bestandteil einer nationalen Befreiungsbewegung. Die Organisation habe sich 1979 vom »US-Marionettenregime« des Schahs befreit, schrieb er. Proteste gegen das iranische Regime seien zuletzt von Amerikanern und »Zionisten« angestiftet und bewaffnet worden.

Tötung von »Zionisten«

Tubb hatte zuvor für einen Sitz im Wahlkampfkomitee der Grünen kandidiert. Die iranischen Revolutionsgarden werden unter anderem von westlichen Staaten als terroristische Organisation eingestuft.

Lesen Sie auch

In einer weiteren Diskussion ging es ausdrücklich um die Frage, ob radikaler Antizionismus die Tötung von Zionisten rechtfertigen könne. Ein Teilnehmer schrieb sinngemäß, eine extrem antizionistische Haltung könne bedeuten, dass man diese befürworte. Dies sei zwar falsch, aber nicht automatisch rassistisch.

Der Verfasser fügte hinzu, angesichts des Krieges und der von ihm als Völkermord bezeichneten Ereignisse sei es nicht überraschend, dass manche Antizionisten – insbesondere Menschen mit Verbindungen nach Palästina – Juden und israelische Juden gleichsetzten. Er bezeichnete dies als falsch, aber nachvollziehbar.

Funktionäre der Grünen im Chat

Die geleakten Nachrichten betreffen nicht ausschließlich einfache Parteimitglieder. Auch Personen mit offiziellen Funktionen innerhalb der Grünen beteiligten sich an den Diskussionen.

Dazu gehört Animah Kosai, die als Beauftragte für Mitgliederangelegenheiten bei den »Global Majority Greens« tätig ist. Dabei handelt es sich um eine offizielle Interessengruppe der Partei, der auch der stellvertretende Parteivorsitzende Mothin Ali angehört.

Kosai nutzte die WhatsApp-Gruppe unter anderem zur Vorbereitung eines Parteitags. Zudem warb sie für einen Antrag mit dem Titel »Zionism is Racism« (»Zionismus ist Rassismus«).

Strafrechtlich relevant

Diejenigen, deren Äußerungen in den geleakten Nachrichten auftauchen, bestritten die Gespräche gegenüber den »Times« nicht. Ein Sprecher der Grünen erklärte dagegen, die Partei äußere sich grundsätzlich nicht zu internen Foren oder WhatsApp-Gruppen, die keine offiziellen Parteikanäle seien.

Die Campaign Against Antisemitism bezeichnete die veröffentlichten Nachrichten als »äußerst abstoßend«. Einige Beiträge könnten nach Einschätzung der Organisation möglicherweise strafrechtlich relevant sein und würden derzeit von ihren Anwälten geprüft. im

Recht

Gute Absicht, falsche Umsetzung

Daniel Botmann, Geschäftsführer des Zentralrats der Juden, kritisiert den hessischen Vorschlag für eine Strafbarmachung der Leugnung des Existenzrechts Israels. Er hat aber einen Alternativvorschlag

 05.10.2026

Studie

»Neue antisemitische Normalität«: 7. Oktober für Juden in Deutschland biografische Zäsur

Eine wissenschaftliche Untersuchung zeigt, wie der Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 das Leben von Jüdinnen und Juden in Deutschland verändert hat. Die Befragten berichten von einer »neuen antisemitischen Normalität«, wachsendem Misstrauen und Ausgrenzung

 05.10.2026

Der Verfassungsrechtler Steffen Augsberg, Hessens Justizminister Christian Heinz (CDU), der hessische Antisemitismusbeauftragte Uwe Becker und Zentralratspräsident Josef Schuster (v.l.)

Initiative

Hessen dringt auf Strafen für Leugnung des Existenzrechts Israels

Die hessische Landesregierung dringt darauf, dass ihr Vorschlag zur Strafbarkeit israelfeindlicher Äußerungen umgesetzt wird. Die Bundesregierung bleibt aber skeptisch. Auch der Zentralrat der Juden ist nicht restlos überzeugt

 05.10.2026

Magdeburg

BSW: Wählen den AfD-Kandidaten zum Landtagspräsidenten

Am Dienstag kommt der neu gewählte Landtag von Sachsen-Anhalt erstmals zusammen. Die AfD hat die Zusage des BSW für die nötigen Stimmen

 05.10.2026

Berlin

Parteien in der Hauptstadt bereiten sich auf drittes Vorgespräch vor

Nach der Abgeordnetenhauswahl setzen Linke, Grüne und SPD auf ein drittes Vorgespräch. Details bleiben geheim – und keiner weiß, wo das Ganze hinführt

 05.10.2026

Berlin

Israelis selbst schuld an Empathielosigkeit? SPD-Politiker in der Kritik

Der Sozialdemokrat Lars Castellucci machte am Samstag mit einem X-Post zum versuchten Anschlag auf ein Flugzeug mit israelischen Passagieren von sich reden. Viele sehen darin eine Täter-Opfer-Umkehrung

 05.10.2026

Kommentar

Die Linke sollte nicht den Berliner Bürgermeister stellen

Die Partei sollte sich erst einmal in der Opposition regenerieren und gegen Rassismus einsetzen

von Herbert Rubinstein  05.10.2026

Shelly Meyer

Kommentar

Wer tatsächlich vom »Judenfetisch« profitiert

150 Juden in Berlin haben mit einem Offenen Brief die Linkspartei unterstützt - das sind etwa 0,4 Prozent der Berliner jüdischen Stimmen. Doch sie könnten für die breite Öffentlichkeit kaum wertvoller sein

von Shelly Meyer  04.10.2026

Kommentar

Fair Play – es sei denn, es geht um Israel

Irlands Nationalspieler verweigern Israelis den Handschlag, diskutieren darüber, ob sie überhaupt gegen sie antreten wollen – und die UEFA schweigt. So funktioniert die schleichende Etablierung von Antisemitismus als Akt des vermeintlichen humanitären Widerstandes

von Dorothea Schupelius  02.10.2026