Berlin

Israelis selbst schuld an Empathielosigkeit? SPD-Politiker in der Kritik

Lars Castellucci (SPD) Foto: picture alliance / dts-Agentur

Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Lars Castellucci, sorgte am Wochenende mit einem Post auf X für Empörung. Der SPD-Politiker hatte auf einen Post von Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) geantwortet, die zu der Nachricht vom versuchten Anschlag auf ein »Flydubai«- Flugzeug mit 182 Menschen an Bord geschrieben hatte: »Und warum juckt das eigentlich niemanden in der Welt so richtig?«

Castellucci schrieb dazu zwar, es sei ein »entsetzliches Verbrechen verhindert worden«. Um dann jedoch Priens Frage folgendermaßen zu beantworten: »Weil Israel gerade seine letzten Freunde verliert. Wegen seiner rechtsradikalen Regierung und allen, die sie verteidigen.« In weiteren Posts führte der Bundestagsabgeordnete unter anderem aus: »An unsere Freunde setzen wir eben andere Maßstäbe als an Terroristen.«

Nun sollte man wissen: Die Menschen an Bord des Flugzeugs waren hauptsächlich jüdische, israelische Zivilisten. Prien, die jüdischer Abstammung ist, verlor in der Schoa ihre Urgroßmutter. Und schließlich: Die Behauptung, Juden seien an ihrer Verfolgung selber schuld, ist ein klassisches Stereotyp des Antisemitismus.

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Prien selbst kommentierte Castelluccis Einlassung gegenüber der »Bild«-Zeitung mit den Worten: »Herr Castellucci als Menschenrechtsbeauftragter der Bundesregierung muss wissen, dass die Dämonisierung Israels und die empathielose Doppelmoral gegenüber Juden und Israelis ein gefährlicher Brandbeschleuniger für den Antisemitismus bis in die Mitte der Gesellschaft ist. Wer Empathie mit den Kindern in Gaza einfordert, darf sie gegenüber unschuldigen Israelis nicht verweigern.«

Auf X schrieb sie, direkt an Castellucci gerichtet: »Lieber Lars Castellucci, ihr Kommentar schmerzt, weil ich ihre Arbeit schätze. Selbst wenn ihre Kritik an der israelischen Regierung zu 100 Prozent zuträfe, rechtfertigt dies nicht  die emphatielose Reaktion auf den geplanten Mord an  fast 200 (israelischen) Menschen mit Referenz zu 9/11.«

Volker Beck, Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, kommentierte auf X kurz und sarkastisch: »Die Juden sind selber schuld. Ihr Menschenrechtsbeauftragter.« Der Politikwissenschaftler Carlo Masala antwortete Castellucci »6 Tweets und ich verstehe noch immer nicht, was das mit 174 israelischen Passagieren in nem Flugzeug zu tun hat.«

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Die FDP-Politikerin Karoline Preisler kommentierte ebenfalls auf X, garniert mit einigen Emojis: »Das ist Lars. Lars ist Beauftragter der Bundesregierung für Menschenrechte. Täter-Opfer-Umkehr kann er. Womöglich lesen wir morgen auf seinem Account ›Sie trug einen kurzen Rock.‹ Sei kein Lars! Niemand muss ein Widerling sein.«

Der Berliner Rechtsanwalt Wolf Reuter schrieb, dass Castellucci in der Bundesrepublik der 80er Jahre  hätte zurücktreten müssen Er sei ein Beispiel für die Kälte des Antisemitismus. »Wer meint, das sei eine ›Analyse‹, weiß nichts von Menschlichkeit; Er empfand sie nicht. Und er hat sich nie die Frage gestellt, warum sich nach 1945 noch irgendjemand dafür interessieren sollte, was mit Deutschen passiert.« Er sieht bei dem SPD-Politiker eine »singuläre Obsession mit Israel«. ja

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