Der Angriff auf einen »Fly Dubai«-Flug mit zahlreichen Israelis an Bord wirft auch Fragen zur Sicherheitsüberprüfung ausländischer Piloten auf. Nach einem Bericht des israelischen Senders Kanal 12 durften in den vergangenen Jahren Dutzende Piloten aus Oman nach Israel einreisen, obwohl für Angehörige von Staaten ohne diplomatische Beziehungen zu Israel Beschränkungen gelten.
Im Mittelpunkt steht damit nicht nur der Angriff selbst, sondern auch die Kontrolle der Flugbesatzungen. Der omanische Co-Pilot soll am Mittwoch den Kapitän des Flugzeugs mit einem Messer verletzt und anschließend versucht haben, die Maschine zum Absturz zu bringen. Passagiere, der Kapitän und weitere Piloten überwältigten den Mann. Die Boeing 737 MAX musste schließlich in Saudi-Arabien notlanden. Die fast ausschließlich israelischen Passagiere wurden anschließend nach Israel weitergeflogen.
Oman unterhält keine diplomatischen Beziehungen zu Israel. Nach den Regelungen im Zusammenhang mit den Abraham-Abkommen dürfen Piloten aus Staaten, die keine Beziehungen zu Jerusalem haben, grundsätzlich nicht nach Israel fliegen. Kanal 12 berichtet nun, dass diese Vorgabe offenbar nicht konsequent kontrolliert wurde.
Aufforderung ohne Überprüfung
Dem Bericht zufolge überließ Israel die Überwachung weitgehend den ausländischen Fluggesellschaften. Auch die Herkunft der »Fly Dubai«-Piloten sei vom Inlandsgeheimdienst Schin Bet nicht systematisch überprüft worden. Der Dienst habe die Airline lediglich aufgefordert, keine Piloten aus Staaten ohne Beziehungen zu Israel einzusetzen.
Ein nicht namentlich genannter Vertreter der Luftfahrtbranche kritisierte gegenüber Kanal 12 das Vorgehen scharf: »Der Schin Bet hat alle Möglichkeiten, innerhalb von fünf Minuten zu wissen, wer sämtliche Piloten der Dubai-Airline sind, und hat sich einfach entschieden, wegzuschauen.« In Israel habe man darauf vertraut, dass die Fluggesellschaft zuverlässig arbeite, und deshalb in den vergangenen Jahren keine entsprechenden Überprüfungen vorgenommen, sagte der Branchenvertreter.
Das Verkehrsministerium erklärte dem Sender dagegen, der Schin Bet habe vor dem Vorfall keine konkrete Warnung vor einer Gefahr durch »Fly Dubai« ausgesprochen. Der Geheimdienst habe lediglich verstärkte Gepäckkontrollen verlangt.
Die Affäre dürfte nun auch Konsequenzen für die israelischen Luftfahrtbehörden haben. Kanal 12 verwies auf eine Empfehlung des israelischen Rechnungshofs aus dem Jahr 2024, wonach die Sicherheitsverfahren im gesamten Bereich des Luftverkehrs überprüft werden sollten.
Untersucht werden soll demnach auch die Arbeit des vor einigen Jahren eingerichteten Zentrums für die Überwachung der Luftsicherheit. Es ist unter anderem dafür zuständig, die Einreise von Flugbesatzungen nach Israel zu kontrollieren.
Gleichzeitig wird auf einen Konflikt zwischen dem Schin Bet einerseits und den israelischen Fluggesellschaften El Al, Israir und Arkia andererseits verwiesen. Der Geheimdienst hatte den drei Unternehmen im Juli wegen der angespannten Sicherheitslage während des Krieges mit dem Iran die Landung in Dubai untersagt. Nach Darstellung von Kanal 12 hätte eine vergleichbare Vorsicht gegenüber ausländischen Fluggesellschaften möglicherweise dazu geführt, dass der omanische Pilot bereits vor seinem Einsatz aufgefallen wäre.
Saudi-Arabien und VAE
Parallel zu den israelischen Untersuchungen laufen Ermittlungen in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Schin Bet und Mossad sollen dabei mit den Sicherheitsdiensten beider Länder zusammenarbeiten. Der verletzte Kapitän konnte Saudi-Arabien am Donnerstag nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus in Richtung Abu Dhabi verlassen.
Nach ersten Erkenntnissen, die den israelischen Behörden übermittelt wurden, soll der Co-Pilot aus nationalistischen Motiven gehandelt haben. Diese Einschätzung stützt sich unter anderem auf Aussagen des Mannes gegenüber saudischen Ermittlern und weitere Informationen aus der Untersuchung.
Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte am Donnerstag, der Omaner habe eine »islamistische radikale Indoktrination durchlaufen«. Nach Angaben von Kanal 12 stützte sich diese Einschätzung auf zwei israelische Quellen, die über den Stand der Ermittlungen in Saudi-Arabien informiert waren. im