Israel

»Wir haben die Terroristen überwältigt«

Der israelische Passagier Yaniv Hayoun, dessen Hemd Blutflecken aufweist und der sich an Bord eines Flydubai-Flugzeugs befand, das in Saudi-Arabien notlanden musste, wird am Ankunftsgate des Ben-Gurion-Flughafens empfangen. Foto: picture alliance / AP Photo/Tomer Appelbaum

Es sind dramatische, kaum vorstellbare Szenen, die sich an Bord eines Flydubai-Flugs auf dem Weg nach Tel Aviv abspielten. »Es gab Momente, in denen wir dachten, dass wir das nicht lebend überstehen würden«, erzählt eine Israelin dem TV-Sender N12 nach dem gewaltsamen Vorfall im Cockpit. Videos, die in sozialen Netzwerken verbreitet werden, zeigen die bangen Momente, die die Passagiere – fast alle von ihnen Israelis – durchmachen mussten.

Passagiere berichten von Blut im Cockpit und Schreien im Flugzeug, das am Morgen im saudi-arabischen Tabuk notlanden musste. Panik und Angst habe sich in der Kabine ausgebreitet. Ein Video, das in Israel in den sozialen Medien geteilt wurde, vermittelt einen Eindruck des Schreckens, der geherrscht haben muss, als die Maschine in einen Sturzflug geriet. Laut Medienberichten stürzte der Flieger in rund einer Minute rund 4.000 Meter in die Tiefe. »Was ist passiert?«, fragt eine Frau in dem Video immer wieder auf Hebräisch und schluchzt dabei verzweifelt. 

Es ist auch dem Mut einiger Passagiere zu verdanken, dass Schlimmeres verhindert werden konnte. »Wir haben die Terroristen überwältigt«, sagt ein israelischer Passagier mit blutüberströmtem Gesicht in einer Videobotschaft, die direkt nach dem Vorfall aufgenommen worden sein soll und auf der Nachrichtenplattform »ynet« veröffentlicht wurde. »Einige Männer, darunter auch Israelis, standen auf und überwältigten den Angreifer«, erzählte eine Israelin anschließend dem TV-Sender N12. Medienberichten zufolge sollen sie ihn mit Kopfhörern festgebunden haben, die im Flugzeug verteilt worden waren.

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Einer der Piloten habe mit einem Messer auf seinen Kollegen eingestochen, als die Maschine sich Israel näherte, teilte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in einer Videobotschaft mit. Offenbar habe er vorgehabt, das Flugzeug mit rund 180 Passagieren zum Absturz zu bringen. Die »Helden, die außergewöhnliche Geistesgegenwart und Wagemut gezeigt« hätten, hätten »viele Leben gerettet, sie haben eine schwere Katastrophe verhindert«.

Die israelische Regierung geht nach dem gewaltsamen Vorfall von einem versuchten Terroranschlag aus. Der »Versuch eines dschihadistischen Anschlags« sei nur dank des Mutes israelischer Passagiere vereitelt worden, lobte auch Verteidigungsminister Israel Katz die Courage.

Neben all dem Schrecken gab es aber auch ermutigende Szenen. Israelischen Medien zufolge waren viele der Passagiere von der Hilfsbereitschaft im saudischen Tabuk angetan. In einem Video in den sozialen Medien ist zu sehen, wie Helfer einer Reihe von Menschen den Blutdruck messen. Ein Mann lächelt erleichtert in die Kamera. »Sie tun ihr Bestes. Sie kümmern sich um uns«, zitierte die »Times of Israel« einen Fluggast. Die beiden Länder unterhalten bislang keine diplomatischen Beziehungen. 

Die israelischen Passagiere landeten am Abend sicher mit einem Ersatzflugzeug in Tel Aviv. In einem Video war zu sehen, wie sie im Flieger einen bekannten israelischen Popsong mit einer betont optimistischen Botschaft sangen. Zahlreiche Angehörige warteten am Ben-Gurion-Flughafen auf ihre Liebsten. Das Wiedersehen dürfte emotional werden. dpa/ja

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