Meinung

Das entspricht nicht der Essenz unseres Landes!

Sarah Cohen-Fantl Foto: privat

Meinung

Das entspricht nicht der Essenz unseres Landes!

Man muss keine Sympathie für die Aktivisten der Gaza-Flottille haben, um die Art abzulehnen, wie Itamar Ben-Gvir mit ihnen umgegangen ist. Der Minister hat dem Ansehen Israels geschadet

von Sarah Cohen-Fantl  21.05.2026 11:32 Uhr

Eins vorweg: Jeder Mensch, der auf der Flottille mitfährt, um sich im vermeintlichen Gutmenschentum zu sonnen – und das auf Kosten der Zivilbevölkerung in Gaza und Israel gleichermaßen – ist mir zuwider. Ich würde sie vor Gericht wegen der Verletzung des internationalen Seerechts stellen, gegebenenfalls würden sie verurteilt werden. Mitleid hätte ich nicht mal im Ansatz.

Was ich nicht tun würde, obwohl sie glühende Israel- und Judenhasser sind: sie körperlich angreifen, demütigen oder auslachen und das Ganze dann öffentlich zur Schau stellen.

So hat es leider der israelische Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, getan. Es ist nicht das erste Mal, dass er negativ auffällt, aber dieses Mal bekommt er sowohl von seinen Ministerkollegen wie Außenminister Gideon Sa’ar die Leviten gelesen: »Er hat Israel großen Schaden zugefügt.«

Wir müssen Antisemiten nicht den roten Teppich ausrollen. Aber Menschen demütigen und sich dafür abfeiern? Das geht nicht.

Auch die Streitkräfte, die bereits bei Hunderten Flottille-Schiffen und ihren Insassen vorgemacht haben, wie man es richtig macht – Wasser und Sandwiches reichen, freundlich und professionell sein – verurteilen dieses Benehmen aufs Schärfste.

Ben-Gvirs Reaktion? Er verteidigt sein Verhalten, weil »Israel nicht länger die andere Wange hinhält« und »sich gegen seine Feinde wehrt«. Da wird ihm die Mehrheit des jüdischen Volkes wohl zustimmen – doch die Art und Weise, wie er das tut, ist falsch.

Denn ja, wir müssen Antisemiten nicht den roten Teppich ausrollen, und ja, wir dürfen uns gegen Anti‑Israel‑Propaganda wehren, und ja, auch gegen Terror und Raketen dürfen wir uns schlagkräftig zur Wehr setzen. Menschen demütigen und sich dafür abfeiern? Nein, das können wir nicht, und das entspricht auch nicht der Essenz unseres Landes, unserer Religion, unseres Volkes.

Das Einzige, was Ben‑Gvir dadurch geschafft hat, ist, dass dank seiner extremen Handlungen Israel‑Hasser ihn fälschlicherweise wieder einmal als XXL‑Plakat benutzen, um ein ganzes Land und seine Armee weltweit in Verruf zu bringen.

Lesen Sie auch

Obwohl Außenminister Sa’ar es auf den Punkt bringt, dass Itamar Ben‑Gvir nicht das Gesicht Israels sei, muss sich der Rest der Welt allerdings auch die Frage gefallen lassen, warum es nicht ebenso viel Aufsehen und Kritik an den täglich (!) steigenden körperlichen Angriffen auf jüdische Kinder, israelische Reisende und Synagogen gibt (zuletzt am Wochenende, als ein Israeli in England brutal zusammengeschlagen wurde).

Denn eins ist klar: Je mehr die Welt israelfeindliche Aktivisten und Terroristen schützt und unterstützt, je mehr man die einzige Demokratie im Nahen Osten im Stich lässt, desto mehr spielt dieser Doppelstandard am Ende den Ben‑Gvirs dieser Welt in die Hände.

Die Autorin ist freie Journalistin und lebt in Israel.

Mentale Gesundheit

Die Einsamkeit wiegt am Schwersten

Fast eine Million Israelis suchten seit Kriegsbeginn Hilfe bei der psychischen Notfall-Hotline Eran

von Sabine Brandes  07.10.2026

Porträt

Nach der Musik das Essen

Der Norden war von Terror und Krieg besonders geschunden. Aber auch Absagen aus dem Ausland beendeten Shachar Bers Karriere als Drummer. Mit einer eigenen Aufstrich-Marke wagt er den Neuanfang

von Sabine Brandes  07.10.2026

Nachrichten

Massage, Kibbuz, Opposition

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  07.10.2026

Kommentar

Wenn Chuzpe Leben rettet

Die bemerkenswerte Abwesenheit von Scham, Vorsicht und Selbstzweifel ist eine israelische Eigenart. Im Fall des Flydubai-Fluges half sie, eine Katastrophe zu verhindern

von Sabine Brandes  07.10.2026

Kfar Aza

»Die Angst steckt noch immer im Rucksack«

Shachar Tzuk überlebte das Hamas-Massaker. Drei Jahre später hat sie ein Zuhause, eine Verlobte und ein neues Leben – aber noch immer eine gepackte Fluchttasche

von Sabine Brandes  07.10.2026

Terror

Flydubai-Copilot wollte offenbar Tel Aviver Flughafen treffen

Was war das Ziel des mutmaßlichen Angreifers beim Flydubai-Flug nach Tel Aviv? Die Ermittlungen dazu laufen noch, doch immer mehr Informationen sickern an die Öffentlichkeit

 07.10.2026

Libanon

Hisbollah bezeichnet Hamas-Massaker als »Akt des Widerstandes«

Die Hisbollah hält am dritten Jahrestag an ihrer Rechtfertigung des Angriffs vom 7. Oktober 2023 fest. Seitdem haben die Kämpfe auch im Libanon Tausende Menschen das Leben gekostet

 07.10.2026

Krieg

Israels Armee hat seit Hamas-Massakern 100.000 Ziele angegriffen

Vor drei Jahren ermordeten Hamas-Terroristen rund 1.200 Menschen in Israel. Der Überfall löste den Gaza-Krieg aus. Israel hat seither Zehntausende Ziele in der Region angegriffen

 07.10.2026

Jahrestag der Massaker

Israel gedenkt der Opfer des 7. Oktober

Drei Jahre nach den blutigen Massakern im Süden Israels gedenkt das Land der Opfer. Präsident Herzog findet berührende Worte. Am Abend sollen Zehntausende in Tel Aviv zusammenkommen

 07.10.2026 Aktualisiert