Tel Aviv

Israel stoppt Gaza-Flottille: Mehr als 400 Aktivisten festgesetzt

Eine CCTV-Kamera fing dieses Bild eines israelischen Militärbootes ein, das sich einem der Flottillen-Boote nähert. Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Die israelische Marine hat in der Nacht sämtliche Schiffe der neuesten sogenannten Global Sumud Flotilla abgefangen und deren Besatzungen in Gewahrsam genommen. Mehr als 50 Boote mit insgesamt 428 israelfeindlichen Aktivisten aus über 40 Ländern – darunter 78 türkische Staatsbürger – wurden rund 270 Kilometer vor der Küste Gazas gestoppt und nach Aschdod gebracht, wie israelische Medien berichten. Dort sollen die Festgesetzten konsularische Unterstützung erhalten, bevor über ihre Abschiebung entschieden wird.

»Eine weitere PR-Flotilla ist zu Ende gegangen«, hieß es in einer Mitteilung des Jerusalemer Außenministeriums auf X. »Diese Flottille hat einmal mehr bewiesen, dass sie nichts anderes ist als ein PR-Stunt im Dienste der Hamas. Israel wird weiterhin in vollem Einklang mit dem Völkerrecht handeln und keine Verletzung der rechtmäßigen Seeblockade Gazas zulassen.«

Für diplomatische Verstimmung sorgte der Einsatz von Gummimunition gegen mindestens fünf der abgefangenen Schiffe. Italiens Außenminister Antonio Tajani forderte eine dringende Überprüfung des israelischen Vorgehens, nachdem italienische Aktivisten entsprechende Berichte verbreitet hatten. Das Außenministerium betonte, es sei zu keinem Zeitpunkt scharfe Munition eingesetzt worden. Die verwendeten Mittel hätten sich gegen die Schiffe gerichtet, nicht aber gegen die Aktivisten selbst. Verletzte gab es nach übereinstimmenden Berichten keine.

Lesen Sie auch

Für Aufsehen sorgten auch Videoaufnahmen, die zeigten, wie israelische Einsatzkräfte über die Lautsprecher der Flotillaschiffe Musik abspielten – darunter Israels aktuellen Eurovision-Beitrag von Noam Bettan sowie den Song »Oops! … I Did It Again« von Britney Spears.

Die Flottille stand unter der Führung der türkischen Hilfsorganisation IHH, die in Israel als Terrororganisation einstuft wurde. Die IHH hatte bereits 2010 die Mavi-Marmara-Flotilla organisiert, bei deren gewaltsamer Abfangung zehn türkische Aktivisten ums Leben kamen. Sowohl die Türkei als auch die palästinensische Terrororganisation Hamas bezeichneten das israelische Vorgehen diesmal als »Piraterie.«

Parallel zur Abfangaktion verhängte das US-Finanzministerium Sanktionen gegen vier Personen, die es mit der Flotilla in Verbindung bringt. Darunter ist der spanisch-palästinensische Aktivist Saif Abu Keshek sowie drei weitere Personen aus Belgien und Spanien. Alle sollen Verbindungen zur Volkskonferenz der Palästinenser im Ausland (PCPA) haben, die Washington als Tarnorganisation der Hamas betrachtet. im

Mentale Gesundheit

Die Einsamkeit wiegt am Schwersten

Fast eine Million Israelis suchten seit Kriegsbeginn Hilfe bei der psychischen Notfall-Hotline Eran

von Sabine Brandes  07.10.2026

Porträt

Nach der Musik das Essen

Der Norden war von Terror und Krieg besonders geschunden. Aber auch Absagen aus dem Ausland beendeten Shachar Bers Karriere als Drummer. Mit einer eigenen Aufstrich-Marke wagt er den Neuanfang

von Sabine Brandes  07.10.2026

Nachrichten

Massage, Kibbuz, Opposition

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  07.10.2026

Kommentar

Wenn Chuzpe Leben rettet

Die bemerkenswerte Abwesenheit von Scham, Vorsicht und Selbstzweifel ist eine israelische Eigenart. Im Fall des Flydubai-Fluges half sie, eine Katastrophe zu verhindern

von Sabine Brandes  07.10.2026

Kfar Aza

»Die Angst steckt noch immer im Rucksack«

Shachar Tzuk überlebte das Hamas-Massaker. Drei Jahre später hat sie ein Zuhause, eine Verlobte und ein neues Leben – aber noch immer eine gepackte Fluchttasche

von Sabine Brandes  07.10.2026

Terror

Flydubai-Copilot wollte offenbar Tel Aviver Flughafen treffen

Was war das Ziel des mutmaßlichen Angreifers beim Flydubai-Flug nach Tel Aviv? Die Ermittlungen dazu laufen noch, doch immer mehr Informationen sickern an die Öffentlichkeit

 07.10.2026

Libanon

Hisbollah bezeichnet Hamas-Massaker als »Akt des Widerstandes«

Die Hisbollah hält am dritten Jahrestag an ihrer Rechtfertigung des Angriffs vom 7. Oktober 2023 fest. Seitdem haben die Kämpfe auch im Libanon Tausende Menschen das Leben gekostet

 07.10.2026

Krieg

Israels Armee hat seit Hamas-Massakern 100.000 Ziele angegriffen

Vor drei Jahren ermordeten Hamas-Terroristen rund 1.200 Menschen in Israel. Der Überfall löste den Gaza-Krieg aus. Israel hat seither Zehntausende Ziele in der Region angegriffen

 07.10.2026

Jahrestag der Massaker

Israel gedenkt der Opfer des 7. Oktober

Drei Jahre nach den blutigen Massakern im Süden Israels gedenkt das Land der Opfer. Präsident Herzog findet berührende Worte. Am Abend sollen Zehntausende in Tel Aviv zusammenkommen

 07.10.2026 Aktualisiert