Eine neue Untersuchung der Reichman University in Herzliya deutet darauf hin, dass stark sexualisierte Fotos in Dating-Profilen zwar schnell Aufmerksamkeit erzeugen, gleichzeitig aber die Chancen auf eine ernsthafte Beziehung verringern können. Besonders in Apps wie Tinder, in denen Entscheidungen oft in Sekundenbruchteilen fallen, greifen viele Nutzer zu auffälligen Bildern, um im schnellen Wischen nicht unterzugehen. »Ynet« berichtete.
Die Studie zeigt jedoch, dass genau diese Strategie nach hinten losgehen kann. Forschende untersuchten, wie unterschiedliche Selbstdarstellungen wahrgenommen werden und welchen Einfluss sie auf die Einschätzung als potenzieller Beziehungspartner haben.
In mehreren Experimenten mit insgesamt 410 Teilnehmern im Alter zwischen 20 und 35 Jahren wurden Profile mit neutralen und sexualisierten Bildern verglichen. Das Ergebnis war eindeutig: Personen mit stark erotisierten Fotos wurden häufiger als weniger geeignete Partner für langfristige Beziehungen eingestuft und stießen insgesamt auf geringeres Interesse für ernsthafte Partnerschaften.
Weniger hochwertig
Ein zweites Teil-Experiment, bei dem dieselben Personen in Videoform präsentiert wurden, bestätigte diesen Effekt. Sexualisierte Darstellung führte dazu, dass die gezeigten Personen als weniger intelligent und als insgesamt weniger hochwertige Beziehungspartner wahrgenommen wurden.
Im dritten Schritt untersuchten die Forschenden, ob sich dieser negative Eindruck durch ergänzende Texte abmildern lässt. Dabei zeigte sich ein differenziertes Bild: Bei Frauenprofilen konnten warme und beziehungsorientierte Beschreibungen die Wirkung sexualisierter Fotos teilweise abschwächen. Bei männlichen Profilen hingegen führte die Kombination aus erotischem Bild und stark werteorientiertem Text eher zu Skepsis und schwächte die Glaubwürdigkeit.
Die Studienleiterin Gurit Birnbaum betonte laut »Ynet«, dass die erste Aufmerksamkeit zwar oft über das Foto entstehe, dies aber nicht zwangsläufig sexualisiert sein müsse. »Ein attraktives Foto ist tatsächlich das Erste, das die Aufmerksamkeit potenzieller Partner auf sich zieht. Aber um Interesse zu wecken, besonders bei denen, die eine ernsthafte Beziehung suchen, muss es nicht sexualisiert sein«, erklärte sie.
Persönliche Elemente
Stattdessen rät sie zu Bildern, die verschiedene Seiten des Lebens zeigen – etwa Arbeit, Freunde, Reisen oder Hobbys. »Ein solches Foto fängt nicht nur den Blick, sondern weckt auch Neugier und gibt Tiefe«, sagte Birnbaum weiter. Es vermittle einen Eindruck davon, wer eine Person wirklich sei und was ihr wichtig sei, jenseits des Äußeren.
Auch die Kombination aus Bild und Beschreibung sei entscheidend. Profile sollten laut der Forscherin persönliche Elemente enthalten, die über Standardformulierungen hinausgehen und eine emotionale Verbindung ermöglichen. »So kann man auffallen, attraktiv wirken und trotzdem das Potenzial für eine ernsthafte Beziehung vermitteln«, so Birnbaum.
Zugleich warnt die Studie davor, den Eindruck eines Profils nur auf Attraktivität zu reduzieren. Entscheidend sei letztlich, wie das Gesamtbild wahrgenommen werde – als vielschichtige Persönlichkeit oder als reine äußere Erscheinung. im