Israel

Dating im Bunker

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Dating im Bunker

Neue Apps sollen den Krieg erträglicher machen

von Sabine Brandes  12.03.2026 11:55 Uhr

Sirenen heulen, Raketen fallen – und Israelis swipen. Im Krieg verlagert sich das Leben nicht nur unter die Erde, sondern auch zunehmend in die digitale Welt. Apps und Websites helfen, den Alltag im Ausnahmezustand zu organisieren, von Schutzraum-Lokalisierern bis hin zu kuriosen Tools, die soziale Kontakte im Bunker ermöglichen sollen. Ein besonderes Beispiel dafür ist »Hooked«, entwickelt von Noa Barazani und Roi Revach. Vor dem Krieg sollte die App Singles auf Partys oder Konzerten zusammenbringen. Veranstalter erhielten einen QR-Code, Besucher scannten ihn, registrierten sich online, legten ein Profil an und hofften auf ihr Match vor Ort.

Mit Beginn der Raketenangriffe Ende Februar passte »Hooked« sein Konzept der aktuellen Lage an. QR-Codes hängen nun an den Eingängen der öffentlichen Schutzräume. Wer im selben Bunker sitzt und auf die Entwarnung wartet, kann die Zeit nutzen, um Profile zu durchstöbern, zu swipen und vielleicht sogar seinen Bashert zu finden. Nutzer berichten, dass selbst kleine Interaktionen – ein Lächeln, ein kleiner Flirt, ein erstes »Hallo« – die Stimmung im Schutzraum deutlich heben. Für viele sei das ein Stück Normalität unter Lebensgefahr. Bekannt wurde die App, nachdem ein Tweet der Israelin Yael Bar Tur viral ging: »Natürlich haben ein paar geniale Israelis eine App erfunden, mit der man einen Barcode scannen und sehen kann, wer im Bunker Single ist«, schrieb sie und verlinkte zu »Hooked«. Das Posting brachte der App binnen Stunden enorme Aufmerksamkeit und sorgte für Hunderte neuer Profile von Schutzraumnutzern.

Parallel gibt es weitere hilfreiche Apps wie »Purple Vest«, die Menschen mit Bewegungseinschränkungen unterstützt, oder die Webseite canishower.com (Kann ich duschen?), die jüngste Raketenalarme auswertet, um den besten Moment für einen Duschgang zu berechnen. Nutzer geben Duschdauer und Distanz zum nächsten Schutzraum ein, und die Seite zeigt an, ob ein »relativ sicherer« Moment besteht oder nicht. Selbst so banale Alltagsentscheidungen wie Hygiene werden so zu datenbasierten Abläufen. Für viele Israelis sind die Apps mehr als eine technische Spielerei. Sie helfen tatsächlich, den Alltag zu strukturieren, soziale Kontakte zu pflegen und kleine Momente menschlicher Nähe zu erleben – selbst bei Raketenalarm.

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