Israel

Gefängnis fürs Grillen

Die Eltern einer inhaftierten Sanitäterin potestieren vor dem Militärgefängnis. Foto: copyright (c) Flash90 2026

Mehrere Vorfälle in der Armee haben eine öffentliche Debatte darüber entfacht, ob religiöse Normen zunehmend Einfluss auf Disziplinarmaßnahmen haben – und ob dabei mit zweierlei Maß gemessen wird. Auslöser der Empörung war ein Fall bei der Grenzpolizei des Militärs: Vier Sanitäter, die in Kampfeinheiten dienen, wurden zu drei Wochen Militärgefängnis verurteilt, weil sie auf ihrem Stützpunkt während des Schabbats gegrillt hatten.

Der Vorwurf lautete, sie hätten »Religion und Judentum verletzt«. Für viele Beobachter stehen sowohl die Begründung als auch das Strafmaß in keinem Verhältnis zur Tat. Im Umfeld formierte sich rasch Protest. Vor dem Gefängnis versammelten sich Angehörige und Unterstützer. Pe’er Elazar, der Vater einer der betroffenen Sanitäterinnen, wandte sich per Megafon direkt an seine Tochter: »Du hast doch nur gegrillt. Aber deine Vorgesetzten haben ein Verbrechen begangen.«

Empörung vor dem Militärgefängnis

Kurz darauf sorgte ein weiterer Fall für Aufsehen. Die Mutter einer Soldatin, Shira Kuperman, schilderte in einem viel beachteten Beitrag in den sozialen Medien die Behandlung ihrer Tochter am letzten Tag ihres Wehrdienstes. Die Soldatin war zu den Entlassungsformalitäten in Zivil erschienen, wie es üblich ist. Doch anders als die männlichen Soldaten, die häufig ärmellose Oberteile tragen, wurde ihre Tochter wegen »unzureichender Bedeckung« vor ein Militärgericht gestellt. Die Mutter verwies auf die Tatsache, dass die Ultraorthodoxen nicht zur Armee gehen würden, man aber den dienenden Soldatinnen und Soldaten zum Teil strengreligiöse Vorschriften auferlege.

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Die Armee reagierte auf die Kritik und erklärte, der Vorfall sei eine »Abweichung von den Befehlen« und werde entsprechend geprüft.

Auch ein drittes Vorkommnis fügt sich in das Gesamtbild: Beim Jerusalem-Marathon sollen Soldatinnen angewiesen worden sein, lange Hosen zu tragen – trotz Temperaturen von mehr als 30 Grad –,
männliche Soldaten durften dagegen in Shorts antreten. Kritiker sehen darin ein weiteres Beispiel für geschlechtsspezifische und religiös begründete Vorschriften, die zunehmend in den militärischen Alltag eingreifen.

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