Mehrere Monate nach der offiziellen Anerkennung Somalilands hat Israel erstmals einen Botschafter für die abtrünnige Region am Horn von Afrika benannt. Das Außenministerium in Jerusalem teilte mit, Michael Lotem werde den Posten übernehmen. Die Publikation »The Times of Israel« berichtete.
Lotem ist derzeit als wirtschaftspolitischer Sondergesandter für Afrika tätig. Zuvor vertrat er Israel bereits als Botschafter in Kenia, Aserbaidschan und Kasachstan. Seine Ernennung wurde im Rahmen einer Kabinettssitzung bestätigt.
Israel hatte Somaliland Ende Dezember 2025 als erster Staat weltweit offiziell als unabhängiges Land anerkannt. Die Region hatte sich bereits 1991 nach dem Zerfall Somalias im Zuge des Bürgerkriegs für autonom erklärt, wird international jedoch bis heute kaum anerkannt.
Sicherheitspolitische Interessen
Mit dem damaligen Abkommen vereinbarten beide Seiten die Aufnahme diplomatischer Beziehungen, die Eröffnung gegenseitiger Botschaften sowie die Entsendung offizieller Vertreter. Somaliland hatte im Februar bereits Mohamed Hagi als Botschafter für Israel benannt.
Somaliland verfügt über eine strategisch wichtige Lage am Golf von Aden gegenüber dem Jemen. Die Region besitzt eigene staatliche Strukturen mit Währung, Pässen und Streitkräften, kämpft jedoch seit Jahren um internationale Legitimität.
Beobachter sehen in der Annäherung auch die Wahrung sicherheitspolitischer Interessen Israels. Durch engere Beziehungen könnte Jerusalem seinen Zugang zum Roten Meer stärken. Angesichts der Bedrohung durch die Huthi-Miliz im Jemen gilt das Gebiet als geopolitisch bedeutsam.
Scharfe Reaktionen
Die Anerkennung durch Israel hatte scharfe Reaktionen ausgelöst. Somalia betrachtet Somaliland weiterhin als Teil seines Staatsgebiets und verurteilte den Schritt entschieden. Auch die Afrikanische Union und die Arabische Liga warfen Israel vor, die territoriale Integrität Somalias zu untergraben.
Die Europäische Union äußerte ebenfalls Kritik. Die USA erklärten, sie hielten weiter an der Einheit Somalias fest, zu der aus ihrer Sicht auch Somaliland gehöre.
Im Januar hatte Somaliland Berichte zurückgewiesen, wonach es im Gegenzug für die israelische Anerkennung bereit sei, Flüchtlinge aus Gaza aufzunehmen oder israelische Militärstützpunkte auf seinem Territorium zuzulassen. Zuvor hatte Somalias Präsidialamt entsprechende Vorwürfe erhoben. im