Meinung

Solidarität mit Somaliland

Sabine Brandes Foto: privat

Die Ankündigung kam wie ein Paukenschlag: Israel erkennt Somaliland an. Die Nation mit rund sechs Millionen Einwohnern am Horn von Afrika, gegenüber dem Jemen gelegen, ist bereits seit 1991 de facto unabhängig. Nahezu ohne ausländische Hilfe oder Einflussnahme hat das Land ein friedliches Modell von einer muslimischen Demokratie aufgebaut.

Die Parallelen zu Israel sind unübersehbar. Auch Somaliland entstand im Zuge des Zerfalls des britischen Weltreichs. Im Juni 1960 erlangte es die Unabhängigkeit und wurde von 35 Nationen anerkannt – allerdings nur für einen Monat. Denn es schlitterte in eine verhängnisvolle »Union« mit Somalia, die Bevölkerung Somalilands wurde zur verfolgten Minderheit.
1991 nutzte es den Zusammenbruch Somalias, um erneut seine Unabhängigkeit zu erklären.

Die Parallelen zu Israel sind unübersehbar. Auch Somaliland entstand im Zuge des Zerfalls des britischen Weltreichs.

Von der Welt weitgehend unbeachtet, erlebte die Demokratie dort, wenn auch noch in den Kinderschuhen, drei friedliche Machtwechsel. Während der Westen in Kriege zog, um islamische Länder von seiner Staatsform zu überzeugen, versagte er der einzigen organisch gewachsenen Demokratie in der Region die Unterstützung. Jerusalem hält den Vereinten Nationen nun den Spiegel vor und fordert jene heraus, die einen theoretischen Palästinenserstaat anerkennen, einen real existierenden Staat aber ignorieren.

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Doch natürlich hat der Schritt auch eigennützige Motive. Israel verankert sich damit am Eingang zum Roten Meer, womöglich als Gegengewicht zum wachsenden türkischen Einfluss in Somalia oder als Warnung an die Huthis im Jemen. Vielleicht ist es auch ein Vorgeplänkel zur Erweiterung der Abraham-Abkommen, um weitere muslimische Staaten zu gewinnen.

Auf der Weltbühne, wo jede Nuance israelischer Politik oft bis zur Erschöpfung analysiert wird, ist dieser Schritt nicht nur verblüffend, sondern auch erfrischend. In Somaliland wurde mit blau-weißen Fahnen gefeiert. Doch kaum im Klub der Israel-Freunde angekommen, folgte der Gegenwind. Traurig, aber ganz und gar Realität für Solidarität mit Israel.

Die Autorin ist Israel-Korrespondentin der Jüdischen Allgemeinen.

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