Internationaler Strafgerichtshof

Bericht: Geheime internationale Haftbefehle gegen Ben-Gvir und andere

Minister Itamar Ben-Gvir Foto: Copyright (c) Flash 90 2024

Aktuelle Berichte der israelischen Tageszeitung Haaretz deuten auf eine weitere Eskalation im juristischen Vorgehen gegen israelische Amtsträger hin. Demnach soll der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) in Den Haag geheime Haftbefehle gegen die rechtsextremen Minister Bezalel Smotrich (Finanzen) und Itamar Ben-Gvir (öffentliche Sicherheit) beantragt haben.

Unter Berufung auf eine informierte Quelle berichtet die Zeitung am Sonntag, dass zudem drei weitere Haftbefehle vorbereitet worden seien – gegen die extremistische Siedlungsministerin Orit Strock sowie zwei bislang nicht namentlich genannte Offiziere der israelischen Armee.

Sollten sich die Berichte bestätigen, wäre dies die bislang deutlichste Ausweitung der juristischen Bemühungen gegen Mitglieder der israelischen Regierung seit Beginn des Gaza-Krieges. Offiziell bestätigt wurden die Informationen bislang nicht, weder aus Den Haag noch aus Jerusalem.

Unklar ist zudem, ob die Richter des Strafgerichtshofs die beantragten Haftbefehle bereits genehmigt haben oder ob sich die Verfahren noch in einer frühen Phase befinden. Dass solche Beschlüsse zunächst geheim gehalten werden, ist beim IStGH nicht ungewöhnlich. Damit sollen etwa laufende Ermittlungen geschützt oder mögliche Festnahmen nicht gefährdet werden.

Die Namen Smotrich und Ben-Gvir kursieren schon seit Längerem

Die Namen Smotrich und Ben-Gvir kursieren allerdings schon seit längerem im Zusammenhang mit möglichen internationalen Ermittlungen. Beide Minister sind Hardliner der Koalition, zählen zu den umstrittensten Figuren der Regierung und haben insbesondere durch extreme Aussagen zur Siedlungspolitik, zum Gazakrieg und zum Umgang mit den Palästinensern international scharfe Kritik auf sich gezogen.

Menschenrechtsorganisationen und mehrere Staaten hatten wiederholt gefordert, bestimmte Äußerungen und politische Entscheidungen der beiden genauer zu untersuchen. Auch in Israel selbst sind die beiden äußerst umstritten.

Die Entwicklung knüpft an eine historische Entscheidung aus dem November 2024 an. Damals erließ der Internationale Strafgerichtshof erstmals Haftbefehle gegen einen amtierenden israelischen Regierungschef: Premierminister Benjamin Netanjahu sowie den damaligen Verteidigungsminister Yoav Gallant. Ihnen werden mutmaßliche Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Zusammenhang mit dem Krieg im Gazastreifen vorgeworfen.

Die Richter erklärten damals, es gebe ausreichende Gründe für die Annahme, dass beide Verantwortung für Entscheidungen und militärische Maßnahmen getragen hätten, die unter anderem humanitäre Versorgung und die Situation der Zivilbevölkerung betroffen hätten. Israel wies die Vorwürfe entschieden zurück und sprach von einer politisch motivierten Entscheidung.

Israel erkennt die Zuständigkeit des Internationalen Strafgerichtshofs nicht an

Israel erkennt die Zuständigkeit des Internationalen Strafgerichtshofs nicht an und argumentiert seit Jahren, der Gerichtshof habe keine rechtliche Grundlage für Verfahren gegen israelische Staatsbürger. Jerusalem verweist darauf, dass Israel kein Mitglied des IStGH ist und über ein eigenes funktionierendes Justizsystem verfüge.

Praktisch bedeuten Haftbefehle des IStGH nicht automatisch eine Festnahme. Der Strafgerichtshof verfügt über keine eigene Polizei und ist auf die Zusammenarbeit seiner Mitgliedsstaaten angewiesen. Dennoch können solche Beschlüsse erhebliche politische Folgen haben. Mehr als 120 Staaten sind grundsätzlich verpflichtet, Personen mit IStGH-Haftbefehlen festzunehmen, sollten sie ihr Territorium betreten. Damit können internationale Reisen und diplomatische Kontakte erheblich eingeschränkt werden.

Bis jetzt gab es noch keine Reaktion aus Regierungskreisen zu den Berichten.

Stuttgart

Die Vorfreude steigt

Die Jüdische Allgemeine berichtet weiterhin live von der Jewrovision. Die Jugendzentren sind inzwischen nach und nach angekommen, das Madrichim-Team empfängt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor Ort. Die Vorfreude auf die Show steigt!

 15.05.2026

Genf

Döpfner fordert beim World Jewish Congress entschlossenen Kampf gegen Antisemitismus

Mit Blick auf die Hamas-Massaker vom 7. Oktober kritisiert der Springer-Chef die Reaktion: »Unmittelbar nachdem die Bilder der Opfer zu sehen waren, begann die Verharmlosung.«

 12.05.2026

In eigener Sache

Wir suchen Verstärkung

Wir suchen zum 1. Juli 2026 einen Politik-Redakteur (m/w/d) in Vollzeit

 07.05.2026

Jerusalem

Israel fordert von Großbritannien mehr Einsatz gegen Antisemitismus

Nach einem weiteren Terrorangriff auf Juden wirft Jerusalem London vor, die Lage nicht mehr unter Kontrolle zu haben. Präsident Herzog: »Es ist an der Zeit, dass die Welt aufwacht.«

 30.04.2026

Polen

Israel fordert Konsequenzen nach Eklat mit Hakenkreuz-Flagge

Im Parlament hatte ein rechtsradikaler Abgeordneter eine israelische Flagge mit einem Hakenkreuz an Stelle des Magen David gezeigt

 22.04.2026

Brüssel

Deutschland und Italien bremsen EU-Vorstoß gegen Israels Assoziierungsabkommen

Spanien, Slowenien und Irland fordern eine Debatte über das Abkommen. Außenminister Wadephul bezeichnet den Vorstoß als »unangemessen«

 22.04.2026

Berlin

Urteil zu Angriff auf Lahav Shapira erwartet

Nach einem antisemitischen Angriff auf einen jüdischen Studenten in Berlin ist der Fall neu vor Gericht verhandelt worden. Im Mittelpunkt des Berufungsverfahrens steht die Höhe der Strafe. Ein Urteil wird am Montag erwartet

 13.04.2026 Aktualisiert

Fussball

Kopfball mit Kippa

Die Halle war voll, der Spaß groß: Zum ersten Mal trafen zwölf jüdische Teams beim Berlin Jewish Football Cup in Spandau aufeinander

von Jan Feldmann  01.04.2026

Podcast

»Arbeiten im Krieg ist eine große Herausforderung«

Zwischen Bomben und Bunker: Wie unsere Korrespondentin in Tel Aviv ihren Alltag erlebt

von Jan Feldmann, Sabine Brandes  01.04.2026