Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner hat beim World Jewish Congress in Genf vor einer weltweiten Zuspitzung des Antisemitismus gewarnt. Judenhass bedrohe nicht nur jüdische Gemeinschaften, sondern die Grundlagen demokratischer Gesellschaften insgesamt, sagte Döpfner vor internationalen Vertretern jüdischer Organisationen, Diplomaten und Regierungsbeauftragten.
Die Beratungen fanden anlässlich des 90-jährigen Bestehens des World Jewish Congress statt. Die Organisation war 1936 in Genf gegründet worden und vertritt heute jüdische Gemeinden in mehr als 100 Ländern. Im Mittelpunkt der Konferenz standen der zunehmende Antisemitismus, extremistischer Hass im Internet sowie Sicherheitsfragen.
Mit Blick auf die Zeit nach dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober kritisierte Döpfner die internationale Reaktion scharf. »Unmittelbar nachdem die Bilder der Opfer zu sehen waren, begann die Verharmlosung. Unmittelbar nachdem die Namen der Ermordeten bekannt waren, begannen die Rechtfertigungen«, sagte er.
Freie Gesellschaften
Besonders deutlich wandte sich der Vorstandsvorsitzende von Axel Springer gegen Antizionismus. »Nicht der Zionismus ist Rassismus. Vielmehr ist Antizionismus Rassismus«, erklärte Döpfner. Die Solidarität mit Israel sei zugleich eine Verteidigung demokratischer Prinzipien. »Das Recht eines Volkes, in Sicherheit zu leben. Das Recht, sich zu verteidigen. Das Recht, nie wieder von der Gnade anderer abhängig zu sein. Wer diese Rechte infrage stellt, stellt nicht nur Israel infrage, sondern die Prinzipien, auf denen freie Gesellschaften beruhen.«
Zugleich warnte Döpfner vor einer neuen Dimension des Antisemitismus, die durch soziale Medien und ideologische Radikalisierung zusätzlich verstärkt werde. »Antisemitismus ist nicht länger ein dunkler Schatten aus Österreich und Deutschland«, sagte er. »Seitdem ist er zu einem globalen Exportschlager geworden.«
In seiner Rede sprach sich Döpfner für ein entschlosseneres Vorgehen gegen antisemitische Hetze aus. Er forderte unter anderem eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Judenhass, strengere Maßnahmen gegen antisemitische Inhalte im Netz sowie eine stärkere Förderung von Holocaust-Bildung und jüdischem Leben in Europa. Zum Abschluss seiner Rede erklärte er: »Wir sollten alle Zionisten sein!«
Extremistische Radikalisierung
Auch der Präsident des World Jewish Congress, Ronald S. Lauder, zog Parallelen zwischen der Gegenwart und der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. »Vor neunzig Jahren versammelte sich hier in Genf eine kleine Gruppe jüdischer Führungspersönlichkeiten, weil sie die Gefahr aus Nazi-Deutschland erkannte und verstand, dass die Welt sich weigerte zuzuhören«, sagte Lauder.
Heute befinde sich das jüdische Volk erneut in einer gefährlichen Situation. »Und diesmal werden die Folgen nicht bei den Juden enden«, warnte er.
Ein weiterer Schwerpunkt der Konferenz war die internationale Zusammenarbeit im Kampf gegen Antisemitismus. Vertreter des Netzwerks SECCA diskutierten über Online-Hass, extremistische Radikalisierung und den Einfluss neuer Technologien auf die Verbreitung antisemitischer Inhalte.
Die Veranstaltung wurde gemeinsam vom World Jewish Congress und dem Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund organisiert. Der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin würdigte Genf dabei als traditionsreichen Ort internationaler Diplomatie. ja