Israel stellt sich auf die Ankunft einer neuen Flottille mit Kurs auf den Gazastreifen ein. Sicherheitskreise gehen davon aus, dass der aus der türkischen Küstenstadt Marmaris gestartete Konvoi innerhalb weniger Tage die Region erreichen könnte. Nach israelischen Angaben beteiligen sich rund 50 Schiffe an der Aktion. Israelische Medien berichteten.
Die Organisatoren werden in Israel mit der türkischen IHH in Verbindung gebracht, jener Organisation, die bereits hinter der »Mavi Marmara«-Flottille im Jahr 2010 gestanden haben soll. Israels Regierung betrachtet die aktuelle Mission als weiteren Versuch, die Seeblockade des Gazastreifens zu durchbrechen.
Ein israelischer Vertreter sagte, man rechne diesmal mit stärkerem Widerstand seitens der Aktivisten. »Unsere Einschätzung ist, dass sie dieses Mal gewalttätiger sein werden als gewöhnlich«, erklärte der Beamte. Israelische Einsatzkräfte würden die Schiffe übernehmen und die Insassen zunächst auf eine schwimmende Haftanlage bringen. Zudem werde mit Widerstand gegen Festnahmen gerechnet.
Keshek und Avila
Nach Angaben aus politischen Kreisen führte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bereits erste Beratungen mit Sicherheitsvertretern zur erwarteten Ankunft der Flottille. Demnach soll es kurzfristig weitere operative Besprechungen mit Militär und Sicherheitsbehörden geben.
Israel und die USA hatten dem Bericht zufolge zuvor versucht, die Abfahrt des Konvois auf diplomatischem Weg zu verhindern. Die türkische Seite habe die Ausfahrt jedoch nicht gestoppt. Innerhalb der vergangenen Monate versuchten mehrere Flottillen, Gaza zu erreichen.
Unter den Teilnehmern der neuen Flottille sollen sich auch zwei Aktivisten befinden, die erst vor kurzem nach einer ähnlichen Aktion festgenommen und später abgeschoben worden waren, nämlich der Palästinenser Saif Abu Keshek, der in Spanien lebt, sowie der Brasilianer Thiago Avila. Beide waren an Bord einer früheren Flottille unterwegs gewesen, die von Spanien aus in Richtung Gaza gestartet war und nahe Kreta von der israelischen Marine gestoppt wurde.
Kontakte zu Terrororganisationen
Nach ihrer Festnahme in Israel hatten Abu Keshek und Avila einen Hungerstreik begonnen. Die Organisation Adalah, die die beiden juristisch vertrat, erklärte damals, sie seien psychisch unter Druck gesetzt und nicht angemessen behandelt worden. Israel wies die Vorwürfe zurück. Den beiden Aktivisten wurden unter anderem Kontakte zu Terrororganisationen sowie Unterstützung des Feindes in Kriegszeiten vorgeworfen.
Ein israelischer Beamter kündigte laut »Ynet« mit Blick auf die erneute Teilnahme der beiden Aktivisten an: »Dieses Mal werden wir sie nicht so schnell freilassen.«
Nach der Abschiebung der beiden erklärte das israelische Außenministerium: »Nach Abschluss ihrer Vernehmung wurden die beiden professionellen Provokateure der Provokateurs-Flottille heute aus Israel abgeschoben. Israel wird keinerlei Verletzung der rechtmäßigen Seeblockade des Gazastreifens zulassen.«
Auch Ägypten erhält eine Seeblockade Gazas aufrecht. Auch in diesem Fall ist eine Eindämmung des Waffenschmuggels für die palästinensische Terrororganisation Hamas das Ziel. Die Flottillen richten sich jedoch lediglich gegen Israels Seeblockade Gazas. im