Die anhaltenden Kriege gegen Iran und die Hisbollah wirken sich laut einer neuen israelischen Studie massiv auf den Alltag und die Gesundheit vieler Menschen aus. Forscher der Hebräischen Universität Jerusalem warnen, dass Stress, Angst und Unsicherheit zu ungesunden Gewohnheiten führen – bei Erwachsenen ebenso wie bei Kindern. »The Jerusalem Post« berichtete.
Für die Untersuchung wurden 485 israelische Juden im Alter zwischen 20 und 70 Jahren befragt. Die Teilnehmer sollten angeben, wie sich ihr Verhalten seit Kriegsbeginn im Vergleich zu den beiden Monaten zuvor verändert hat. Das Ergebnis: In zahlreichen Bereichen verschlechterten sich die Lebensgewohnheiten spürbar.
Rund 60 Prozent der Befragten erklärten, seit Beginn der Kämpfe weniger zu schlafen. Im Durchschnitt sank die Schlafdauer um 13,4 Prozent. Raketenangriffe, Sirenen und die allgemeine Belastungslage dürften dabei eine zentrale Rolle spielen.
<strong>Bewegungsmangel und schlechtere Ernährung</strong>
Der Forscher Eyal Peer sagte der »Jerusalem Post«: »Wenn wieder etwas Normalität einkehrt, werden wir dieselben Teilnehmer erneut befragen, um zu sehen, ob sie zu ihren früheren Verhaltensmustern zurückkehren.«
Besonders deutlich fiel der Rückgang körperlicher Aktivität aus. Fast zwei Drittel der Teilnehmer berichteten von weniger täglichen Schritten. Im Durchschnitt sank die Zahl um etwa 30 Prozent. Auch regelmäßiger Sport nahm deutlich ab: Die wöchentlichen Trainingseinheiten fielen von durchschnittlich 3,8 auf 2,6.
Zugleich griffen viele häufiger zu Snacks, Süßigkeiten und stark verarbeiteten Lebensmitteln. Etwa die Hälfte der Befragten gab an, mehr davon zu konsumieren. Obst und Gemüse wurden dagegen seltener gegessen.
Schlafmangel verstärkt negative Effekte
Auch Alkohol wurde häufiger konsumiert. Im Schnitt stieg der Verbrauch um 31 Prozent, wobei knapp ein Fünftel der Teilnehmer angab, mehr zu trinken.
Die Wissenschaftler stellten zudem fest, dass weniger Schlaf oft mit weiterer Verschlechterung des Lebensstils einherging. Wer schlechter schlief, bewegte sich meist weniger und ernährte sich ungesünder. Unter Rauchern erklärten 31 Prozent, seit Kriegsbeginn mehr Zigaretten zu konsumieren.
206 Teilnehmer waren Eltern von Kindern zwischen zwei und zehn Jahren. Besonders auffällig war hier die Zunahme der Bildschirmzeit: 85 Prozent der Eltern berichteten, ihre Kinder säßen häufiger vor Fernseher, Tablet oder Smartphone.
Forscher fordern Gegenmaßnahmen
Mehr als die Hälfte meldete außerdem einen höheren Konsum von Süßigkeiten und Snacks. Fast jeder zweite Elternteil beobachtete mehr Fast Food und zuckerhaltige Getränke. Zudem bewegten sich viele Kinder weniger und schliefen kürzer.
Laut Studie traten diese Entwicklungen oft gemeinsam auf: Mehr Bildschirmzeit ging häufig mit schlechterer Ernährung und weniger Bewegung einher.
Studienleiterin Roni Lotan sagte: »Unsere Ergebnisse zeigen den dringenden Bedarf an gezielten Gesundheitsmaßnahmen in Notlagen. Es ist entscheidend, Umgebungen und Lösungen zu schaffen, die helfen, auch unter Stress und Unsicherheit gesunde Routinen aufrechtzuerhalten.«
Eyal Peer zog derweil dieses Fazit: »Krieg schadet Menschen nicht nur während er stattfindet, sondern auch auf lange Sicht.« im