Studie

Kriege verändern Schlaf, Ernährung und Bewegung deutlich

Der hintere Teil einer iranischen Rakete liegt unweit von Arad auf unbewohntem Gebiet. Foto: Copyright (c) Flash 90 2026

Die anhaltenden Kriege gegen Iran und die Hisbollah wirken sich laut einer neuen israelischen Studie massiv auf den Alltag und die Gesundheit vieler Menschen aus. Forscher der Hebräischen Universität Jerusalem warnen, dass Stress, Angst und Unsicherheit zu ungesunden Gewohnheiten führen – bei Erwachsenen ebenso wie bei Kindern. »The Jerusalem Post« berichtete.

Für die Untersuchung wurden 485 israelische Juden im Alter zwischen 20 und 70 Jahren befragt. Die Teilnehmer sollten angeben, wie sich ihr Verhalten seit Kriegsbeginn im Vergleich zu den beiden Monaten zuvor verändert hat. Das Ergebnis: In zahlreichen Bereichen verschlechterten sich die Lebensgewohnheiten spürbar.

Rund 60 Prozent der Befragten erklärten, seit Beginn der Kämpfe weniger zu schlafen. Im Durchschnitt sank die Schlafdauer um 13,4 Prozent. Raketenangriffe, Sirenen und die allgemeine Belastungslage dürften dabei eine zentrale Rolle spielen.

<strong>Bewegungsmangel und schlechtere Ernährung</strong>

Der Forscher Eyal Peer sagte der »Jerusalem Post«: »Wenn wieder etwas Normalität einkehrt, werden wir dieselben Teilnehmer erneut befragen, um zu sehen, ob sie zu ihren früheren Verhaltensmustern zurückkehren.«

Besonders deutlich fiel der Rückgang körperlicher Aktivität aus. Fast zwei Drittel der Teilnehmer berichteten von weniger täglichen Schritten. Im Durchschnitt sank die Zahl um etwa 30 Prozent. Auch regelmäßiger Sport nahm deutlich ab: Die wöchentlichen Trainingseinheiten fielen von durchschnittlich 3,8 auf 2,6.

Zugleich griffen viele häufiger zu Snacks, Süßigkeiten und stark verarbeiteten Lebensmitteln. Etwa die Hälfte der Befragten gab an, mehr davon zu konsumieren. Obst und Gemüse wurden dagegen seltener gegessen.

Lesen Sie auch

Schlafmangel verstärkt negative Effekte

Auch Alkohol wurde häufiger konsumiert. Im Schnitt stieg der Verbrauch um 31 Prozent, wobei knapp ein Fünftel der Teilnehmer angab, mehr zu trinken.

Die Wissenschaftler stellten zudem fest, dass weniger Schlaf oft mit weiterer Verschlechterung des Lebensstils einherging. Wer schlechter schlief, bewegte sich meist weniger und ernährte sich ungesünder. Unter Rauchern erklärten 31 Prozent, seit Kriegsbeginn mehr Zigaretten zu konsumieren.

206 Teilnehmer waren Eltern von Kindern zwischen zwei und zehn Jahren. Besonders auffällig war hier die Zunahme der Bildschirmzeit: 85 Prozent der Eltern berichteten, ihre Kinder säßen häufiger vor Fernseher, Tablet oder Smartphone.

Forscher fordern Gegenmaßnahmen

Mehr als die Hälfte meldete außerdem einen höheren Konsum von Süßigkeiten und Snacks. Fast jeder zweite Elternteil beobachtete mehr Fast Food und zuckerhaltige Getränke. Zudem bewegten sich viele Kinder weniger und schliefen kürzer.

Laut Studie traten diese Entwicklungen oft gemeinsam auf: Mehr Bildschirmzeit ging häufig mit schlechterer Ernährung und weniger Bewegung einher.

Studienleiterin Roni Lotan sagte: »Unsere Ergebnisse zeigen den dringenden Bedarf an gezielten Gesundheitsmaßnahmen in Notlagen. Es ist entscheidend, Umgebungen und Lösungen zu schaffen, die helfen, auch unter Stress und Unsicherheit gesunde Routinen aufrechtzuerhalten.«

Eyal Peer zog derweil dieses Fazit: »Krieg schadet Menschen nicht nur während er stattfindet, sondern auch auf lange Sicht.« im

Meinung

Wie Israel zum Juden unter den Staaten gemacht wird

Antisemitismus zeichnet sich dadurch aus, dass er keine empirischen Grundlagen braucht, um zu existieren - weder in der UN noch anderswo

von Jacques Abramowicz  24.06.2026

Nachruf

Der Mann, der die Farben bewegte

Yaacov Agam, Israels wohl berühmtester Künstler, ist im Alter von 98 Jahren gestorben. Bekannt wurde der Pionier der kinetischen Kunst vor allem durch seinen Brunnen auf dem Dizengoff-Platz in Tel Aviv

von Sabine Brandes  24.06.2026

Jerusalem

Schin Bet ermittelt wegen Betäubungsmitteln in Babynahrung

Seit einer Woche versuchen das israelische Gesundheitsministerium und die Polizei zu ergründen, wie Sedative in Babynahrung landen konnten. Jetzt ist auch der Inlandsgeheimdienst beteiligt

 24.06.2026

Massaker des 7. Oktobers

»Ich stehe hier nicht als Statistik, ich bin Überlebende«

Ilana Gritzewsky, ehemalige Geisel in Gaza und Überlebende sexualisierter Gewalt, sprach vor dem UN-Menschenrechtsrat

von Sabine Brandes  24.06.2026

Wahlkampf

»Neuer Gesellschaftsvertrag«: Bennett stellt Reformprogramm vor

Ein Schwerpunkt seines Plans liegt im Bildungsbereich. Bennett fordert ein System, das sich am Niveau privater Schulen orientiert, aber öffentlich finanziert bleibt

 24.06.2026

Genf/Jerusalem

Neuer UN-Bericht beschuldigt Israel schwer – Jerusalem weist Vorwürfe entschieden zurück

Der UNHRC bezichtigt den jüdischen Staat schwerer Verstöße bis hin zu einem angeblichen Völkermord. Die Israelis wehren sich

 24.06.2026

Israel

Schönheit mit Narben

Designer entwerfen Kleidung für kriegsversehrte Soldaten, um im öffentlichen Raum auf ihre Schicksale aufmerksam zu machen. Zu Besuch bei einer Modenschau in Tel Aviv

von Sabine Brandes  23.06.2026

Terrorgefahr

Schin Bet warnt vor möglichem Angriff auf Eilat im Stil des 7. Oktobers 

Der Chef des Inlandsgeheimdienstes soll führende Mitarbeiter der Behörde angewiesen haben, mögliche Angriffsszenarien für die Hafenstadt im Süden zu untersuchen

 23.06.2026

Kommentar

Wer kann das noch ernst nehmen?

Immer mehr zeigt sich: Anmoderation und Exekution von Unwahrheiten und falschen Fakten vor einem Millionenpublikum sind kein ärgerlicher Ausrutscher, sondern gezielte Agitation

von Daniel Killy  23.06.2026