Studie

Israelische Forscher sehen Zusammenhang zwischen Corona-Infektion und Lungenkrebs

Foto: picture alliance / Zoonar

Mehr als sechs Jahre nach Beginn der Corona-Pandemie untersuchen Forscher weiterhin mögliche Spätfolgen von COVID-19. Eine internationale Studie unter Leitung israelischer Wissenschaftler kommt nun zu dem Ergebnis, dass eine frühere Infektion das Risiko für Lungenkrebs erhöhen könnte. Im Mittelpunkt steht dabei das Spike-Protein des Coronavirus, das nach Angaben der Autoren schädliche Prozesse im Lungengewebe auslösen könnte. »Ynet« und andere israelische Publikationen berichteten.

Die Untersuchung wurde von Professor Alex Gilles-Hillel von der Hebräischen Universität Jerusalem und dem Hadassah Medical Center gemeinsam mit Forschern der Marshall University durchgeführt. Veröffentlicht wurde sie im Fachjournal Frontiers in Immunology. Die Wissenschaftler kombinierten die Auswertung großer Gesundheitsdatenbanken mit Tierversuchen und Laboranalysen.

Für den statistischen Teil griff das Team auf die internationale TriNetX-Datenbank zurück. Untersucht wurden mehr als 166.000 Menschen. Verglichen wurden Personen nach überstandener Corona-Infektion mit Menschen ohne bekannte Infektion. Alter, Geschlecht und ethnische Herkunft wurden nach Angaben der Forscher berücksichtigt.

Experimente mit Mäusen

Dabei zeigte sich ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko in allen untersuchten Gruppen. Bei aktiven Rauchern lag die Rate demnach bei 1,7 Prozent gegenüber 1,4 Prozent in der Vergleichsgruppe. Bei ehemaligen Rauchern wurden 1,5 Prozent gegenüber 1,2 Prozent festgestellt. Bei Nichtrauchern lagen die Werte bei 0,21 beziehungsweise 0,18 Prozent.

Lesen Sie auch

Nach Angaben der Autoren war der Anstieg besonders bei Rauchern sichtbar. Für andere Krebsarten wie Mundhöhlen- oder Blasenkrebs fanden die Forscher hingegen keinen vergleichbaren Trend.

Um mögliche biologische Ursachen zu prüfen, führten die Wissenschaftler auch Versuche mit Mäusen durch. Tiere, denen das Spike-Protein verabreicht wurde, entwickelten deutlich häufiger Tumoren in der Lunge als Tiere der Kontrollgruppe. Zudem seien die Tumoren größer und aggressiver gewesen. Parallel beobachteten die Forscher akute Entzündungen, Mikrogerinnsel in Blutgefäßen sowie verstärkte Vernarbungen des Lungengewebes.

Enzym als Schlüsselfaktor

Eine zentrale Rolle könnte nach Ansicht der Autoren das Enzym Thymidin-Phosphorylase (TYMP) spielen. Dessen Aktivität steigt laut Studie während einer Corona-Erkrankung an. Es könne Entzündungen verstärken, Fibrose fördern und Signalwege aktivieren, die mit Krebswachstum in Verbindung stehen.

»Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass dieses Enzym nicht nur die Tumorbildung beeinflusst, sondern auch das gesamte Immunumfeld der Lunge verändert«, sagte Gilles-Hillel laut »Ynet«.

Die Forscher betonen zugleich die Grenzen ihrer Arbeit. Es handle sich um eine rückblickende Auswertung vorhandener Daten. Ein eindeutiger Beweis dafür, dass COVID-19 direkt Lungenkrebs verursacht, lasse sich daraus nicht ableiten. Auch basierten die Laborversuche auf dem Spike-Protein allein und nicht auf vollständigen Virusinfektionen. im

Justiz

Meinungsfreiheit ist kein Freibrief: Zur Leugnung des Existenzrechts Israels

Eine Klarstellung von Nathan Gelbart

von Nathan Gelbart  01.09.2026

Kommentar

Intifada-Party bei der Linken

Für Elif Eralp, die Spitzenkandidatin der Linken bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl, kommt der jüngste Antisemitismus-Skandal ihrer Partei zur Unzeit. Doch ihre Empörung wirkt unglaubwürdig

von Ralf Balke  01.09.2026

Ausstellung

Eintauchen ins Farbenmeer

Bei der Expo Tel Aviv werden drei Millionen Blumen zu Erlebniswelten arrangiert

von Sabine Brandes  01.09.2026

Die Meerwasserentsalzungsanlage Sorek

Umwelt

Algen aus dem Nil bedrohen Israels Wasserversorgung

Fünf Entsalzungsanlagen wurden wegen stark getrübten Meerwassers abgeschaltet. Die Bevölkerung wurde zum Sparen aufgerufen

von Sabine Brandes  01.09.2026

Tel Aviv

Israelische Chemie-Nobelpreisträgerin Ada Jonath gestorben

Die Wissenschaftlerin hat mit ihrer Forschung am Ribosom entscheidend zum Verständnis der Wirkung von Antibiotika beigetragen. Die Nobelpreisträgerin wurde 87 Jahre alt

 01.09.2026

Tel Aviv

Millionen Kinder und Jugendliche starten ins neue Schuljahr – Lehrermangel belastet Israels Bildungssystem

Viele Schüler im Süden kehren erstmals seit dem Angriff vom 7. Oktober 2023 wieder in Schulen ihrer Heimatorte zurück

 01.09.2026

Jerusalem

Historische Allianz: Yoav Segalovitz tritt für arabische Ra’am-Partei an

Für die Partei ist der Schritt ein Novum. Sie hat bislang keinen jüdischen Abgeordneten auf ihrer Liste geführt

 01.09.2026

Jerusalem

Sara Netanjahu erhebt unbelegte Vorwürfe gegen Yair Golan

Der linke Politiker habe angeblich bereits vor Beginn des Massakers vom 7. Oktober von dem bevorstehenden Angriff gewusst, deutet die Gattin des Ministerpräsidenten in einem Interview an

 01.09.2026 Aktualisiert

Knesset-Wahlen

Ein Wegweiser durch den Dschungel der israelischen Politik

Am 27. Oktober wählt Israel. Sie wollen mitreden, aber können die Parteien nicht auseinanderhalten? Willkommen im Klub. Die Israelis können es auch nicht

von Guy Katz  31.08.2026