Diplomatie

Israel erkennt Somaliland als Staat an

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in der Knesset Foto: copyright (c) Flash90 2025

Israel hat als weltweit erstes Land die ostafrikanische Republik Somaliland als unabhängigen Staat anerkannt. Somaliland, eine muslimische Region im Norden Somalias mit nur wenigen Millionen Einwohnern, ist seit mehr als drei Jahrzehnten praktisch unabhängig.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu und der Präsident der Region am Horn von Afrika, Abdirahman Mohamed Abdullahi, unterzeichneten eine entsprechende Erklärung. Israels Vorgehen wurde von mehreren regionalen Mächten verurteilt.

Die Anerkennung erfolge »im Geiste der Abraham-Abkommen«, hieß es in einer Mitteilung des Büros von Netanjahu. Diese Abkommen hatte US-Präsident Donald Trump 2020 während seiner ersten Amtszeit auf den Weg gebracht. In der Folge normalisierten die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Marokko und der Sudan ihre Beziehungen zu Israel. Netanjahu lud laut der Mitteilung den Präsidenten von Somaliland zu einem offiziellen Besuch nach Israel ein.

Worum geht es Israel?

Nach Informationen des israelischen Senders »Channel 12« hatten vor Monaten geheime Kontakte zwischen Israel und Somaliland begonnen. Israel habe damals im Krieg im Gazastreifen nach Ländern gesucht, die bereit wären, palästinensische Bewohner des umkämpften Küstenstreifens aufzunehmen. Netanjahus Verbündeter Trump hatte zuvor die Idee einer Umsiedelung der Bewohner ins Spiel gebracht, was aber auf internationale Kritik gestoßen war. 

Ein anderer zentraler Grund für Israels Beziehungen zu Somaliland sei die Nähe dieser Region zum Jemen, schrieb die »Times of Israel«. Der Zugang zum Territorium und Luftraum Somalilands würde es Israel erleichtern, Angriffe gegen die vom Iran unterstützte terroristische Huthi-Miliz im Jemen durchzuführen und sie zu überwachen. Die Miliz hatte nach dem Beginn des Gaza-Kriegs Ziele in Israel und vor allem Handelsschiffe mit mutmaßlichem Bezug zu Israel angegriffen.

Andere Staaten wie der große Nachbar Äthiopien oder auch die Vereinigten Arabischen Emirate unterhalten ebenfalls Beziehungen zu Somaliland, haben das Gebiet aber nicht offiziell als unabhängigen Staat anerkannt. 

Die Regierung Somalias verurteilte Israels Anerkennung der abtrünnigen Region und sprach von einem »vorsätzlichen« und »rechtswidrigen« Angriff auf die Souveränität des Landes. Die Region Somaliland sei ein »integraler, untrennbarer« Teil des Hoheitsgebiets Somalias. 

Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Ahmed Aboul Gheit, verurteilte Israels Vorgehen in einer Stellungnahme ebenfalls. Es handele sich um einen »klaren Verstoß gegen die Regeln des Völkerrechts« und Missachtung des Prinzips der territorialen Einheit und staatlichen Souveränität.

»Diplomatischer Meilenstein«

Somalilands Außenminister Abdirahman Dahir Adam hat die Anerkennung seines Landes durch Israel ungeachtet der Kritik anderer regionaler Staaten begrüßt. »Diese Anerkennung ist nicht nur ein diplomatischer Meilenstein, sondern auch ein Moment großer historischer Gerechtigkeit und moralischer Klarheit«, sagte er dem israelischen Sender »Kan«. Er stellte klar, Somaliland habe sich im Gegenzug nicht dazu bereit erklärt, Menschen aus dem Gazastreifen aufzunehmen. 

Die Zusammenarbeit mit Israel werde sich auf Diplomatie, Handel, Technologie, Landwirtschaft, Wassermanagement, Gesundheit und Sicherheit konzentrieren. »Somaliland strebt eine Partnerschaft an, die transparent, friedlich und für beide Länder vorteilhaft ist«, sagte der Außenminister weiter. Die Anerkennung Somalilands durch Israel stärke die Sicht der ostafrikanischen Republik als »stabilen, demokratischen und verantwortungsbewussten Staat in einer fragilen Region«. dpa/ja

Hintergrund

Hamas will angeblich Verwaltung in Gaza abgeben

Die Terrorgruppe signalisiert Bereitschaft zur Übergabe von zivilen Einrichtungen – doch weigert sich nach wie vor, die Waffen niederzulegen

von Sabine Brandes  12.01.2026

Beerscheba

Plünderer vom Nova-Festival zu Haftstrafen verurteilt

Nach dem Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 gab es viele Beispiele von Mut und Solidarität. Drei Männer dagegen plünderten am Schauplatz des Massakers. Nun gibt es ein Urteil

 12.01.2026

Kommentar

Wir müssen unsere Kinder schützen

In Israel wurde ein 14-jähriger Junge bei Protesten gegen die Wehrpflicht von einem Bus erfasst und getötet. Hier reflektiert ein orthodoxer Rabbiner aus Jerusalem, was sich ändern muss

von Rabbiner Raphael Evers  12.01.2026

Nahost

Rubio telefonierte mit Netanjahu über mögliche US-Intervention

Vor dem Hintergrund der Proteste wächst in Israel die Sorge vor einer regionalen Eskalation

von Sabine Brandes  12.01.2026

Nahost

Israels Armee würde »mit Macht« auf iranischen Angriff reagieren

Im Iran gehen Tausende gegen die Führung des Landes auf die Straße. US-Präsident Trump erwägt laut Berichten Militärschläge. Der Iran warnte deshalb auch Israel

 11.01.2026

Iran

Iranisches Regime droht mit Angriff auf US-Stützpunkte

Seit rund zwei Wochen gehen Menschen im Iran auf die Straße. US-Präsident Trump warnte Teheran vor Gewalt gegen die Protestierenden. Laut Berichten erwägt er Militärschläge. Das Mullah-Regime warnt

 11.01.2026

Waffenruhe

Israelische Armee bereitet Offensive auf Gaza-Stadt vor

Sollte sich die Hamas nicht freiwillig entwaffnen, will die Armee den Angriff noch im März beginnen

 11.01.2026

Be'eri

Nach dem 7. Oktober

Daniel Neumann hat den Kibbuz Be’eri besucht und fragt sich, wie es nach all dem Hass und Horror weitergehen kann. Er weiß, wenn überhaupt, dann nur in Israel

von Daniel Neumann  10.01.2026

Knesset

In den Startlöchern

Israels Parteien bereiten sich auf die Wahl vor

von Sabine Brandes  10.01.2026