Wien

Israel zieht ins Finale des ESC ein

Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Ginge es um Musik, müsste und dürfte ich hier etliche Songs und Auftritte abarbeiten. Und loben, dass Israel zurecht am Samstag im Finale dabei sein wird.

Das erste ESC-Halbfinale am Dienstagabend in der Wiener Stadthalle bot das, was man zu recht erwarten darf: schrille Kostüme, gewöhnungsbedürftige Dances, nie so recht überzeugende Animationen, sehr bunte Fähnchen, rasante Kleiderwechsel, überkandidelte Moderationen - also etwas, das den Oberbegriff »Musik« verdient.

Dazu gehört auch eine mit allen möglichen Verzögerungen spannend gemachte Online-Abstimmung, die allerdings nur zu 50 Prozent zählte (die andere Hälfte wird von einer gewiss sehr kompetenten Jurys beigesteuert).

Und über Trends in der europäischen Popwelt könnte ich schreiben, wenn es um Musik ginge: Etwa darüber, dass erstaunlich viele Beiträge in diesem Jahr mehrsprachig daherkommen - a little English, un peu de français, un po‘ di italiano, und auch ktzet ivrit. 

Schon bin ich im Thema. Weil es nicht sooo sehr um Musik geht bei dem Schlagerwettstreit, ist Israel der diesjährige Hit, zumindest in dem Teil der internationalen Presse, den ich via Liveticker schnell verfolgen konnte.

»Blick«, die Schweizer Boulevardzeitung, machte ein Event aus dem Umstand, dass Israel mitmacht: »Kommts zum Israel-Eklat?« heißt es im Liveticker. »Kommt es zu Buh-Rufen und Protest-Aktionen? Blick tickert live. Clickbaiting auf denkwürdige Art.

Das Nachrichtenportal «20 Minuten», auch aus der Schweiz, wusste unmittelbar nach dem Auftritt von Noam Bettan zu titeln: «Trotz Boykott-Aufrufen: Mehr Jubel statt Buhrufe für Israel». Schön, wenn’s stimmt.

Der Kollege vom Schweizer Fernsehen, der zum Tickern abkommandiert wurde, musste allerdings bekennen, dass er Proteste «hier im Pressezentrum btw nicht so gut gehört habe». Dem schloss sich der «Kurier» aus Österreich an. Dort heißt es im Liveticker ehrlich: «Von hier aus ist nicht zu beurteilen, wie laut diesmal gebuht wurde. Im Pressezentrum wurde zu laut mitgesungen.»

Schalten wir doch auf die Bühne. Noam Bettan hat seinen Song «Michelle» vorgetragen, ein Lied über eine gescheiterte Beziehung. «Königin der Probleme» wird diese Michelle genannt. Bettan singt Hebräisch, Englisch und Französisch.

Tatsächlich war - zumindest im Fernsehen - Bettans Song zu hören. Das was millionenfach in der Welt zu hören war, wurde durch Rufe und Proteste nicht gestört. 

Vom Wiener Rathausplatz berichtete der «Standard», es habe auch dort keine Pfiffe gegeben: «Während des gesamten Liedes war es etwas ruhiger als bei den vorigen Acts, das war es aber auch.»

Der übertragende ORF beteuerte zudem, die Rufe im Saal nicht herausgefiltert zu haben. Hätte ich es nicht gewusst, mir wären die paar Geräusche, die mein Ohr erreichten, vorgekommen, als gehörten sie zur Musik. Und - auch hier muss ich mich auf die Fernsehübertragung verlassen, und ich hoffe sehr, dass die Bildregie alles adäquat eingefangen hat - etliche Israel-Fans waren zu sehen: mit Fahnen, blauweißer Schminke und guter Laune.

Die kommen jetzt am Samstag wieder.

Luftfahrt

Wie sicher sind Israel-Flüge?

Nach dem vereitelten Anschlag an Bord einer flydubai-Maschine werden immer mehr gravierende Sicherheitslücken bekannt

von Sabine Brandes  14.10.2026

Meldungen

Studium, Korruption, Aquädukt

Kurznachrichten aus Israel

von Sabine Brandes  14.10.2026

Reaktionen

EU kritisiert Wahlaufschub in den Palästinensergebieten

Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas vertagt die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen bis in den Herbst 2027

 14.10.2026

Jahrestag der Geiselrückkehr

Schön, dass du wieder da bist!

Als ich Alon Ohel auf einer Straße in Tel Aviv sah, wollte ich ihn ansprechen – und ließ ihn weitergehen. Über Solidarität und die Kraft einer Gesellschaft

von Sabine Brandes  14.10.2026

Hamas-Terror

Ein Jahr Freiheit – doch die Narben bleiben

Vor einem Jahr war die Freude unbändig, als die letzten 20 lebenden Geiseln nach 738 Tagen in den Tunneln unter dem Gazastreifen nach Israel zurückkehrten

von Sabine Brandes  14.10.2026

Flughafen Ben Gurion

Unerlaubter Pilot an Bord: Maschine muss wieder umdrehen

Weil ein indonesischer Kapitän an Bord war, wurde einem Frachtflug von Ethiopian Airlines die Landung in Israel verweigert

von Sabine Brandes  13.10.2026

Krieg

Netanjahu fordert Ermittlungen gegen Soldaten im Film »NAZA«

Der Premier wirft den anonymen Beteiligten mögliche Straftaten im Zusammenhang mit der Weitergabe geheimer Informationen vor

von Sabine Brandes  13.10.2026

Interview

»Wenn wir weder denken noch irgendetwas tun müssen – was machen wir dann?«

Der israelische Mathematiker Assaf Hasson warnt vor oberflächlichen Antworten, undurchsichtigen Beweisen und einer Generation, die sich zu sehr auf Künstliche Intelligenz verlässt

von Sabine Brandes  13.10.2026

Oktoberfest

Wiesn am Mittelmeer

Die bayerische Festtradition wird in Israel neu interpretiert

von Sabine Brandes  13.10.2026