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»Alle Juden haben genug von dir!« Trump soll Netanjahu angeschrien haben

US-Präsident Donald Trump and Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu im Februar 2017 im Weißen Haus Foto: picture alliance/AP Images

US-Präsident Donald Trump soll Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in einem angespannten Telefonat wenige Tage vor der Einigung auf ein Gaza-Abkommen massiv unter Druck gesetzt haben. Das geht aus einem neuen Buch der »New York Times«-Journalisten Maggie Haberman und Jonathan Swan hervor, über das amerikanische und israelische Medien berichten.

Demnach soll Trump während des Gesprächs, an dem auch sein Schwiegersohn Jared Kushner sowie der US-Sondergesandte Steve Witkoff beteiligt gewesen seien, verärgert auf Netanjahus Haltung reagiert haben. Trump schrie den israelischen Ministerpräsidenten dem Buch zufolge an: »Alle sind es leid, Bibi. Alle Juden haben genug von dir! Sogar die zwei Juden in diesem Gespräch haben genug von dir.«

Das Gespräch soll während der UN-Generalversammlung im September stattgefunden haben, als die US-Regierung auf ein Ende des Gaza-Krieges hinarbeitete. Grundlage war Trumps später vorgestellter 20-Punkte-Plan für eine Vereinbarung zwischen Israel und der palästinensischen Terrororganisation Hamas, der noch immer nicht umgesetzt wurde, da sich die Hamas weigert, sich entwaffnen zu lassen.

Auslöser: Angriff in Doha

Auslöser für die Spannungen war laut dem Buch unter anderem ein israelischer Angriff auf Hamas-Führungsmitglieder in Doha. Kushner und Witkoff sollen über den israelischen Militärschlag in Katar verärgert gewesen sein, nachdem sie kurz zuvor mit Ron Dermer, einem engen Vertrauten Netanjahus, über die Zukunft des Gazastreifens gesprochen hatten.

»Dermer hat uns angelogen«, sollen Kushner und Witkoff laut der Darstellung gegenüber Mitarbeitern des Weißen Hauses gesagt haben. Kushner habe die Reaktion Katars als so problematisch empfunden, dass er einem Vertrauten gesagt haben soll: »Ich bin raus. Die Israelis sind verrückt.«

Nach Darstellung der Autoren entwickelte sich der Konflikt jedoch später zu einem politischen Hebel. Kushner habe erkannt, dass die Krise genutzt werden könne, um Netanjahu nach fast zwei Jahren Krieg zu einer Zustimmung zu Verhandlungen zu bewegen. Daraus sei schließlich der Entwurf für Trumps Gaza-Plan entstanden.

»Bester Freund«

Bei einem Treffen am Rande der UN-Generalversammlung mit dem katarischen Ministerpräsidenten Scheich Mohammed bin Abdulrahman Al Thani sollen Kushner und Witkoff zwei Möglichkeiten aufgezeigt haben: Katar könne Israel weiter isolieren – was nachvollziehbar wäre – oder die Situation nutzen, um Druck für Gespräche aufzubauen. Laut Buch nahm der katarische Regierungschef daraufhin direkt Änderungen am Entwurf vor.

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Trump habe den Plan anschließend zunächst arabischen und muslimischen Staaten vorgestellt, bevor Netanjahu eingebunden worden sei. Kushner und Witkoff sollen Mitarbeiter des Weißen Hauses gewarnt haben, dass Netanjahu versuchen könnte, die Vereinbarung durch ein direktes Gespräch mit Trump zu verhindern.

Als Netanjahu schließlich im Weißen Haus angerufen habe, seien Kushner und Witkoff zugeschaltet worden. Laut dem Buch habe Trump das Gespräch mit scharfen Worten begonnen. »Du kannst dich daraus nicht zurückziehen. Ich bin der beste Freund, den Israel jemals hatte. Jeder hasst dich, und ich habe hinter dir gestanden«, soll Trump gesagt haben. Er habe hinzugefügt: »Das ist ein großartiger Deal für Israel.«

Geiseln freigelassen

Netanjahu habe schließlich zugestimmt. Wenige Tage später traten Trump und Netanjahu bei einer gemeinsamen Pressekonferenz auf und präsentierten Einigkeit, obwohl die Vereinbarung zu diesem Zeitpunkt noch nicht endgültig abgeschlossen gewesen sei. Trump erklärte damals, Netanjahu werde seine volle Unterstützung erhalten, falls Hamas den Deal ablehne.

Die Vereinbarung wurde dem Bericht zufolge Anfang Oktober endgültig besiegelt. Kurz darauf wurden die damals noch lebenden israelischen Geiseln aus dem Gazastreifen freigelassen.

Das Buch beschreibt laut den Autoren insgesamt ein widersprüchliches Verhältnis zwischen Trump und Netanjahu: Während der US-Präsident öffentlich immer wieder seine Unterstützung für Israel und dessen Regierungschef betonte, soll er intern mehrfach äußerst kritisch und wütend auf Netanjahu reagiert haben.

Beeindruckend und erschreckend

Weitere Passagen des Buches befassen sich unter anderem mit Trumps Reaktionen auf den Krieg zwischen Israel und Iran sowie auf die israelische Pager-Operation gegen die Hisbollah im Libanon. Demnach habe Trump den Einsatz gleichzeitig als beeindruckend und erschreckend empfunden und Bedenken über dessen Risiken geäußert.

Die Autoren schildern außerdem, dass Trump nach dem US-Angriff auf iranische Nuklearanlagen verärgert auf Vizepräsident JD Vance reagiert habe, weil dieser seine Formulierung, das iranische Atomprogramm sei »vollständig zerstört«, nicht exakt übernommen habe. Vance habe betont, das Programm sei erheblich zurückgeworfen worden. im

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