Staus gehören in Israel zunehmend zum Alltag. Das staatliche Straßeninfrastrukturunternehmen Netivei Israel setzt deshalb auf Ampeln, die ihre Schaltzeiten nicht mehr nach einem starren Zeitplan ausrichten, sondern sich mithilfe künstlicher Intelligenz laufend an die aktuelle Verkehrslage anpassen. Dies geht aus einem Bericht der israelischen Publikation »Globes« hervor.
Rund 170 solcher intelligenten Ampelanlagen wurden nach Angaben des Unternehmens inzwischen an israelischen Kreuzungen installiert. Eine Untersuchung an 25 Kreuzungen mit unterschiedlichen Verkehrsbedingungen zeigt demnach, dass sich die Wartezeiten teilweise deutlich reduzieren lassen.
Im Durchschnitt wurden pro Fahrzeug und Tag rund 25 Sekunden eingespart. An der Kreuzung bei Fureidis, die täglich von etwa 80.000 Fahrzeugen passiert wird, summiert sich der Zeitgewinn auf rund 771 Stunden pro Tag. Noch stärker fällt der Effekt an der Einfahrt nach Kiryat Tiv’on aus: Dort wurden durchschnittlich bis zu 56 Sekunden pro Fahrzeug eingespart, insgesamt rund 679 Stunden täglich.
Ständige Veränderung
Die möglichen wirtschaftlichen Auswirkungen sind beträchtlich. Netivei Israel kommt laut Bericht zu dem Ergebnis, dass eine Ausweitung des Systems auf 100 Kreuzungen der israelischen Wirtschaft jährlich mehr als 500 Millionen Schekel (146 Millionen Euro) bringen könnte.
Herkömmliche Ampelanlagen arbeiten meist mit Schaltprogrammen, die im Voraus auf Grundlage von Verkehrszählungen festgelegt werden. Für den tatsächlichen Straßenverkehr sind solche Vorgaben jedoch nur bedingt geeignet: Verkehrsströme verändern sich ständig, Staus entstehen und verlagern sich, und Unfälle oder andere Ereignisse können die Situation innerhalb kurzer Zeit komplett verändern.
Die neuen Anlagen sollen genau darauf reagieren. Kameras erfassen die Fahrzeuge an einer Kreuzung und analysieren unter anderem die Verkehrsdichte sowie die Länge von Fahrzeugschlangen in einem Bereich von bis zu 100 Metern. Ein Algorithmus wertet diese Informationen aus und verändert die Ampelphasen in Echtzeit.
Flächendeckende Umstellung
Entwickelt wurde das System in den vergangenen Jahren von ITC (Intelligent Traffic Control) gemeinsam mit verschiedenen Abteilungen von Netivei Israel. Beteiligt waren unter anderem die Bereiche Betrieb und Wartung, Verkehrsmanagement sowie die technische Forschungs- und Entwicklungsabteilung.
Das Ziel ist eine flächendeckende Umstellung. »Unsere Vision ist, dass innerhalb von fünf Jahren alle 750 Kreuzungen, für die Netivei Israel verantwortlich ist, adaptiv sind«, sagt Eitan Silberstein, Leiter der Technologieeinheit in der Verkehrsmanagementabteilung des Unternehmens, laut »Globes«.
Silberstein verweist dabei auf einen entscheidenden Punkt: Eine einzelne intelligente Ampel reicht nicht unbedingt aus, um den Verkehr insgesamt zu verbessern. Ein Fahrzeug kann an einer Kreuzung schneller vorankommen und anschließend an der nächsten umso länger warten. »Im Durchschnitt nutzt ein Fahrer auf dem Weg zur Arbeit drei Hauptstraßen mit jeweils fünf bis zehn Kreuzungen«, erklärt Silberstein. Wenn sich die Fahrzeit auf einer Strecke durchschnittlich um zehn Minuten verkürze, durch den Einsatz mehrerer intelligenter Ampeln, könne dies über ein Jahr gerechnet etwa zwei Arbeitswochen entsprechen. im