Der arabisch-israelische Aktivist Yoseph Haddad hat im Vorfeld der für den 27. Oktober geplanten Parlamentswahl eine eigene politische Partei registriert. Nach Angaben seines Büros führt er zugleich Gespräche mit verschiedenen möglichen Partnern über eine gemeinsame Kandidatur. »The Jerusalem Post« berichtete.
Haddad ist seit Jahren eine bekannte Stimme für Israel. Der Aktivist tritt regelmäßig in israelischen und internationalen Medien auf, nutzt soziale Netzwerke für seine politische Arbeit und war wiederholt zu Vorträgen im Ausland unterwegs. Besonders seit Beginn des Krieges gegen die palästinensische Terrororganisation Hamas hat seine Bekanntheit deutlich zugenommen.
Zu den Personen, mit denen Haddad über eine mögliche Zusammenarbeit gesprochen haben soll, gehört dem Zeitungsbericht zufolge auch Brigadegeneral der Reserve Ofer Winter. Der ehemalige Offizier gilt als politisch umstritten und wird dem rechten Lager zugerechnet. Auch Winter soll derzeit verschiedene politische Optionen für die bevorstehende Wahl prüfen.
»Positive Veränderungen«
»Yoseph Haddad hat nie verheimlicht, dass er über einen Einstieg in die Politik nachdenkt, und hat zuletzt seine Möglichkeiten abgewogen«, erklärte sein Sprecher. Mit der Registrierung der neuen Partei habe Haddad gemeinsam mit Partnern, die seine politische Linie teilten, einen weiteren Schritt unternommen.
Parallel dazu habe es Gespräche und Treffen mit verschiedenen Persönlichkeiten gegeben, um mögliche nächste Schritte auszuloten. Nach einer kürzlich beendeten Reise in die USA will Haddad nach Angaben seines Büros nun entscheiden, auf welche Weise er »positive Veränderungen für den Staat Israel« am besten bewirken könne.
Haddad verfügt bereits über eine erhebliche Reichweite in den sozialen Medien. Während des Krieges wurde er zu einem der prominenteren israelischen Fürsprecher im Internet und war regelmäßig in Fernsehprogrammen zu Gast. Seine persönliche Verbindung zur Armee reicht bis zum Zweiten Libanonkrieg zurück: 2006 wurde er während seines Dienstes bei den Israelischen Verteidigungsstreitkräften (IDF) schwer verletzt.
Stärkere Verbindung
Neben seiner Medien- und Lobbyarbeit gründete Haddad die gemeinnützige Organisation Together Vouch for Each Other. Sie will die arabische Bevölkerung stärker mit der israelischen Gesellschaft insgesamt verbinden und sich zugleich mit Problemen innerhalb der arabischen Gesellschaft in Israel befassen.
Dass Haddad auch politisch auf ein beträchtliches Wählerpotenzial hoffen könnte, deutete bereits eine im Februar veröffentlichte Umfrage des Midgam Institute an. Demnach könnte eine von ihm geführte Partei den Einzug in die Knesset schaffen und auf vier Sitze kommen.
In der Erhebung lag Haddads hypothetische Partei damit vor einigen Gruppierungen, die bereits im Parlament vertreten sind, darunter auch Benny Gantz’ Partei Blau und Weiß. Bemerkenswert war zudem, dass Haddad sowohl bei Wählern aus dem Lager von Ministerpräsident Netanjahu als auch bei Anhängern der Opposition auf Unterstützung stieß. Eine solche Wählerbasis könnte das politische Kräfteverhältnis beeinflussen.
Große Anhängerschaft
Bereits im Mai war bekannt geworden, dass Haddad über ein Bündnis mit Fleur Hassan-Nahoum nachdenkt. Die frühere stellvertretende Bürgermeisterin Jerusalems arbeitet derzeit als Sonderbeauftragte des Außenministeriums für Handel und Innovation. Zudem wurde sie 2024 Generalsekretärin von Kol Israel, einer Fraktion des Jüdischen Weltkongresses.
Hassan-Nahoum stand bereits früher an der Spitze der Jerusalemer Partei Yerushalmim. Von 2018 bis 2023 war sie stellvertretende Bürgermeisterin der israelischen Hauptstadt und zuvor Mitglied des Stadtrats. Bei den Likud-Vorwahlen 2022 trat sie ebenfalls an, erreichte auf der Kandidatenliste jedoch nur Platz 73 und zog deshalb nicht in die Knesset ein.
Haddad versucht nun offenbar, seine große Anhängerschaft in den sozialen Netzwerken in politische Macht umzuwandeln. Ob daraus tatsächlich eine neue parlamentarische Kraft entsteht und mit welchen Partnern er bei der Wahl antritt, dürfte sich in den kommenden Wochen entscheiden. im