Tel Aviv

Generalstabschef warnt vor Disziplinverlust in der Armee

Generalstabschef Eyal Zamir Foto: Copyright (c) Flash 90 2026

Israels Generalstabschef Eyal Zamir hat scharfe Kritik am Verhalten einzelner Soldaten geübt und vor einem moralischen Verfall innerhalb der Streitkräfte gewarnt. Bei einer Konferenz mit ranghohen Offizieren sagte er, in den vergangenen Kriegsjahren habe es eine bedenkliche Erosion von Disziplin und Normen gegeben. Die Publikation »The Times of Israel« berichtete.

Zamir nannte unter anderem Berichte über Plünderungen, problematische Beiträge in sozialen Netzwerken sowie das Tragen nicht genehmigter Abzeichen mit politischen, religiösen oder hetzerischen Botschaften. Solche Vorfälle seien nicht hinnehmbar. »Wir dürfen bei unseren Werten keine Kompromisse eingehen«, sagte er. Der Verlust gemeinsamer Standards könne ebenso gefährlich werden wie militärische Bedrohungen.

Während der Veranstaltung zeigte Zamir das Bild eines Soldaten mit einem Aufnäher, auf dem stand: »Stoppt den Hass. Es ist Zeit für Gewalt.« Dazu fragte er die anwesenden Kommandeure: »Ist das die Armee, die Sie wollen?« Wenn jemand glaube, dies entspreche den Werten der Armee, solle er jetzt aufstehen.

Zerstörte Jesus-Statue

Der Generalstabschef bezeichnete solche Fälle als offenen Widerspruch zu den Grundsätzen der Streitkräfte. Auch mögliche Plünderungen im Südlibanon sprach er an. Sollten sich entsprechende Berichte bestätigen, werde man ermitteln. »Es kann nicht sein, dass wir zu einer Armee von Plünderern werden.«

Besonders deutlich äußerte sich Zamir zum Fall einer zerstörten Jesus-Statue in einem christlichen Dorf im Südlibanon. Der Vorfall hatte international Empörung ausgelöst. Nach Militärangaben wurden die beteiligten Soldaten bereits bestraft. Einer der Männer soll die Statue zerstört, ein anderer die Tat gefilmt haben.

Die Armee ersetzte das beschädigte Denkmal später durch eine neue Figur.

Lesen Sie auch

Selbstdarstellung im Netz

Zamir kritisierte zudem das Verhalten mancher Soldaten in sozialen Medien. Plattformen dürften weder für provokante Botschaften noch zur Selbstinszenierung genutzt werden. »Das ist eine rote Linie, die nicht überschritten werden darf«, sagte er. Verstöße würden disziplinarisch geahndet.

Immer wieder waren in den vergangenen Monaten Videos von Soldaten im Internet verbreitet worden, die international Aufmerksamkeit auslösten.

Auch zur Stellung von Frauen in den Streitkräften nahm Zamir Stellung. Anlass waren jüngste Diskussionen über religiösen Druck innerhalb der Armee. Mehrere Soldatinnen waren zuletzt disziplinarisch belangt worden, weil sie bei ihrer Entlassung Kleidung getragen hatten, die als unangemessen eingestuft wurde.

Vorbereitung auf neue Kämpfe

Zamir sagte, Frauen seien »ein untrennbarer Teil der IDF und ihrer operativen Stärke«. Zugleich betonte er: »Es wird keinen Ausschluss von Frauen in der IDF geben.« Er stellte jedoch klar, dass Kommandeure weiterhin befugt seien, Vorschriften durchzusetzen. Die betreffende Offizierin habe nicht aus religiösem Zwang gehandelt und sei »nicht die Sittenpolizei«.

Mit Blick auf die Sicherheitslage erklärte Zamir, Israel müsse auch 2026 mit Kämpfen an mehreren Fronten rechnen. Seit dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 befinde sich das Land in einer anhaltenden Mehrfrontenauseinandersetzung.

Die Streitkräfte seien weiterhin auf eine Rückkehr intensiver Gefechte vorbereitet. Gleichzeitig forderte Zamir mehr Soldaten. Angesichts wachsender Aufgaben müsse die Zahl der Wehrdienstleistenden und Kämpfenden deutlich steigen. im

Umfrage

Netanjahus Lager liegt knapp vorn

Mit wie vielen Sitzen könnten der Likud und die ihn unterstützenden Parteien rechnen, wenn die Wahl heute stattfände?

 17.09.2026

Berlin

Berliner Linke nennen Hamas-Massaker »Widerstand«

In einer Sitzung wurde die Forderung nach einer »vollen politischen und materiellen Unterstützung des palästinensischen Widerstands in all seinen Formen« erhoben. Und dies ist nur die Spitze des Eisbergs

 17.09.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  16.09.2026

Diplomatie

Vance: US-Nahostpolitik darf nicht Israel untergeordnet sein

Der US-Vizepräsident betont strategische Partnerschaft mit Israel, pocht aber auf eine Außenpolitik, die sich an den Interessen der USA orientiert

von Sabine Brandes  16.09.2026

Tel Aviv

Israelischer Diplomat glaubt an neuen Beitritt zu Abraham-Abkommen

Israels Botschafter in den Vereinigten Arabischen Emiraten erklärt, dass in den nächsten vier bis sechs Monaten ein weiteres Land seine Beziehungen zu Israel normalisieren könnte

 16.09.2026

Gaza

Israel tötet mehrere hochrangige Hamas-Kommandeure

Israel geht gegen ranghohe Terroristen vor, darunter auch ein Mitglied des Islamischen Dschihad, das an den Massakern vom 7. Oktober beteiligt war

 16.09.2026

Sicherheit

Warnung ignoriert?

Vor dem 7. Oktober soll Mohammed bin Zayed, der Emir von Abu Dhabi, Netanjahu informiert haben

von Sabine Brandes  15.09.2026

Israel

Wie Quentin Tarantino Israelis den Kinobesuch vermiest

Berichte über Quentin Tarantinos Kinobesuche gehen in Israel viral. Eine Frau hätte ihn beinahe angebrüllt

von Sophie Albers Ben Chamo  15.09.2026

Tel Aviv

IDF-Chef prüft rechtliche Schritte gegen Film »Naza«

Generalstabschef Eyal Zamir bezeichnet bisher bekannt gewordene Teile der Doku als »Ritualmordlegenden, bewusste Verzerrungen der Realität und falsche Anschuldigungen gegen IDF-Soldaten«

 15.09.2026