Jerusalem

Neue Allianz von Lapid und Bennett knapp vor Likud

Naftali Bennett und Jair Lapid Foto: Copyright (c) Flash 90 2026

Das neu gegründete Wahlbündnis von Oppositionsführer Yair Lapid und Ex-Regierungschef Naftali Bennett würde laut einer aktuellen Umfrage stärkste Kraft in Israel werden. Nach einer Erhebung von Kanal 12 käme die gemeinsame Liste mit dem Namen »Zusammen« auf 26 Sitze und läge damit knapp vor der Likud-Partei von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, die auf 25 Mandate käme.

Trotz des Vorsprungs würde sich an den politischen Machtverhältnissen insgesamt kaum etwas ändern. Das rechte Regierungslager käme demnach auf 50 der 120 Sitze in der Knesset, die zionistisch geprägten Oppositionsparteien auf 60. Arabische Parteien würden zusammen 10 Mandate erreichen. Damit hätte weiterhin kein Lager eine eigene Mehrheit.

Die Umfrage ist die erste seit der Ankündigung des Bündnisses von Lapid und Bennett. Im Vergleich zu früheren Erhebungen bringt die Fusion bislang keinen entscheidenden Durchbruch. Beide Parteien kamen zuletzt getrennt sogar auf einen Sitz mehr.

Eisenkot setzt auf eigenes Profil

Hinter »Zusammen« und Likud würde sich laut der Befragung Gadi Eisenkots Partei Yashar mit 15 Sitzen platzieren. Die linksliberalen Demokraten kämen auf 10 Mandate. Shas, Yisrael Beytenu und Otzma Yehudit würden jeweils 9 Sitze erhalten.

Mehrere bekannte Parteien würden den Einzug ins Parlament derzeit verpassen – darunter Benny Gantz’ Blau-Weiß sowie Bezalel Smotrichs Religiöser Zionismus.

Parallel zur neuen Allianz versucht Ex-Generalstabschef Eisenkot, die Anti-Netanjahu-Kräfte zu koordinieren. Er lud Bennett, Lapid, Avigdor Liberman und Yair Golan zu Gesprächen über einen gemeinsamen Weg zu einem Wahlsieg einer »zionistischen Mehrheit« ein.

Lesen Sie auch

Zwei der drei

Nicht eingeladen wurden die arabischen Parteien sowie Benny Gantz, dessen Verhältnis zu Eisenkot seit Monaten als zerrüttet gilt. Eisenkot war früher dessen Stellvertreter, verließ das gemeinsame Lager jedoch im vergangenen Jahr und gründete anschließend Yashar.

Beobachter gehen davon aus, dass Eisenkot dem Bündnis von Bennett und Lapid auch deshalb nicht beitritt, weil er dort nur die Nummer zwei oder drei wäre. In mehreren Umfragen lag seine Partei zuletzt nahezu gleichauf mit Bennett.

Im Zentrum der Strategiefragen steht erneut die Rolle arabischer Parteien. Bennett erklärte bei Vorstellung des Bündnisses, man wolle nach der Wahl eine Regierung nur mit »zionistischen Parteien« bilden. Eine Zusammenarbeit mit arabischen Fraktionen lehnen mehrere Oppositionspolitiker seit dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 ab.

»Breite zionistische Regierung«

Genau darin liegt jedoch das Problem: Ohne Unterstützung arabischer Parteien erscheint eine Mehrheit von mindestens 61 Sitzen für das Oppositionslager weiterhin schwer erreichbar.

Benny Gantz wiederum distanzierte sich erneut von der klassischen Oppositionslinie und brachte eine breite Einheitsregierung ins Gespräch. Israel stehe unter massivem Druck und brauche eine »breite zionistische Regierung«, sagte er gegenüber Kanal 12.

»Wichtig ist nicht unbedingt, wer Ministerpräsident ist. Wichtig ist, wie diese Regierung aussieht«, erklärte Gantz. Damit ließ er offen, ob er sogar unter Netanjahu in eine Koalition eintreten würde.

Spätestens bis Oktober 2026 muss in Israel regulär gewählt werden. Bis dahin dürfte der Kampf um neue Bündnisse und Mehrheiten weiter an Intensität gewinnen. im

Diplomatischer Konflikt

Streit um russisches Schiff in Haifa: Ukraine bestellt Israels Botschafter ein

Der ukrainische Außenminister Sybiha beschwert sich über »illegalen Handel mit gestohlenem ukrainischem Getreide«. Sein israelischer Kollege Sa’ar weist dies zurück, kündigt aber eine Prüfung an

 28.04.2026

Tel Aviv

Generalstabschef warnt vor Disziplinverlust in der Armee

Eyal Zamir spricht in Zusammenhang mit dem Fehlverhalten einiger Soldaten von einem »offenen Widerspruch zu den Grundsätzen der Streitkräfte«

 28.04.2026

Krieg

IDF greift Hisbollah-Ziele im Libanon an

Die Terror-Miliz hatte zuvor israelische Soldaten angegriffen

 27.04.2026

Berlin

»Ich will mich nicht verstecken«

Ron Dekel wurde angepöbelt, weil er eine Kippa trug. Ein Video davon ging viral, er wurde im Netz beleidigt, man lauerte ihm vor der Synagoge auf. Hier spricht der Präsident der Studierendenunion darüber, was ihm passiert, seitdem er sich sichtbar als Jude zeigt

von Mascha Malburg  27.04.2026

Jerusalem

Israel ernennt ersten Botschafter für Somaliland nach Anerkennung der Region

Einen Botschafter Somalilands in Israel gibt es bereits. Im Januar wurde Mohamed Hagi für den posten ernannt

 27.04.2026

Nord-Israel

Wegen Hisbollah-Angriffen: Beschränkungen im Norden wieder eingeführt

Das Lag-BaOmer-Fest auf dem Berg Meron kann in diesem Jahr nicht in gewohnter Form stattfinden

 27.04.2026

Nahost

Verdrehte Moral

Es ist geradezu atemraubend, mit welcher Inbrunst das Opfer-Täter-Verhältnis hierzulande verkehrt wird, wenn es um Israels Reaktion auf islamistische Terrororganisationen geht

von Jacques Schuster  27.04.2026 Aktualisiert

7. Oktober

Der Angriff auf den Kibbuz Holit: Erst Nachmittags kam Hilfe

IDF-Bericht: Rund 60 palästinensische Terroristen dringen am frühen Morgen in das Areal ein. Bei dem Massaker werden 13 Zivilisten ermordet. Neun Bewohner werden als Geiseln verschleppt

 27.04.2026

Studie

Kriege verändern Schlaf, Ernährung und Bewegung deutlich

Forscher der Hebräischen Universität Jerusalem warnen, dass Stress, Angst und Unsicherheit zu ungesunden Gewohnheiten führen

 27.04.2026