Das neu gegründete Wahlbündnis von Oppositionsführer Yair Lapid und Ex-Regierungschef Naftali Bennett würde laut einer aktuellen Umfrage stärkste Kraft in Israel werden. Nach einer Erhebung von Kanal 12 käme die gemeinsame Liste mit dem Namen »Zusammen« auf 26 Sitze und läge damit knapp vor der Likud-Partei von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, die auf 25 Mandate käme.
Trotz des Vorsprungs würde sich an den politischen Machtverhältnissen insgesamt kaum etwas ändern. Das rechte Regierungslager käme demnach auf 50 der 120 Sitze in der Knesset, die zionistisch geprägten Oppositionsparteien auf 60. Arabische Parteien würden zusammen 10 Mandate erreichen. Damit hätte weiterhin kein Lager eine eigene Mehrheit.
Die Umfrage ist die erste seit der Ankündigung des Bündnisses von Lapid und Bennett. Im Vergleich zu früheren Erhebungen bringt die Fusion bislang keinen entscheidenden Durchbruch. Beide Parteien kamen zuletzt getrennt sogar auf einen Sitz mehr.
Eisenkot setzt auf eigenes Profil
Hinter »Zusammen« und Likud würde sich laut der Befragung Gadi Eisenkots Partei Yashar mit 15 Sitzen platzieren. Die linksliberalen Demokraten kämen auf 10 Mandate. Shas, Yisrael Beytenu und Otzma Yehudit würden jeweils 9 Sitze erhalten.
Mehrere bekannte Parteien würden den Einzug ins Parlament derzeit verpassen – darunter Benny Gantz’ Blau-Weiß sowie Bezalel Smotrichs Religiöser Zionismus.
Parallel zur neuen Allianz versucht Ex-Generalstabschef Eisenkot, die Anti-Netanjahu-Kräfte zu koordinieren. Er lud Bennett, Lapid, Avigdor Liberman und Yair Golan zu Gesprächen über einen gemeinsamen Weg zu einem Wahlsieg einer »zionistischen Mehrheit« ein.
Zwei der drei
Nicht eingeladen wurden die arabischen Parteien sowie Benny Gantz, dessen Verhältnis zu Eisenkot seit Monaten als zerrüttet gilt. Eisenkot war früher dessen Stellvertreter, verließ das gemeinsame Lager jedoch im vergangenen Jahr und gründete anschließend Yashar.
Beobachter gehen davon aus, dass Eisenkot dem Bündnis von Bennett und Lapid auch deshalb nicht beitritt, weil er dort nur die Nummer zwei oder drei wäre. In mehreren Umfragen lag seine Partei zuletzt nahezu gleichauf mit Bennett.
Im Zentrum der Strategiefragen steht erneut die Rolle arabischer Parteien. Bennett erklärte bei Vorstellung des Bündnisses, man wolle nach der Wahl eine Regierung nur mit »zionistischen Parteien« bilden. Eine Zusammenarbeit mit arabischen Fraktionen lehnen mehrere Oppositionspolitiker seit dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 ab.
»Breite zionistische Regierung«
Genau darin liegt jedoch das Problem: Ohne Unterstützung arabischer Parteien erscheint eine Mehrheit von mindestens 61 Sitzen für das Oppositionslager weiterhin schwer erreichbar.
Benny Gantz wiederum distanzierte sich erneut von der klassischen Oppositionslinie und brachte eine breite Einheitsregierung ins Gespräch. Israel stehe unter massivem Druck und brauche eine »breite zionistische Regierung«, sagte er gegenüber Kanal 12.
»Wichtig ist nicht unbedingt, wer Ministerpräsident ist. Wichtig ist, wie diese Regierung aussieht«, erklärte Gantz. Damit ließ er offen, ob er sogar unter Netanjahu in eine Koalition eintreten würde.
Spätestens bis Oktober 2026 muss in Israel regulär gewählt werden. Bis dahin dürfte der Kampf um neue Bündnisse und Mehrheiten weiter an Intensität gewinnen. im