Am Dienstagabend ist es in Aschkelon zu einer weiteren Eskalation der Anti-Einberufungs-Proteste gekommen, als charedische Extremisten das Grundstück des Chefs der Militärpolizei, Juval Jamin, stürmten und vor dem Haus demonstrierten. Die Familie befand sich im Haus.
Generalstabschef Ejal Zamir verurteilte den Vorfall. Eine »gefährliche rote Linie« sei überschritten worden.
Premierminister Benjamin Netanjahu bezeichnete den Einbruch als »wilden Angriff« und forderte entschlossene Maßnahmen gegen die Verantwortlichen. Die Polizei veranlasste Razzien, um die an dem Vorfall Beteiligten zu finden und zu verhaften.
Volle Härte
Polizeikommissar Danny Levy verurteilte den Vorfall ebenfalls scharf und betonte, dass die Meinungsfreiheit nicht auf Gewalt, Hausfriedensbruch oder die Bedrohung von Familienmitgliedern ausgedehnt werden dürfe. Er wies die Beamten an, alle verfügbaren Ressourcen einzusetzen, um solche Verstöße zu stoppen und die Verdächtigen vor Gericht zu stellen. Legitime Demonstrationen seien geschützt, so Levy, aber Einschüchterung und Hausfriedensbruch werde mit der vollen Härte des Gesetzes geahndet.
Verteidigungsminister Israel Katz nannte die Täter »eine Gruppe von Kriminellen«, die vor Gericht gehören. Finanzminister Bezalel Smotrich schloss sich dem Chor der Verurteilungen an und forderte die Polizei auf, die Ordnung auf den Straßen wiederherzustellen.
Oppositionsführer sehen die Verantwortung für die eskalierende Gewalt in der Regierungspolitik. Der ehemalige IDF-Generalstabschef Gadi Eisenkot, Mitglied der Fraktion Nationale Einheitspartei, sagte, der Angriff sei auf eine Regierungspolitik zurückzuführen, die die Wehrdienstverweigerung in Kriegszeiten ermögliche. Er warnte, dass Israel sich in einen Staat verwandle, in dem Banden ungestraft die Straßen terrorisieren könnten.
Gewalttätige Konfrontationen
Der Vorsitzende der Nationalen Einheitspartei, Benny Gantz, erklärte, dieser Protest habe »nichts Jüdisches«. Wenn die Behörden nicht entschlossen handelten, könnte Blutvergießen folgen.
Der Vorfall in Aschkelon ist der jüngste in einer Reihe gewalttätiger Konfrontationen im Zusammenhang mit den Protesten von Charedim gegen die Wehrpflicht, der eigentlich alle Israelis unterliegen. In den vergangenen Wochen kam es immer wieder Zusammenstößen, darunter die Beinahe-Lynchjustiz an Soldatinnen in Bnei Brak sowie Angriffe auf charedische Soldaten, die die Einberufung unterstützen. Hochrangige Militärbeamte haben privat eingeräumt, dass bestimmte Viertel für uniformiertes Personal effektiv zu »No-Go-Zonen« geworden seien.
Die Eskalation erfolgt zu einem Zeitpunkt, da die IDF nach den Anschlägen vom 7. Oktober mit kritischen Personalengpässen konfrontiert ist. Militärführer haben wiederholt die operative Notwendigkeit einer breiteren Wehrpflicht betont. sbc